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Elfenbeineinband zum Evangelistar - BSB Clm 6831#Einband

Übersicht
Signatur Clm 6831#Einband
Maße 280 mm x 197 mm x 66 mm
Datierung Mitte bis 2. Hälfte 11. Jh.
Ort Mitteleuropa: Bayern
Objekttyp Elfenbeineinband
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung Goldschmiedekunst
Kategorie Westliche Prachteinbände

Beschreibung: Caroline Smout. Bayerische Staatsbibliothek, 2017.


Bei diesem mittelalterlichen Goldschmiedeeinband mit Elfenbein aus dem Kanonikerstift St. Andreas in Freising handelt es sich um ein Pendant zum Einband von Clm 6832. Beide Deckel gehören unmittelbar zusammen, ursprünglich war der Vorderdeckel wohl Bestandteil des Einbandes von Clm 6832. Das Mittelfeld des Einbandes bildet eine als Spolie verwendete byzantinische Elfenbeintafel aus dem späten 10. Jahrhundert, das von Rahmenleisten aus vergoldetem und graviertem Kupferblech, die aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts stammen, umgeben ist.

Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 6831 : Evangelistar, Deutschland, Tegernsee, um oder kurz nach Mitte des 11. Jh.


Entstehung

Unbekannter Künstler, Goldschmied, Mitte bis 2. Hälfte 11. Jh. Mitteleuropa: Bayern


Komponenten

Vorderdeckel:

6 Streifen aus vergoldetem Kupferblech


Vorder- und Unterkante:

jeweils 2 Streifen aus vergoldetem Kupferblech


Rückdeckel:

Reste einer Schließe


Spolien (separate Beschreibungen verlinkt):

1 Elfenbeintafel (Ende 10. Jahrhundert)


Maße

Gesamt:

280 mm x 197 mm x 66 mm


Vorderdeckel:

280 mm x 191 mm x 17 mm


Mittelfeld:

siehe separate Beschreibung.


Rahmen:

obere Leisten: 60 mm x 132 mm, untere Leisten: 58–59 mm x 134–135 mm, linke Leiste: 280 mm x 29–30 mm, rechte Leiste: 279 mm x 27–31 mm.


Rückdeckel:

280 mm x 197 mm x 13 mm


Rücken:

280 mm x 66 mm


Material und Technik

Vorderdeckel:

Die Leisten aus vergoldetem und graviertem Kupferblech sind auf einen mit rotem Schafleder bezogenen Holzdeckel genagelt. An den Seiten sind sie vertikal, oben und unten horizontal ausgerichtet, so dass sie sich an den Seiten überlagern. An der Vorder- und Unterkante sind die Metallstreifen aus vergoldetem Kupferblech ebenfalls aufgenagelt und um die Oberkante gelegt. Zu der Elfenbeintafel siehe die separate Beschreibung.


Rückdeckel:

Rot gefärbtes Schafleder mit Streicheisenlinien.


Rücken:

Rot gefärbtes Ziegenleder.


Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Siehe die separate Beschreibung der Elfenbeintafel.


Rahmen:

Das Mittelfeld ist umgeben von vergoldeten Rahmenleisten, die mit Rankenwerk graviert sind. Während die Ranken auf den quer gelagerten Leisten eine zierlichere Form haben (Abb. 1), sind sie auf den beiden Seitenleisten fleischiger (Abb. 2). Partiell überdecken die Rahmenleisten den Rand der Elfenbeintafel.



Rückdeckel:

Rotes Leder, teilweise mit Streicheisenlinien. Zentriert am vorderen Rand das Gegenblech einer nicht mehr erhaltenen Schließe.


Rücken:

Braunes Leder, zwei Signaturschildchen: Frising S. Andrea 1.; Cod. lat. 6831


Überarbeitungsstadien

Rückdeckel:

Der Einband weist mit dem rotgefärbten Schafleder und dem Dekor aus Streicheisenlinien typische Merkmale von Einbänden aus dem 15. Jahrhundert auf; dies kann ein Indiz dafür sein, dass der Vorderdeckel im Zuge einer Neubindung im 15. Jh. in den Einband eingefügt wurde. Sehr wahrscheinlich bildete er vormals den Vorderdeckel von Clm 6832. Es stellt sich die Frage, ob diese Übertragung des Einbandes im Zusammenhang mit der Einsetzung des Widmungsbildes Bischof Ellenhards von Freising (1052–1078) auf fol. 2r steht, das ebenfalls aus Clm 6832 stammt. Denn die Übertragung dürfte der Memoria des Stiftgründers dienen, worauf auch die Bildinschrift hindeutet, die die Schenkung der Handschrift durch Ellenhard betont (vgl. die Pendant-Einbände Clm 16002 und Clm 16003 sowie Clm 2938 und Clm 2939). Die Inschrift stammt jedoch aus dem 16. Jahrhundert, was zu dem Gedanken geführt hat, dass die Einfügung des Vorderdeckels im 16. Jahrhundert stattgefunden haben könnte (Außen-Ansichten (2006), Nr. 3 (B. Hernad)). Zunächst muss offen bleiben, ob Widmungsbild und Einband gleichzeitig übertragen wurden – was vom Arbeitsablauf vergleichsweise einfach wäre – und die Bildinschrift nachträglich fixiert wurde oder ob das Blatt mit dem Widmungsbild nachträglich entfernt wurde. In Bezug auf Letzteres könnte eine genaue restauratorische Obduktion von Clm 6832 Aufschluss geben, insofern sich feststellen ließe, ob die erste Lage mit dem rausgetrennten Blatt nachgeheftet wurde. Im Zuge der Überführung könnten auch die Rahmenleisten der beiden Einbanddeckel getauscht worden sein: Die beiden Seitenleisten mit dem fleischigeren Rankenwerk dürften ursprünglich die Seitenleisten des Vorderdeckels von Clm 6832 gebildet haben – passend zu den Ranken der horizontal ausgerichteten Leisten.


Zustandsberichte

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Siehe separate Beschreibung der Elfenbeintafel.


Rahmen:

Insbesondere auf der Seitenleiste an der Vorderkante ist die Vergoldung abgerieben. In der oberen Rahmenleiste ist aus dem unteren Metallstreifen an zwei Stellen Metall herausgebrochen, in der unteren Rahmenleiste fehlt ein Stück Kupferblech in der oberen Leiste. An der Vorder-, Unter- und Oberkante sind Teile des Kupferblechs herausgebrochen.


Vorderkante:

Zentriert ein Bohrloch, das auf die vormalige Anbringung des Dorns einer Schließe verweist.


Rückdeckel:

Leder stark abgeschabt und mit Fehlstellen. Zentriert an der Kante ein Gegenblech einer nicht mehr erhaltenen Schließe.


Ikonographie

Vorderdeckel:

Siehe die separate Beschreibung der Elfenbeintafel.


Stil und Einordnung

Vorderdeckel:

Stilistisch sind die Blattranken in die Entstehungszeit der Handschrift (Mitte des 11. Jh.) einzuordnen.

Zu den Elfenbeintafeln siehe die separate Beschreibung.


Provenienz

Laut einem Eintrag auf dem Vorsatzblatt Ir, der aus dem 16./17. Jh. stammt, ist die Handschrift eine Schenkung Bischof Ellenhards von Freising (1052–1078) an das von ihm gegründete Kanonikerstift St. Andreas in Freising. Das Widmungsbild (fol. 2r) ist der Handschrift nicht ursprünglich zugehörig, sondern wurde vermutlich im 16. Jahrhundert aus Clm 6832 entfernt und hier eingebunden (darauf deutet die Bildinschrift hin). Aus St. Andreas gelangte die Handschrift 1803 in die Münchner Hofbibliothek.


Literaturhinweise

Außen-Ansichten (2006), Nr. 3 (B. Hernad).

Bange, Eine bayerische Malerschule (1923), 60.

Freising (1989), Nr. II.14 (M. Reuter).

Goldschmidt/Weitzmann, Die byzantinischen Elfenbeinskulpturen, Bd. 2 (1934), Nr. 22a.

Klemm, Die ottonischen und frühromanischen Handschriften (2004), Nr. 119.

Mazal, Frühmittelalter (1999), 269.

Pracht auf Pergament (2012), Nr. 53–54.

Rom und Byzanz (1998), Nr. 53 (R. Kahsnitz).

Steenbock, Der kirchliche Prachteinband (1965), Nr. 72.


Empfohlene Zitierweise

Caroline Smout. Elfenbeineinband zum Evangelistar - BSB Clm 6831#Einband. Bayerische Staatsbibliothek, 2017.

URL: https://einbaende.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Clm_6831_Einband_Hauptaufnahme, aufgerufen am 20.10.2019