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Goldschmiedeeinband zum Evangeliar - BSB Clm 22021#Einband

Übersicht
Signatur Clm 22021#Einband
Maße 335 mm x 223 mm x 71 mm
Datierung Spätes 11./frühes 12. Jh .
Ort Mitteleuropa: Bayern, Wessobrunn
Objekttyp Goldschmiedeeinband
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung Goldschmiedekunst
Kategorie Westliche Prachteinbände

Beschreibung: Caroline Smout. Bayerische Staatsbibliothek, 2017.


Dieser mit Filigranwerk, Edelsteinen und Perlen verzierte Prachteinband aus vergoldetem Kupferblech stammt aus dem späten 11. oder frühen 12. Jahrhundert. Er zeigt reichen Spolienbesatz: Es sind sowohl Teile eines byzantinischen Elfenbeintriptychons aus dem späten 10. Jahrhundert als auch zwei Braunfirnisplatten aus dem 11. Jahrhundert verwendet.

Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 22021 : Evangeliar, Deutschland, Benediktbeuern, um 820–840

Entstehung

Unbekannter Künstler, Goldschmied, spätes 11. Jh./frühes 12. Jh. Mitteleuropa: Bayern, Wessobrunn.


Komponenten

Vorderdeckel:

12 vergoldete Kupferplatten

52 Fassungen für Edelsteine und Perlen

31 Edelsteine

14 Perlen


Vorderkante:

Vergoldetes Kupferblech


Spolien (separate Beschreibung verlinkt):

7 Elfenbeinreliefs (Konstantinopel, Ende des 10. Jh.)

Braunfirnisplatten (11. Jh.)


Maße

Gesamt:

335 mm x 223 mm x 71 mm


Vorderdeckel:

335 mm x 223 mm x 13 mm

Zu Mittelfeld und Mittelfeldbegrenzung siehe die separaten Beschreibungen.


Rahmen:

12 Platten, von links oben im Uhrzeigersinn: 57 mm x 55 mm, 55 mm x 102 mm, 56 mm x 56 mm, 76 mm x 55 mm, 55 mm x 57 mm, 77 mm x 57 mm, 56 mm x 57 mm, 56 mm x 102 mm, 55 mm x 57 mm, 75 mm x 57 mm, 56 mm x 56 mm, 76 mm x 55 mm


Rückdeckel:

335 mm x 223 mm x 11 mm


Rücken:

325 mm x 71 mm


Material und Technik

Vorderdeckel:

Vergoldete Kupferplatten mit Filigran, Edelsteinen, Elfenbeinreliefs, Braunfirnisplatten auf mit rotem Leder bezogenem Holzdeckel.


Vorderkante:

Vergoldetes Kupferblech


Rückdeckel:

Rotes Leder auf Holzdeckel


Rücken:

Rotes Leder

Zu den Ergebnissen der materialwissenschaftlichen und kunsttechnologischen Untersuchungen durch das Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung (IBR)


Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Siehe separate Beschreibung der Elfenbeintafel.


Mittelfeldbegrenzung:

Siehe separate Beschreibung der Braunfirnisplatten.


Rahmen:

Die vergoldeten Kupferplatten sind auf eine vergoldete Blechunterlage aufgenagelt und mit Filigranwerk, Edelsteinen und Perlen verziert. Die rechteckigen und quadratischen Platten weisen drei unterschiedliche Größen auf und sind ihrer Größe entsprechend symmetrisch angeordnet. Als Binnenrahmen sind die quadratischen Platten in den vier Ecken und in der Mitte der Seitenleisten gestaltet; in sie ist jeweils ein Elfenbeinplättchen eingebettet.

Zu den Elfenbeintäfelchen siehe die separate Beschreibung.


Goldschmuck/Filigran/etc.:

Den Rahmen der vergoldeten Kupferplatten bilden Perldrähte mit Äquatorschnitt. Das Filigran, das auf die Flächen der Platten gelötet ist, besteht aus einem flachgeschmiedetem Kerbdraht (Abb. 1). Es ist symmetrisch zu einem vegetabil wirkenden Flächenornament aus Schlaufen mit spiraligen Binnenelementen und Enden gestaltet, die sich zwischen den Edelsteinen zu Kleeblattschleifen formen (Abb. 2). Das Filigran in den Binnenrahmen wiederholt jenes auf den rechteckigen Platten in gedrängterer Form (Abb. 3).



Fassungen:

Die Zargenfassungen sind unmittelbar auf dem Grund aufgenietet, zum Teil ist die Unterkante mit einem Perldraht umsäumt (Abb. 4). Die Fassungen der kleinen eckigen Steine wie der Perlen haben bei einem runden Umriss eine nach innen gewölbte Form (Abb. 5). Durch vier Einbuchtungen wird zu einer viereckigen Oberkante übergeleitet. Aus der Zarge herausgearbeitete einfache klammerartige Halter an den Ecken (Abb. 6) (vgl. die Fassungen von Clm 2938#Einband und Clm 2939#Einband).

Neun der zehn großen eckigen und ovalen Steine haben eine Kasten- bzw. eng am Stein anliegende Fassung. Sie weisen an der Unterkante Einkerbungen auf, aus denen ein leicht nach außen gebogenes Zahnband gebildet ist (Abb. 7). Bei den Fassungen für die ovalen Steine ist die Oberkante mit groben Einkerbungen versehen, denen breite Versatzstücke des dadurch entstehenden Zahnbandes entsprechen (Abb.8).



Anordnung der Steine, Perlen, etc.:

Auf den Kupferplatten der linken und rechten Rahmenleiste ist jeweils ein großer ovaler beziehungsweise eckiger Edelstein von 4 kleineren Edelsteinen und Perlen kreuzförmig umgeben (Abb. 9). Dieses Muster ist in der oberen und unteren Rahmenleiste um zwei weitere Steine auf der horizontalen Achse erweitert (Abb. 10). Die Steine weisen keine farblich bedingte Anordnung auf. In den Binnenrahmen, welche die Elfenbeintäfelchen umschließen, dürften die türkisen Perlen systematisch in diagonaler Ausrichtung angeordnet gewesen sein (Abb. 11).



Rückdeckel:

Rahmen:

Gebildet durch jeweils 3 parallel verlaufende Streicheisenlinien an den Längsseiten sowie an der Ober- und Unterseite.


Mittelfeld:

X-Form durch jeweils 3 diagonal verlaufende Streicheisenlinien.


Innenseite:

In der Mitte befindet sich eine quadratische Öffnung, die der Aufbewahrung von Reliquien diente. Über der Öffnung ein Zettel mit der Aufschrift: Reliquiae Sancti Petri apostoli, Sancti Iohannis evangelistae, Sancti Matthaei evangelistae.


Rücken:

Rotes Leder mit 2 Signaturschildchen: Cod. lat. 22021 und Wess. 21.


Überarbeitungsstadien

Vorderdeckel:

Der Edelsteinbesatz stammt aus späterer Zeit, er ist sowohl im 15./16. Jahrhundert als auch im 18. Jahrhundert hinzugefügt worden (vgl. die Fassungen von Clm 2938#Einband und Clm 2939#Einband aus dem 15. Jahrhundert). 1962 Restaurierung an der Bayerischen Staatsbibliothek.


Zustandsberichte

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Siehe die separate Beschreibung zur Elfenbeintafel.


Mittelfeldbegrenzung:

Siehe die separate Beschreibung zu den Braunfirnisplatten.


Rahmen:

6 Fassungen für Edelsteine und Perlen sind verlorengegangen, 7 Fassungen sind zudem leer (6 Fassungen für Edelsteine, eine für Perlen). In der unteren Hälfte der linken und rechten Rahmenleiste ist jeweils an einer Stelle Filigrandraht abgesprungen.

Zu den Elfenbeintäfelchen siehe separate Beschreibung.


Vorderkante:

Fehlstellen von vergoldetem Kupferblech.


Rückdeckel:

Roter Ledereinband teilweise abgeschabt und mit Fehlstellen.


Rücken:

Roter Ledereinband abgeschabt und mit Fehlstellen an den Bünden.


Schließen:

Auf dem Rückdeckel sind Abdruckspuren vormals aufgenagelter Scharnierplatten oder Gegenbleche zu sehen.


Ikonographie

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Zur Elfenbeintafel siehe die separate Beschreibung.


Mittelfeldbegrenzung:

Zu den Braunfirnisplatten siehe die separate Beschreibung.


Rahmen:

Zu den Elfenbeintäfelchen siehe die separate Beschreibung.


Stil und Einordnung

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Zur Elfenbeintafel siehe die separate Beschreibung.


Mittelfeldbegrenzung:

Zu den Braunfirnisplatten siehe die separate Beschreibung.


Rahmen:

Das Filigran ist in seiner materiellen wie ornamentalen Form jenem auf dem Vorderdeckel eines Perikopenbuchs aus der Walters Art Gallery in Baltimore Ms. W. 8, verwandt, der wohl in Regensburg im 3. Viertel des 11. Jahrhunderts entstanden ist (Randall, Masterpieces (1985), Nr. 248; Fillitz/Pippal, Schatzkunst (1987), Nr. 10 (M. Pippal)); Ähnlichkeiten bestehen auch zum Ersten und Zweiten Gertrudenkreuz aus dem Welfenschatz, heute im Cleveland Museum of Art, die um 1038 datiert werden (vgl. Hager, Bauthätigkeit und Kunstpflege (1894), 22). Bereits Steenbock, Der kirchliche Prachteinband (1965), Nr. 74, verortete die „weitläufig klare Ordnung des Musters aus Herz- und Rankenpalmetten“ ins 11. Jahrhundert und wies auf die Ähnlichkeit des ornamentalen Filigrans auf den beiden Einbanddeckel hin.

Zu den Elfenbeintäfelchen siehe die separate Beschreibung.


Provenienz

Mehreren Einträgen zufolge befand sich die Handschrift schon im 11. Jahrhundert im Benediktinerkloster Wessobrunn. 1803 ist sie von dort in die Münchner Hofbibliothek gelangt.


Literaturhinweise

Ars sacra (1950), Nr. 158.

Außen-Ansichten (2006), Nr. 6 (B. Hernad).

Bierbrauer, Die vorkarolingischen und karolingischen Handschriften (1990), Nr. 92.

Fillitz/Pippal, Schatzkunst (1987), Nr. 10 (M. Pippal).

Goldschmidt/Weitzmann, Die byzantinischen Elfenbeinskulpturen, Bd. 2 (1934), Nr. 91–93.

Hager, Bauthätigkeit und Kunstpflege (1894), 21–23.

Halm/Meyer, Catalogus codicum latinorum, II, iv (1969), Nr. 159.

Prachteinbände 870–1685 (2001), Nr. 10 (B. Hernad).

Randall, Masterpieces (1985), Nr. 248.

Rom und Byzanz (1998), Nr. 52 (R. Kahsnitz).

Steenbock, Der kirchliche Prachteinband (1965), Nr. 74.


Empfohlene Zitierweise

Caroline Smout. Goldschmiedeeinband zum Evangeliar - BSB Clm 22021#Einband. Bayerische Staatsbibliothek, 2017.

URL: https://einbaende.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Clm_22021_Einband_Hauptaufnahme, aufgerufen am 19.07.2019