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Elfenbeineinband zum Evangelistar - BSB Clm 21586#Einband

Übersicht
Signatur Clm 21586#Einband
Maße 214 mm x 174 mm x 29 mm
Datierung 1. Viertel 17. Jh. (?)
Ort Bayern (?)
Objekttyp Elfenbeineinband
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung Goldschmiedekunst
Kategorie Westliche Prachteinbände

Beschreibung: Caroline Smout. Bayerische Staatsbibliothek, 2018 (Kurzerfassung).


Den Kern dieses Einbandes aus dem 17. Jahrhundert bildet eine als Spolie verwendete Elfenbeintafel, die Ende des 10. / Anfang des 11. Jahrhunderts entstanden ist. Vorwiegend aus dem 17. Jahrhundert stammen die Goldschmiedearbeiten, die den das Elfenbein umfangenden Rahmen zieren. Doch finden sich unter ihnen auch ältere Stücke aus dem 13. Jahrhundert. Trotz der heterogenen Teile hat dieser Elfenbeineinband eine einheitliche Wirkung.

Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 21586 : Evangelistar, Deutschland, Freising (?), 1. Viertel 11. Jh.


Entstehung

Unbekannter Künstler, Goldschmied, 1. Viertel 17. Jahrhundert (?). Mitteleuropa: Bayern (?).


Komponenten

Vorderdeckel:

1 schwarzer Samteinband

6 Engelbüsten aus vergoldetem Silber

3 Rosetten aus vergoldetem Silber


Vorderkante:

4 Beschläge aus vergoldetem Silber mit 8 Engelbüsten


Rückdeckel:

1 Medaillon aus vergoldetem Silber

4 Eckbeschläge aus vergoldetem Silber mit 8 Engelbüsten

4 Rosetten aus vergoldetem Silber


Schließen:

2 Schließen


Spolien (separate Beschreibung verlinkt):

1 ottonische Elfenbeintafel (Ende 10. / Anfang 11. Jahrhundert)

3 Medaillons aus vergoldetem Silber (13. Jahrhundert)


Maße

Gesamt:

214 mm x 174 mm x 29 mm


Vorderdeckel:

235 mm x 189 mm x 32 mm


Mittelfeld:

191 mm x 130 mm


Rahmen:

235 mm x 189 mm x 21–27 mm


Rückdeckel:

235 mm x 189 mm x 12 mm


Rücken:

225 mm x 24 mm


Material und Technik

Vorderdeckel:

Mit dunklem Textil beklebter Holzdeckel, vergoldetes Silber, gestanzt, gegossen. Im 17. Jahrhundert wurde der Vorderdeckel „wohl gedoppelt und der obere Holzdeckel mit der Vertiefung für die Elfenbeinplatte auf den alten Holzdeckel aufgesetzt. Das Buch wurde vermutlich dann mit dem schwarzen Samt bezogen, und das Elfenbein und die vergoldeten Versatzstücke aus unterschiedlichen Provenienzen montiert.“ (Prachteinbände 870–1685 (2001), Nr. 21 (B. Hernad)).


Rückdeckel:

Mit dunklem Textil beklebter Holzdeckel, vergoldetes Silber, getrieben, Gegossen.


Rücken:

Textilbezug


Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Siehe die separate Beschreibung.


Rahmen:

In den Ecken sind gestanzte Medaillons aus vergoldetem Silber platziert, die einen Adler zeigen. Dazwischen auf der oberen und unteren Rahmenleiste je eine gegossene Engelbüste aus vergoldetem Silber, die von gegossenen Rosetten flankiert wird (Abb. 1). Auf der linken und rechten Leiste jeweils eine größere Engelbüste, zu deren Seiten je eine kleinere Engelbüste angebracht ist (Abb. 2). Auf der rechten Rahmenleiste bilden diese kleineren Engelbüsten das Schmuckelement auf dem Lager der Schließe.



Rückdeckel:

Im Zentrum befindet sich eine getriebene Medaille mit einer figürlichen Darstellung, die von Lorbeerblättern umrahmt ist. Die als Durchbrucharbeit gestalteten Eckbeschläge weisen je eine Engelbüste auf, umgeben von volutenförmig gerollten Blättern. Zwischen den Eckbeschlägen gegossene Rosetten. Wie auf dem Lager der Schließe sind auch die Gegenbleche mit gegossenen Engelbüsten verziert (Abb. 3).



Rücken:

Dunkler Textilbezug mit den beiden Signaturschildchen: Weih. Steph 86 (oben) und Cod.lat. 21586


Schließen:

2 Hakenverschlüsse mit Stiftlager an der Vorderkante des Vorderdeckels als Ganzmetallschließe (Adler, Handbuch Buchverschluss (2010), BV.3.1.2). Scharnierplatten, Lager und Haken sind mit Engelbüsten besetzt.


Überarbeitungsstadien

Schließen:

Untere Schließe nachgegossen.


Zustandsberichte

Vorderdeckel:

Adlermedaillon links unten fehlt, an der Unterkante Fehlstellen im Textilbezug.


Rückdeckel:

An der Unterkante und Vorderkante fehlt der Textilbezug.


Rücken:

Der Textilbezug ist insbesondere in der unteren Hälfte beschädigt.


Ikonographie

Vorderdeckel:

Zur Elfenbeintafel siehe die separate Beschreibung.


Rückdeckel:

Bruststück von Maria im Profil.


Stil und Einordnung

Vorder- und Rückdeckel:

Der Einband stammt aus dem 17. Jahrhundert. „Die Plastizität des Marienbildnisses und die feine Punzierung zeugen von der Qualität dieser Arbeit. Die Medaille ist möglicherweise etwas früher entstanden als die weiteren Goldschmiede-Verzierungen, die aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts stammen und nicht so qualitätsvoll sind […]. Den Künstlern ist es gelungen, aus sehr heterogenen Teilen ein homogenes, harmonisches Werk zu formen. Die kleinen, vergoldeten Metallreliefs heben die Plastizität der Gestalten aus Elfenbein hervor. Sie betonen den kostbaren Charakter des Materials und tragen zur schreinartigen Wirkung des Einbands bei.“ (Prachteinbände 870–1685 (2001), Nr. 21 (B. Hernad)).


Provenienz

Weihenstephan, von dort 1803 in die Hofbibliothek nach München gelangt.


Literaturhinweise

Goldschmidt, Elfenbeinskulpturen, Bd. 2 (1918), Nr. 30.

Kahsnitz, Goldenes Evangelienbuch (1982), 250f., Anm. 788.

Freising (1989), Nr. II.18.

Prachteinbände 870–1685 (2001), Nr. 21 (B. Hernad).

Klemm, Die ottonischen und frühromanischen Handschriften (2004), Nr. 69.


Empfohlene Zitierweise

Caroline Smout. Elfenbeineinband zum Evangelistar - BSB Clm 21586#Einband. Bayerische Staatsbibliothek, 2018 (Kurzerfassung).

URL: https://einbaende.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Clm_21586_Einband_Hauptaufnahme, aufgerufen am 18.10.2019