Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Elfenbeintafel (Spolie) - BSB Clm 4451#Einband, Rückdeckel

Übersicht
Signatur Clm 4451#Einband
Maße 204 mm x 113 mm x ca. 13 mm
Datierung Um 980/990
Ort Lothringen (Metz?)
Objekttyp Elfenbeinschnitzerei
Katalogisierungsebene Spolie (component)
Klassifizierung Schnitzkunst
Kategorie Westliche Prachteinbände

Beschreibung: Karl-Georg Pfändtner. Bayerische Staatsbibliothek, 2016.


Ottonisches Elfenbeinrelief mit der Verkündigung an Maria und Geburt Jesu, als Spolie verwendet zur Dekoration des Rückdeckels von Clm 4451#Einband.

Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4451 (Cim. 56): Evangeliar, Deutschland, Mainz, 2. Viertel 9. Jh.


Entstehung

Um 980/990 in Lothringen (Metz?) von einem unbekannten Elfenbeinschnitzer gefertigt. Der Auftraggeber ist unbekannt.


Maße

204 mm x 113 mm x ca. 13 mm

Relieftiefe: 0 bis 10 mm


Material und Technik

Elfenbein, geschnitzt.


Beschreibung des Äußeren

Mittelfeld:

Das Mittelfeld ist in zwei etwa gleich große, vertikal übereinander angeordnete Bildfelder mit figürlichen und architektonischen Darstellungen geteilt.


Mittelfeldbegrenzung:

Um das Mittelfeld läuft ein Rahmen aus Akanthuslaub, der außen und innen von je einem glatten Stab gefasst ist.


Ausrichtung im Raum und Arrangement

Hochrechteckige Elfenbeintafel in der Mitte des Rückdeckels eingelassen.


Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen

Auf einer aus dem Elfenbein geschnitzten Inschriftentafel (Tabula Ansata) der Eintrag in Kapitalis: ECCE ANCILLA DOMINI FIAT MIHI SECUNDUM VERBUM TUUM (Lk 1, 38: Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte; übers. nach Allioli (Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes, 1872).


Zustandsberichte

Gut, wenige Farbreste.


Ikonographie

Die zentrale Elfenbeintafel zeigt in zwei Ebenen die Verkündigung an Maria und die Geburt Jesu. Maria steht vor einer Torabbreviatur, und weist auf die Inschriftentafel. Von rechts naht der gleich große Engel mit Verkündigungsgestus. Beide Figuren sind auf einer kleinen Erdscholle dargestellt, die wiederum auf dem Dach des Stalles zu Betlehem der unteren Szene aufliegt. Im Stall sitzt rechts Maria, das Haupt in die Rechte gelegt auf einem Schemel, vor ihr in der Krippe gewickelt das Jesuskind, hinter dem durch eine Doppelarkade die Köpfe von Ochs und Esel nach vorne sehen. Links hockt nachdenklich Josef, deutlich größer als Maria dargestellt.


Stil und Einordnung

Die Elfenbeinplatte wird nach Lothringen gegeben (Metz?) und gehört zusammen mit der zweiten Elfenbeinplatte auf dem Vorderdeckel (Taufe Jesu, s. gesonderte Beschreibung) in eine Gruppe von Arbeiten, zu denen auch das Elfenbein von Clm 4456#Einband (Sakramentar Heinrichs II.), ebenso eine Elfenbeinplatte mit der Himmelfahrt Christi in Wien (Kunsthistorisches Museum, Inv.-Nr. 7284) und eine Verkündigung in Berlin (Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Skulpturensammlung, Inv.-Nr. 567) zu zählen sind. Lokalisierung und Datierung dieser Werke sind nicht zweifelsfrei anerkannt. Die neuere Forschung tendiert aufgrund stilistischer und ikonographischer Details dazu, die Tafeln in Westdeutschland/Lothringen, im Umfeld von Metz und Trier, entstanden zu sehen und datiert sie ins späte 10. Jahrhundert.


Provenienz

Wohl unter Kaiser Heinrichs II. zusammen mit dem Codex dem Bamberger Dom gestiftet. Frühester sicherer Nachweis für die Herkunft aus dem Bamberger Dom findet sich allerdings erst im Domschatzverzeichnis von 1554 (s. Exner, Kunstdenkmäler (2015), 1799 mit Quellenangabe). Ab 1803 dann in der Münchener Hofbibliothek.


Literaturhinweise

Exner, Kunstdenkmäler (2015).

Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes (1872) (übersetzt von Allioli).


Empfohlene Zitierweise

Karl-Georg Pfändtner. Elfenbeintafel (Spolie) - BSB Clm 4451#Einband, Rückdeckel. Bayerische Staatsbibliothek, 2016.

URL: https://einbaende.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Clm_4451_Einband_Spolie_Elfenbeinschnitzerei_RD, aufgerufen am 21.10.2019