Clm 16003 Einband Hauptaufnahme: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Prachteinbände
Wechseln zu: Navigation, Suche
Keine Bearbeitungszusammenfassung
KKeine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 1: Zeile 1:
{{DISPLAYTITLE:Messingeinband zum Evangeliar - BSB Clm 16003#Einband}}
{{DISPLAYTITLE:Messingeinband zum Evangeliar - BSB Clm 16003#Einband}}
{{Steckbrief
{{Steckbrief
| Bild =  {{ImageSteckbrief | Titel= <!--Titel-->| Link= https://api.digitale-sammlungen.de/iiif/image/v2/bsb00107612_00002/full/329,/0/default.jpg| ZendLink= https://api.digitale-sammlungen.de/iiif/presentation/v2/bsb00107612/canvas/2/view}}
| Bild =  {{ImageSteckbrief | Titel= Messingeinband zum Evangeliar - BSB Clm 16003#Einband| Link= https://api.digitale-sammlungen.de/iiif/image/v2/bsb00107612_00002/full/329,/0/default.jpg| ZendLink= https://api.digitale-sammlungen.de/iiif/presentation/v2/bsb00107612/canvas/2/view}}
| Signatur= Clm 16003#Einband
| Signatur= Clm 16003#Einband
| Maße = [[Maße::339 mm x 266 mm x 105 mm]]
| Maße = [[Maße::339 mm x 266 mm x 105 mm]]
Zeile 11: Zeile 11:
| Kategorie = [https://einbaende.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Kategorie:Westliche_Prachteinb%C3%A4nde Westliche Prachteinbände]
| Kategorie = [https://einbaende.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Kategorie:Westliche_Prachteinb%C3%A4nde Westliche Prachteinbände]
}}
}}


{{ExtLinks | Text=Kurzaufnahme zum Einband im BSB-Katalog mit weiterführenden Informationen | Link=  https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=959686497&db=100  }}
{{ExtLinks | Text=Kurzaufnahme zum Einband im BSB-Katalog mit weiterführenden Informationen | Link=  https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=959686497&db=100  }}
Zeile 24: Zeile 22:
<!--<lido:lido xmlns:lido="http://www.lido-schema.org" xmlns="http://www.openarchives.org/OAI/2.0/" xmlns:gml="http://www.opengis.net/gml" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://www.lido-schema.org http://www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0.xsd">-->
<!--<lido:lido xmlns:lido="http://www.lido-schema.org" xmlns="http://www.openarchives.org/OAI/2.0/" xmlns:gml="http://www.opengis.net/gml" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://www.lido-schema.org http://www.lido-schema.org/schema/v1.0/lido-v1.0.xsd">-->
<!--<lido:lidoRecID lido:type="local" lido:source="==Zitierhinweis==Signatur, Bayerische Staatsbibliothek München (BSB)">-->Beschreibung: Bayerische Staatsbibliothek, Caroline Smout, 2017<!--</lido:lidoRecID>-->
<!--<lido:lidoRecID lido:type="local" lido:source="==Zitierhinweis==Signatur, Bayerische Staatsbibliothek München (BSB)">-->Beschreibung: Bayerische Staatsbibliothek, Caroline Smout, 2017<!--</lido:lidoRecID>-->
 
<!--<lido:category>-->
<!--<lido:category>-->
<!--<lido:conceptID lido:type="URI">http://www.cidoc-crm.org/crm-concepts/E22</lido:conceptID>-->
<!--<lido:conceptID lido:type="URI">http://www.cidoc-crm.org/crm-concepts/E22</lido:conceptID>-->
<!--<lido:term xml:lang="en">Man-Made Object</lido:term>-->
<!--<lido:term xml:lang="en">Man-Made Object</lido:term>-->
Zeile 54: Zeile 52:
<!--</lido:titleWrap>-->
<!--</lido:titleWrap>-->


<!--<'''TITEL''' >-->
<!--<'''Messingeinband zum Evangeliar - BSB Clm 16003#Einband''' >-->
<!--<lido:objectDescriptionSet lido:type="General">-->
<!--<lido:objectDescriptionSet lido:type="General">-->
<!--<lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--<lido:descriptiveNoteValue>-->
Bei diesem [[Epoche::Spätmittelalter|spätmittelalterlichen]] [[Klassifikation::Messingeinband]] aus dem Augustinerchorherrenstift St. Nikola bei [[Ort::Passau]] handelt es sich um ein Pendant zum Einband von [[Clm 16002 Einband Hauptaufnahme| Clm 16002]]. Die aus [[Technik::Treibarbeit|getriebenem]] [[Technik::Vergoldung|vergoldetem]] [[Material::Messing]] modellierte Figur im Mittelfeld weist einen Kopf aus [[Material::Bergkristall]] auf, der an die Verwendung antiker Spolien denken lässt.
Bei diesem [[Epoche::Spätmittelalter|spätmittelalterlichen]] [[Klassifikation::Messingeinband]] aus dem Augustinerchorherrenstift St. Nikola bei [[Ort::Passau]] handelt es sich um ein Pendant zum Einband von [[Clm 16002 Einband Hauptaufnahme| Clm 16002]]. Die aus [[Technik::Treibarbeit|getriebenem]] [[Technik::Vergoldung|vergoldetem]] [[Material::Messing]] modellierte Figur im Mittelfeld weist einen Kopf aus [[Material::Bergkristall]] auf, der an die Verwendung antiker Spolien denken lässt.
<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--<lido:sourceDescriptiveNote>Autor</lido:sourceDescriptiveNote>-->
<!--<lido:sourceDescriptiveNote>Autor</lido:sourceDescriptiveNote>-->
Zeile 69: Zeile 66:


Überliefert mit: Handschrift [https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=796186579&db=100 München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 16003] {{ExternalLinkIcon}}: Evangeliar, Deutschland, [[Ort::Passau]] (wahrscheinlich St. Nikola), um oder kurz nach Mitte des 12. Jahrhunderts  
Überliefert mit: Handschrift [https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=796186579&db=100 München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 16003] {{ExternalLinkIcon}}: Evangeliar, Deutschland, [[Ort::Passau]] (wahrscheinlich St. Nikola), um oder kurz nach Mitte des 12. Jahrhunderts  


<!--</lido:displayObject>-->
<!--</lido:displayObject>-->
Zeile 149: Zeile 145:
   
   
Unbekannter Künstler, [[Rolle des Urhebners::Goldschmied]], um 1430–1440. Mitteleuropa: [[Ort::Bayern]], [[Ort::Passau]].
Unbekannter Künstler, [[Rolle des Urhebners::Goldschmied]], um 1430–1440. Mitteleuropa: [[Ort::Bayern]], [[Ort::Passau]].


<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--</lido:eventDescriptionSet>-->
<!--</lido:eventDescriptionSet>-->
<!--<lido:objectDescriptionSet lido:type="Components/Parts">-->  
<!--<lido:objectDescriptionSet lido:type="Components/Parts">-->  
Zeile 173: Zeile 167:


2 [[Beschreibung des Äußeren::Hakenverschluss|Hakenverschlüsse]]
2 [[Beschreibung des Äußeren::Hakenverschluss|Hakenverschlüsse]]


'''Rückdeckel''':  
'''Rückdeckel''':  
Zeile 191: Zeile 186:


339 mm x 266 mm x 105 mm
339 mm x 266 mm x 105 mm


'''Vorderdeckel''':
'''Vorderdeckel''':
Zeile 199: Zeile 195:


''Rahmen'': 334 mm x 50 mm
''Rahmen'': 334 mm x 50 mm


'''Rückdeckel''':
'''Rückdeckel''':


339 mm x 266 mm x 9 mm
339 mm x 266 mm x 9 mm


'''Rücken''':
'''Rücken''':
Zeile 209: Zeile 207:


   
   
<!--</lido:displayObjectMeasurements>-->
<!--</lido:displayObjectMeasurements>-->
<!--</lido:objectMeasurementsSet>-->
<!--</lido:objectMeasurementsSet>-->
Zeile 215: Zeile 212:
<!--<lido:eventMaterialsTech>-->
<!--<lido:eventMaterialsTech>-->
<!--<lido:displayMaterialsTech>-->
<!--<lido:displayMaterialsTech>-->
== Material und Technik ==
== Material und Technik ==


Zeile 222: Zeile 218:


[[Technik::Treibarbeit|Getriebenes]] [[Technik::Vergoldung|vergoldetes]] [[Material::Messing]], [[Technik::Gravur|gravierte]] [[Material::Metall|Metallplättchen]], [[Material::Bergkristall]], [[Material::Schmuckstein|Schmucksteine]], [[Material::Email]].  
[[Technik::Treibarbeit|Getriebenes]] [[Technik::Vergoldung|vergoldetes]] [[Material::Messing]], [[Technik::Gravur|gravierte]] [[Material::Metall|Metallplättchen]], [[Material::Bergkristall]], [[Material::Schmuckstein|Schmucksteine]], [[Material::Email]].  


'''Rückdeckel''':  
'''Rückdeckel''':  


[[Materila::Leder]] mit fünf Metallbeschlägen  
[[Materila::Leder]] mit fünf Metallbeschlägen  


'''Rücken''':  
'''Rücken''':  
Zeile 273: Zeile 271:
   
   
Auf der abgesenkten Grundfläche [[Technik::Hochrelief]] einer Figur, deren Kopf aus Bergkristall gebildet ist. Links und rechts davon in der oberen Hälfte zwei Figuren in Flachrelief. In den Zwischenräumen gefasste Schmucksteine und geschwungene Blätter mit Perlen als Ornament.
Auf der abgesenkten Grundfläche [[Technik::Hochrelief]] einer Figur, deren Kopf aus Bergkristall gebildet ist. Links und rechts davon in der oberen Hälfte zwei Figuren in Flachrelief. In den Zwischenräumen gefasste Schmucksteine und geschwungene Blätter mit Perlen als Ornament.


''Rahmen'':
''Rahmen'':
   
   
Auf der Außenkante des stark profilierten, hohen Rahmens sind als Schmuckelemente eingefasste Steine montiert; je fünf an den Längsleisten und drei an der oberen und unteren Querleiste. Als Eckpfeiler sind in die Rahmenleisten vier hohe Fassungen mit Medaillons eingefügt, die gravierte Metallplättchen unter Glas tragen.  
Auf der Außenkante des stark profilierten, hohen Rahmens sind als Schmuckelemente eingefasste Steine montiert; je fünf an den Längsleisten und drei an der oberen und unteren Querleiste. Als Eckpfeiler sind in die Rahmenleisten vier hohe Fassungen mit Medaillons eingefügt, die gravierte Metallplättchen unter Glas tragen.  


''Goldschmuck/Filigran/etc.'':
''Goldschmuck/Filigran/etc.'':


Krone auf dem Kopf der Figur in Gestalt von vegetabilem [[Beschreibung des Äußeren::Ranke|Rankenwerk]] geformt. Blätter in den Zwischenräumen der Figuren.
Krone auf dem Kopf der Figur in Gestalt von vegetabilem [[Beschreibung des Äußeren::Ranke|Rankenwerk]] geformt. Blätter in den Zwischenräumen der Figuren.


''Fassungen'':
''Fassungen'':
Zeile 288: Zeile 289:
Die Zargenfassungen der [[Beschreibung des Äußeren::Medaillon|Medaillons]] sind ebenfalls unmittelbar auf dem Grund aufgenietet. Die Oberkante ist zahnbandartig gezackt, darunter verläuft ein [[Technik::flachgeschmiedeter Kerbdraht]].
Die Zargenfassungen der [[Beschreibung des Äußeren::Medaillon|Medaillons]] sind ebenfalls unmittelbar auf dem Grund aufgenietet. Die Oberkante ist zahnbandartig gezackt, darunter verläuft ein [[Technik::flachgeschmiedeter Kerbdraht]].


''Anordnung der Steine, Perlen, etc.':
 
''Anordnung der Steine, Perlen, etc.'':
   
   
Im Mittelfeld sind über der Figur zwei Steine und seitlich von ihr jeweils ein Stein angebracht. Zudem befinden sich seitlich von ihr Paare von Metallblättern, die gleichsam als Blüte zwischen sich eine Perle beherbergen.
Im Mittelfeld sind über der Figur zwei Steine und seitlich von ihr jeweils ein Stein angebracht. Zudem befinden sich seitlich von ihr Paare von Metallblättern, die gleichsam als Blüte zwischen sich eine Perle beherbergen.


An den Längsseiten des Rahmens zentriert große ovale weiße Steine, flankiert von verschiedenfarbigen kleineren Steinen; an der Ober- und Unterseite rote, grüne und  blaue Steine.
An den Längsseiten des Rahmens zentriert große ovale weiße Steine, flankiert von verschiedenfarbigen kleineren Steinen; an der Ober- und Unterseite rote, grüne und  blaue Steine.


'''Rückdeckel''':
'''Rückdeckel''':


4 dreieckige Eckbeschläge mit [[Beschreibung des Äußeren::Rahmenleisten|Rahmenleiste]] und (Lorbeer-)Zweigfries, im Mittelfeld einzelner (Lorbeer-)Zweig. Rautenförmiger Mittelbeschlag ebenfalls mit Rahmenleiste und (Lorbeer-)Zweigfries, im Mittelfeld [[Beschreibung des Äußeren::Inschrift]].
4 dreieckige Eckbeschläge mit [[Beschreibung des Äußeren::Rahmenleisten|Rahmenleiste]] und (Lorbeer-)Zweigfries, im Mittelfeld einzelner (Lorbeer-)Zweig. Rautenförmiger Mittelbeschlag ebenfalls mit Rahmenleiste und (Lorbeer-)Zweigfries, im Mittelfeld [[Beschreibung des Äußeren::Inschrift]].
<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--<lido:sourceDescriptiveNote><lido:sourceDescriptiveNote>-->
<!--<lido:sourceDescriptiveNote><lido:sourceDescriptiveNote>-->
<!--</lido:objectDescriptionSet>-->
<!--</lido:objectDescriptionSet>-->
<!--<lido:inscriptionsWrap>-->
<!--<lido:inscriptionsWrap>-->
<!--<lido:inscriptions lido:type="Inscriptions/Marks">-->
<!--<lido:inscriptions lido:type="Inscriptions/Marks">-->
Zeile 314: Zeile 313:
== Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen ==
== Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen ==
   
   
Auf dem Lager der [[Beschreibung des Äußeren::Buchschließe/Buchschnalle|Schließe]] Schriftzug „ma“ (Maria) auf gerastertem Grund (Vgl. Adler, Handbuch Buchverschluss, 2010, S. 102).
Auf dem Lager der [[Beschreibung des Äußeren::Buchschließe/Buchschnalle|Schließe]] Schriftzug „ma“ (Maria) auf gerastertem Grund (Vgl. Adler, ''Handbuch Buchverschluss'', 2010, S. 102).
   
   
<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
Zeile 334: Zeile 333:


Vermutlich komplett erneuert 1789. Mittelbeschlag mit Inschrift und vier Eckbeschläge zur gleichen Zeit ergänzt.
Vermutlich komplett erneuert 1789. Mittelbeschlag mit Inschrift und vier Eckbeschläge zur gleichen Zeit ergänzt.
<!--</lido:displayState>-->
<!--</lido:displayState>-->
Zeile 358: Zeile 353:


Laut Inschrift auf dem Mittelbeschlag wurden die vom Wurmfraß befallenen Holzdeckel  1798 restauriert und der Messingdeckel auf den Ledereinband montiert (''A Corrosione Vermium Vindicatum et Integritati Restitutum Anno 1798'').
Laut Inschrift auf dem Mittelbeschlag wurden die vom Wurmfraß befallenen Holzdeckel  1798 restauriert und der Messingdeckel auf den Ledereinband montiert (''A Corrosione Vermium Vindicatum et Integritati Restitutum Anno 1798'').


<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--<lido:sourceDescriptiveNote></lido:sourceDescriptiveNote>-->
<!--<lido:sourceDescriptiveNote></lido:sourceDescriptiveNote>-->
<!--</lido:objectDescriptionSet>-->
<!--</lido:objectDescriptionSet>-->
 
<!--<lido:subjectWrap>-->
<!--<lido:subjectWrap>-->
<!--<lido:subjectSet>-->
<!--<lido:subjectSet>-->
Zeile 375: Zeile 367:


Das vertiefte Mittelfeld füllt die [[Ikonographie::Madonna (Maria mit Kind)|thronende Madonna]] mit Christuskind in frontaler Ansicht. Die gekrönte Muttergottes hält das nimbierte nackte Christuskind, das in ihrem Schoß steht und seine rechte zum Segengestus erhoben hat, mit beiden Händen. Über dem Thronsitz schweben zwei [[Ikonographie::Engel|Engel]] zu beiden Seiten Mariens. Die vier [[Ikonographie::Medaillon|Eckmedaillons]] auf dem Profilrahmen zeigen die [[Ikonographie::Evangelistensymbole|Evangelistensymbole]]: den [[Ikonographie::Adler (Evangelistensymbol)|Adler]] für Johannes, den [[Ikonographie::Stier (Evangelistensymbol)|Stier]] für Lukas, den [[Ikonographie::Engel (Evangelistensymbol)|Menschen]] für Matthäus und den [[Ikonographie::Löwe (Evangelistensymbol)|Löwen]] für Markus (im Uhrzeigersinn).
Das vertiefte Mittelfeld füllt die [[Ikonographie::Madonna (Maria mit Kind)|thronende Madonna]] mit Christuskind in frontaler Ansicht. Die gekrönte Muttergottes hält das nimbierte nackte Christuskind, das in ihrem Schoß steht und seine rechte zum Segengestus erhoben hat, mit beiden Händen. Über dem Thronsitz schweben zwei [[Ikonographie::Engel|Engel]] zu beiden Seiten Mariens. Die vier [[Ikonographie::Medaillon|Eckmedaillons]] auf dem Profilrahmen zeigen die [[Ikonographie::Evangelistensymbole|Evangelistensymbole]]: den [[Ikonographie::Adler (Evangelistensymbol)|Adler]] für Johannes, den [[Ikonographie::Stier (Evangelistensymbol)|Stier]] für Lukas, den [[Ikonographie::Engel (Evangelistensymbol)|Menschen]] für Matthäus und den [[Ikonographie::Löwe (Evangelistensymbol)|Löwen]] für Markus (im Uhrzeigersinn).


<!--</lido:displaySubject>-->
<!--</lido:displaySubject>-->
Zeile 393: Zeile 384:
'''Vorderdeckel''':
'''Vorderdeckel''':


Stilistisch lässt sich die Figur aufgrund der ruhigen und weichen Gewandbehandlung sowie einer Stille in der Körpersprache [[Epoche::spätgotisch|spätgotischen]] Skulpturen aus [[Ort::Passau]] aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert zuordnen (vgl. zur Lokalisierung nach Passau Außen-Ansichten, 2001, Nr. 14 (B. Hernad)). So gleicht die Weichheit der Formgebung der Schüsselfalten, der herzförmigen Saumfalte und der sanften Knicke des Saums am Boden beispielsweise jener Mariens im Vesperbild in der Klosterkirche Niedernburg in Passau, die um 1420 entstanden ist (vgl. Kobler, Aspekte spätgotischer Skulptur, 1993, S. 68; ferner Brunner, Plastik, 1999, S. 502f.).Die Gestaltung des Kopfes der thronenden Madonna aus Bergkristall lässt an die Verwendung antiker Spolien denken; exemplarisch sei auf das sogenannte Herimannkreuz (Köln, Kolumba-Kunstmuseum des Erzbistums Köln, Inv. Nr. H II) aus dem frühen 11. Jahrhundert verwiesen: ein antiker Kopf aus Lapislazuli (wohl 4/5 n. Chr.) bildet das Haupt des Gekreuzigten. Susanne Wittekind zufolge lassen die Bergkristallköpfe auf den beiden Pendant-Einbänden „mithin durch einen spezifischen Materialeinsatz an die Lebenszeit Altmanns zurückdenken“ (Wittekind, Neue Einbände für alte Handschriften, 2017, S. 187). Dass das Andenken an den Klostergründer Altmann zu dieser Zeit gepflegt wurde, unterstreicht eine um 1450 in St. Nikola entstandene, mit 10 Federzeichnungen versehene Handschrift seiner Vita (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 16112, fol. 1–14). Wie im Fall von Clm 2938 und Clm 2939 dienen die Pendant-Einbände der Erinnerung an die Gründungszeit des Klosters.
Stilistisch lässt sich die Figur aufgrund der ruhigen und weichen Gewandbehandlung sowie einer Stille in der Körpersprache [[Epoche::spätgotisch|spätgotischen]] Skulpturen aus [[Ort::Passau]] aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert zuordnen (vgl. zur Lokalisierung nach Passau ''Außen-Ansichten'', 2001, Nr. 14 (B. Hernad)). So gleicht die Weichheit der Formgebung der Schüsselfalten, der herzförmigen Saumfalte und der sanften Knicke des Saums am Boden beispielsweise jener Mariens im Vesperbild in der Klosterkirche Niedernburg in Passau, die um 1420 entstanden ist (vgl. Kobler, ''Aspekte spätgotischer Skulptur'', 1993, S. 68; ferner Brunner, ''Plastik'', 1999, S. 502f.).Die Gestaltung des Kopfes der thronenden Madonna aus Bergkristall lässt an die Verwendung antiker Spolien denken; exemplarisch sei auf das sogenannte Herimannkreuz (Köln, Kolumba-Kunstmuseum des Erzbistums Köln, Inv. Nr. H II) aus dem frühen 11. Jahrhundert verwiesen: ein antiker Kopf aus Lapislazuli (wohl 4/5 n. Chr.) bildet das Haupt des Gekreuzigten. Susanne Wittekind zufolge lassen die Bergkristallköpfe auf den beiden Pendant-Einbänden „mithin durch einen spezifischen Materialeinsatz an die Lebenszeit Altmanns zurückdenken“ (Wittekind, ''Neue Einbände für alte Handschriften'', 2017, S. 187). Dass das Andenken an den Klostergründer Altmann zu dieser Zeit gepflegt wurde, unterstreicht eine um 1450 in St. Nikola entstandene, mit 10 Federzeichnungen versehene Handschrift seiner Vita (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 16112, fol. 1–14). Wie im Fall von Clm 2938 und Clm 2939 dienen die Pendant-Einbände der Erinnerung an die Gründungszeit des Klosters.


'''Rückdeckel''':
'''Rückdeckel''':


Beschläge von 1789
Beschläge von 1789


<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
Zeile 414: Zeile 404:
== Provenienz ==  
== Provenienz ==  


Insofern die Entstehung des Trägerbandes im Augustinerchorherrenstift St. Nikola bei [[Ort::Passau]] wahrscheinlich ist (Klemm, Die romanischen Handschriften, 1980, Nr. 205) und sich die Handschrift auch im 18. Jahrhundert dort befand (Kupferstich-Exlibris von Propst Franz Conrad (1795–1803) im vorderen Spiegel), kann von einer Entstehung des Einbandes im Passauer Umfeld ausgegangen werden. 1803 gelangte die Handschrift aus St. Nikola in die Münchner Hofbibliothek.
Insofern die Entstehung des Trägerbandes im Augustinerchorherrenstift St. Nikola bei [[Ort::Passau]] wahrscheinlich ist (Klemm, ''Die romanischen Handschriften'', 1980, Nr. 205) und sich die Handschrift auch im 18. Jahrhundert dort befand (Kupferstich-Exlibris von Propst Franz Conrad (1795–1803) im vorderen Spiegel), kann von einer Entstehung des Einbandes im Passauer Umfeld ausgegangen werden. 1803 gelangte die Handschrift aus St. Nikola in die Münchner Hofbibliothek.


<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
<!--</lido:descriptiveNoteValue>-->
Zeile 420: Zeile 410:
<!--</lido:event>-->
<!--</lido:event>-->
<!--</lido:eventSet>-->
<!--</lido:eventSet>-->
<!--<lido:relatedWorkSet>-->
<!--<lido:relatedWorkSet>-->
<!--<lido:relatedWork>-->  
<!--<lido:relatedWork>-->  
Zeile 432: Zeile 419:
<!--<lido:object>-->
<!--<lido:object>-->
<!--<lido:objectNote lido:type="shortCitation">-->
<!--<lido:objectNote lido:type="shortCitation">-->
Adler, ''Handbuch Buchverschluss'', 2010, S. 102.
''Außen-Ansichten'', 2001, Nr. 14 (B. Hernad).
Brunner, ''Plastik'', 1999, S. 502f.
Fritz, ''Goldschmiedekunst der Gotik'', 1982, Nr. 585, S. 269f.


Klemm, Die romanischen Handschriften, Bd. I, 1, 1980, Nr. 205
Klemm, ''Die romanischen Handschriften'', Bd. I, 1, 1980, Nr. 205.


Fritz, Goldschmiedekunst der Gotik, 1982, Nr. 585, S. 269 f.
Kobler, ''Aspekte spätgotischer Skulptur'', 1993, S. 68.


Prachteinbände 870–1685, 2001, Nr. 14 (B. Hernad)
''Prachteinbände 870–1685'', 2001, Nr. 14 (B. Hernad)


Wittekind, Neue Einbände für alte Handschriften, 2017, S. 176–200.
Wittekind, ''Neue Einbände für alte Handschriften'', 2017, S. 176–200.





Version vom 5. Juli 2018, 13:05 Uhr

Übersicht
Signatur Clm 16003#Einband
Maße 339 mm x 266 mm x 105 mm
Datierung um 1430–1440
Ort Mitteleuropa: Bayern, Passau
Objekttyp Messingeinband
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung [[:Kategorie:]]
Kategorie Westliche Prachteinbände

Beschreibung: Bayerische Staatsbibliothek, Caroline Smout, 2017


Bei diesem spätmittelalterlichen Messingeinband aus dem Augustinerchorherrenstift St. Nikola bei Passau handelt es sich um ein Pendant zum Einband von Clm 16002. Die aus getriebenem vergoldetem Messing modellierte Figur im Mittelfeld weist einen Kopf aus Bergkristall auf, der an die Verwendung antiker Spolien denken lässt.

Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 16003 : Evangeliar, Deutschland, Passau (wahrscheinlich St. Nikola), um oder kurz nach Mitte des 12. Jahrhunderts


Entstehung

Unbekannter Künstler, Goldschmied, um 1430–1440. Mitteleuropa: Bayern, Passau.


Komponenten

Vorderdeckel:

4 Medaillons mit gravierten Metallplättchen

21 Fassungen für Schmucksteine

5 Fassungen für Perlen

20 Schmucksteine

4 Perlen

2 Hakenverschlüsse


Rückdeckel:

5 moderne Metallbeschläge


Maße

Gesamt:

339 mm x 266 mm x 105 mm


Vorderdeckel:

334 mm x 253 mm x 42 mm bzw. 57 mm (Eckfassungen)

Mittelfeld: 221 mm x 149 mm

Rahmen: 334 mm x 50 mm


Rückdeckel:

339 mm x 266 mm x 9 mm


Rücken:

339 mm x 55 mm


Material und Technik

Vorderdeckel:

Getriebenes vergoldetes Messing, gravierte Metallplättchen, Bergkristall, Schmucksteine, Email.


Rückdeckel:

Leder mit fünf Metallbeschlägen


Rücken:

Leder


Zu den Ergebnissen der materialwissenschaftlichen und kunsttechnologischen Untersuchungen durch das Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung (IBR)


Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Auf der abgesenkten Grundfläche Hochrelief einer Figur, deren Kopf aus Bergkristall gebildet ist. Links und rechts davon in der oberen Hälfte zwei Figuren in Flachrelief. In den Zwischenräumen gefasste Schmucksteine und geschwungene Blätter mit Perlen als Ornament.


Rahmen:

Auf der Außenkante des stark profilierten, hohen Rahmens sind als Schmuckelemente eingefasste Steine montiert; je fünf an den Längsleisten und drei an der oberen und unteren Querleiste. Als Eckpfeiler sind in die Rahmenleisten vier hohe Fassungen mit Medaillons eingefügt, die gravierte Metallplättchen unter Glas tragen.


Goldschmuck/Filigran/etc.:

Krone auf dem Kopf der Figur in Gestalt von vegetabilem Rankenwerk geformt. Blätter in den Zwischenräumen der Figuren.


Fassungen:

Die Zargenfassungen der eckigen, ovalen wie runden Steine sind unmittelbar auf dem Grund aufgenietet. Sie haben eine bauchige Form und sind an den Oberkanten abgeschrägt. Jeweils vier einfache klammerartige Halter, die aus der Zarge herausgearbeitet sind.

Die Zargenfassungen der Medaillons sind ebenfalls unmittelbar auf dem Grund aufgenietet. Die Oberkante ist zahnbandartig gezackt, darunter verläuft ein flachgeschmiedeter Kerbdraht.


Anordnung der Steine, Perlen, etc.:

Im Mittelfeld sind über der Figur zwei Steine und seitlich von ihr jeweils ein Stein angebracht. Zudem befinden sich seitlich von ihr Paare von Metallblättern, die gleichsam als Blüte zwischen sich eine Perle beherbergen.

An den Längsseiten des Rahmens zentriert große ovale weiße Steine, flankiert von verschiedenfarbigen kleineren Steinen; an der Ober- und Unterseite rote, grüne und blaue Steine.


Rückdeckel:

4 dreieckige Eckbeschläge mit Rahmenleiste und (Lorbeer-)Zweigfries, im Mittelfeld einzelner (Lorbeer-)Zweig. Rautenförmiger Mittelbeschlag ebenfalls mit Rahmenleiste und (Lorbeer-)Zweigfries, im Mittelfeld Inschrift.


Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen

Auf dem Lager der Schließe Schriftzug „ma“ (Maria) auf gerastertem Grund (Vgl. Adler, Handbuch Buchverschluss, 2010, S. 102).


Überarbeitungsstadien

Rückdeckel:

Vermutlich komplett erneuert 1789. Mittelbeschlag mit Inschrift und vier Eckbeschläge zur gleichen Zeit ergänzt.


Zustandsberichte

Vorderdeckel:

Insbesondere am Gewand Mariens, am Christuskind und den Engeln ist die aufgetragene Goldschicht abgenutzt.

An den Borten des Mariengewandes, am Kronreif sowie am Nimbus des Christusknaben befinden sich Löcher, die der Befestigung von Fassungen für Perlen oder Schmucksteine gedient haben dürften.

Das Evangelistensymbol des Johannes, der Adler, weist noch Spuren von grünem, gelbem und blauem Email auf.


Rückdeckel:

Laut Inschrift auf dem Mittelbeschlag wurden die vom Wurmfraß befallenen Holzdeckel 1798 restauriert und der Messingdeckel auf den Ledereinband montiert (A Corrosione Vermium Vindicatum et Integritati Restitutum Anno 1798).


Ikonographie

Vorderdeckel:

Das vertiefte Mittelfeld füllt die thronende Madonna mit Christuskind in frontaler Ansicht. Die gekrönte Muttergottes hält das nimbierte nackte Christuskind, das in ihrem Schoß steht und seine rechte zum Segengestus erhoben hat, mit beiden Händen. Über dem Thronsitz schweben zwei Engel zu beiden Seiten Mariens. Die vier Eckmedaillons auf dem Profilrahmen zeigen die Evangelistensymbole: den Adler für Johannes, den Stier für Lukas, den Menschen für Matthäus und den Löwen für Markus (im Uhrzeigersinn).


Stil und Einordnung

Vorderdeckel:

Stilistisch lässt sich die Figur aufgrund der ruhigen und weichen Gewandbehandlung sowie einer Stille in der Körpersprache spätgotischen Skulpturen aus Passau aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert zuordnen (vgl. zur Lokalisierung nach Passau Außen-Ansichten, 2001, Nr. 14 (B. Hernad)). So gleicht die Weichheit der Formgebung der Schüsselfalten, der herzförmigen Saumfalte und der sanften Knicke des Saums am Boden beispielsweise jener Mariens im Vesperbild in der Klosterkirche Niedernburg in Passau, die um 1420 entstanden ist (vgl. Kobler, Aspekte spätgotischer Skulptur, 1993, S. 68; ferner Brunner, Plastik, 1999, S. 502f.).Die Gestaltung des Kopfes der thronenden Madonna aus Bergkristall lässt an die Verwendung antiker Spolien denken; exemplarisch sei auf das sogenannte Herimannkreuz (Köln, Kolumba-Kunstmuseum des Erzbistums Köln, Inv. Nr. H II) aus dem frühen 11. Jahrhundert verwiesen: ein antiker Kopf aus Lapislazuli (wohl 4/5 n. Chr.) bildet das Haupt des Gekreuzigten. Susanne Wittekind zufolge lassen die Bergkristallköpfe auf den beiden Pendant-Einbänden „mithin durch einen spezifischen Materialeinsatz an die Lebenszeit Altmanns zurückdenken“ (Wittekind, Neue Einbände für alte Handschriften, 2017, S. 187). Dass das Andenken an den Klostergründer Altmann zu dieser Zeit gepflegt wurde, unterstreicht eine um 1450 in St. Nikola entstandene, mit 10 Federzeichnungen versehene Handschrift seiner Vita (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 16112, fol. 1–14). Wie im Fall von Clm 2938 und Clm 2939 dienen die Pendant-Einbände der Erinnerung an die Gründungszeit des Klosters.

Rückdeckel:

Beschläge von 1789


Provenienz

Insofern die Entstehung des Trägerbandes im Augustinerchorherrenstift St. Nikola bei Passau wahrscheinlich ist (Klemm, Die romanischen Handschriften, 1980, Nr. 205) und sich die Handschrift auch im 18. Jahrhundert dort befand (Kupferstich-Exlibris von Propst Franz Conrad (1795–1803) im vorderen Spiegel), kann von einer Entstehung des Einbandes im Passauer Umfeld ausgegangen werden. 1803 gelangte die Handschrift aus St. Nikola in die Münchner Hofbibliothek.


Literaturhinweise

Adler, Handbuch Buchverschluss, 2010, S. 102.

Außen-Ansichten, 2001, Nr. 14 (B. Hernad).

Brunner, Plastik, 1999, S. 502f.

Fritz, Goldschmiedekunst der Gotik, 1982, Nr. 585, S. 269f.

Klemm, Die romanischen Handschriften, Bd. I, 1, 1980, Nr. 205.

Kobler, Aspekte spätgotischer Skulptur, 1993, S. 68.

Prachteinbände 870–1685, 2001, Nr. 14 (B. Hernad)

Wittekind, Neue Einbände für alte Handschriften, 2017, S. 176–200.