ESlg/Asc. 5537 r Einband Hauptaufnahme: Unterschied zwischen den Versionen
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Stehender Engel mit blumengefülltem Korb auf dem Haupt. | Stehender jünglingshafter Engel in ganzer Figur mit blumengefülltem Korb auf dem Haupt. | ||
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== Stil und Einordnung == | == Stil und Einordnung == | ||
Der Silbereinband wurde gewiss eigens für das 1696 in Nürnberg gedruckte Andachtsbuch von beträchtlichem Umfang gefertigt, so dass eine Datierung des Buchdeckels um oder bald nach 1696 naheliegt. In Entsprechung zur Bestimmung des Gebetbuchs für die Andacht des „christ-löblichen Gott- und Tugend-liebenden Frauenzimmers“ zeigen Vorder- und Rückdeckel zwei vielfigurige Reliefs mit ausgesprochen weiblicher Thematik: die Heimsuchung und den Besuch Jesu bei den Schwestern Maria und Martha (die Darstellung entspricht exakt dem Bericht bei LK 10, 38–42: Maria, zu den Füßen Jesu sitzend, hört seiner Rede zu, während Martha „sich viel zu schaffen“ macht, „ihm zu dienen“). In der Gesamtkomposition ist der Buchdeckel eng verwandt mit einem im Bayerischen Nationalmuseum (Inv.-Nr. Met 2830–2832; [[Literaturliste_Westliche_Prachteinbände|Seelig, ''Modell und Ausführung in der Metallkunst'' (1989)]], 95, Nr. 193) bewahrten zeitgenössischen Bleiabguss eines wohl um 1690–1700 entstandenen, heute verlorenen Silberbuchdeckels, der auf den Umkreis des Augsburger Goldschmieds Johann Andreas Thelot zurückgeht. Sehr ähnlich ist ein 2017 von der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg (Sign. 17 A 123) erworbener Silbereinband, der auf Vorder- und Rückdeckel ebenfalls in den oberen Zwickeln zwei Engelsputti und unten Festons – hier jeweils mit einem Engelskopfpaar – aufweist. Stilistisch lassen die Reliefs des Buchdeckels Sign. ESlg./Asc. 5537 r die Nähe zu den Werken des erwähnten Augsburger Goldschmieds Johann Andreas Thelots erkennen (zu Thelot siehe [[Literaturliste_Westliche_Prachteinbände|Praël-Himmer, ''Der Augsburger Goldschmied Johann Andreas Thelot'' (1978)]] sowie zuletzt [[Literaturliste_Westliche_Prachteinbände|Schnackenburg-Praël, ''???'' (2016)]] und [[Literaturliste_Westliche_Prachteinbände|Viermetz, ''Glückliche Momente'' (2016)]], 160–165, Nr. 27–28 (Christoph Emmendörffer)), ohne aber deren Qualität zu erreichen (siehe auch die Angaben in der Beschreibung zu ESlg/Asc. 5545 c). Bemerkenswert sind vor allem auch die gegossenen Schließen in Form von jünglingshaften Engeln, die einen blumengefüllten Korb auf dem Kopf tragen. | |||
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== Literaturhinweise == | == Literaturhinweise == | ||
[[Literaturliste_Westliche_Prachteinbände|Praël-Himmer, ''Der Augsburger Goldschmied Johann Andreas Thelot'' (1978)]]. | |||
[[Literaturliste_Westliche_Prachteinbände|Seelig, ''Modell und Ausführung in der Metallkunst'' (1989)]], 95, Nr. 193. | |||
[[Literaturliste_Westliche_Prachteinbände|Viermetz, ''Glückliche Momente'' (2016)]], 160–165, Nr. 27–28 (Christoph Emmendörffer). | |||
[[Literaturliste_Westliche_Prachteinbände|Schnackenburg-Praël, ''???'' (2016)]]. | |||
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Version vom 24. Juli 2018, 11:21 Uhr
| Übersicht | |
| Signatur | ESlg/Asc. 5537 r#Einband |
| Maße | 125 mm x 63 mm x 46mm |
| Datierung | Anfang 18. Jh. |
| Ort | Mitteleuropa ? Augsburg |
| Objekttyp | Silbereinband |
| Katalogisierungsebene | Gesamtaufnahme (item) |
| Klassifizierung | Kategorie:Goldschmiedekunst |
| Kategorie | Westliche Prachteinbände |
| Kurzaufnahme zum Einband im BSB-Katalog mit weiterführenden Informationen |
| Kurzaufnahme des Drucks |
| Einbanddigitalisat |
Beschreibung: Lorenz Seelig, 2017
Informationen zum Trägerband
Überliefert mit: Druckschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, ESlg/Asc. 5537 r : Johann Cundisius, Geistlicher Perlenschmuck: oder, des christ-löblichen Gott- und Tugend-liebenden Frauenzimmers aller-edelster Leibs- und Seelen-Zierrath, Nürnberg, 1696.
Entstehung
Umkreis Johann Andreas Thelot, Goldschmied, um oder bald nach 1696. Mitteleuropa: Augsburg.
Komponenten
Vorderdeckel:
1 getriebene Silberplatte
Rückdeckel:
1 getriebene Silberplatte
2 gegossene Schließen
Rücken:
1 getriebene Silberplatte
Kapitalschutz unten und oben angelötet
14 Scharniere
Maße
Gesamt:
125 mm x 63 mm x 46 mm
Vorderdeckel:
125 mm x 63 mm x 3 mm
Rückdeckel:
125 mm x 63 mm x 3 mm
Rücken:
126 mm x 50 mm
Material und Technik
Vorder- und Rückdeckel:
Auf einen Holzdeckel ist die getriebene Platte aus Silberblech aufgebracht. Silber, getrieben, ziseliert, punziert, graviert. Verschiedene separat gearbeitete plastische Elemente sind auf das Relief aufgelötet.
Schließen:
Silber, gegossen, graviert.
Rücken:
Silber, getrieben, ziseliert, punziert, graviert.
Kapitalschutz:
Silber, getrieben, ziseliert, punziert.
Beschreibung des Äußeren
Vorder- und Rückdeckel: Figürliche Szene mit Figuren in Hochrelief, umzogen von schmaler Rahmenleiste. Darüber – zuseiten einer Kartusche mit figürlicher Szene – zwei vor Akanthusranken schwebende Engelsputti, die jeweils eine Blütengirlande halten. Unten in der Mitte Engelskopf, der seitlich von Blütengirlanden über Akanthusranken eingefasst wird.
Schließen:
Stehende jünglingshafte Engel in ganzer Figur, die einen blumengefüllten Korb auf dem Kopf tragen.
Rücken:
Figürliche Szene mit Figuren in Hochrelief, umzogen von schmaler Rahmenleiste. Darüber und darunter jeweils eine von Blatt- und Blütengirlanden eingefasste Kartusche mit figürlicher Szene.
Kapitalschutz:
Akanthusranken.
Überarbeitungsstadien
[...]
Restaurierung
[...]
Zustandsberichte
Stellenweise oxidiert.
Ikonographie
Vorderdeckel:
Heimsuchung; in oberer Kartusche: Anbetung des Kindes durch Maria und Joseph.
Rückdeckel:
Besuch Jesu bei den Schwestern Maria und Martha; in oberer Kartusche: Taufe Christi im Jordan.
Rücken:
Kreuzigung Christi; in oberer Kartusche: Auferstehung Christi; in unterer Kartusche: Christus im Garten Gethsemane (Gebet am Ölberg).
Schließen:
Stehender jünglingshafter Engel in ganzer Figur mit blumengefülltem Korb auf dem Haupt.
Stil und Einordnung
Der Silbereinband wurde gewiss eigens für das 1696 in Nürnberg gedruckte Andachtsbuch von beträchtlichem Umfang gefertigt, so dass eine Datierung des Buchdeckels um oder bald nach 1696 naheliegt. In Entsprechung zur Bestimmung des Gebetbuchs für die Andacht des „christ-löblichen Gott- und Tugend-liebenden Frauenzimmers“ zeigen Vorder- und Rückdeckel zwei vielfigurige Reliefs mit ausgesprochen weiblicher Thematik: die Heimsuchung und den Besuch Jesu bei den Schwestern Maria und Martha (die Darstellung entspricht exakt dem Bericht bei LK 10, 38–42: Maria, zu den Füßen Jesu sitzend, hört seiner Rede zu, während Martha „sich viel zu schaffen“ macht, „ihm zu dienen“). In der Gesamtkomposition ist der Buchdeckel eng verwandt mit einem im Bayerischen Nationalmuseum (Inv.-Nr. Met 2830–2832; Seelig, Modell und Ausführung in der Metallkunst (1989), 95, Nr. 193) bewahrten zeitgenössischen Bleiabguss eines wohl um 1690–1700 entstandenen, heute verlorenen Silberbuchdeckels, der auf den Umkreis des Augsburger Goldschmieds Johann Andreas Thelot zurückgeht. Sehr ähnlich ist ein 2017 von der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg (Sign. 17 A 123) erworbener Silbereinband, der auf Vorder- und Rückdeckel ebenfalls in den oberen Zwickeln zwei Engelsputti und unten Festons – hier jeweils mit einem Engelskopfpaar – aufweist. Stilistisch lassen die Reliefs des Buchdeckels Sign. ESlg./Asc. 5537 r die Nähe zu den Werken des erwähnten Augsburger Goldschmieds Johann Andreas Thelots erkennen (zu Thelot siehe Praël-Himmer, Der Augsburger Goldschmied Johann Andreas Thelot (1978) sowie zuletzt Schnackenburg-Praël, ??? (2016) und Viermetz, Glückliche Momente (2016), 160–165, Nr. 27–28 (Christoph Emmendörffer)), ohne aber deren Qualität zu erreichen (siehe auch die Angaben in der Beschreibung zu ESlg/Asc. 5545 c). Bemerkenswert sind vor allem auch die gegossenen Schließen in Form von jünglingshaften Engeln, die einen blumengefüllten Korb auf dem Kopf tragen.
Provenienz
Auf dem vorderen Spiegel Exlibris: “The Hobby Rider Being the Book Plate of A. Edward Newton”. Auf dem hinteren Spiegel Etikett des New Yorker Antiquars William Salloch, Pines Bridge Road, Ossining, N.Y. 10562.
Literaturhinweise
Praël-Himmer, Der Augsburger Goldschmied Johann Andreas Thelot (1978).
Seelig, Modell und Ausführung in der Metallkunst (1989), 95, Nr. 193.
Viermetz, Glückliche Momente (2016), 160–165, Nr. 27–28 (Christoph Emmendörffer).
Schnackenburg-Praël, ??? (2016).