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Messingeinband zu: Apokalypse und Franziskanerregel - BSB Cgm 111#Einband

Übersicht
Signatur Cgm 111#Einband
Maße 132 mm x 105 mm x 44 mm
Datierung 16. Jh.
Ort Mitteleuropa: Süddeutschland / Österreich
Objekttyp Messingeinband
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung Goldschmiedekunst
Kategorie Westliche Prachteinbände

Beschreibung: Caroline Smout. Bayerische Staatsbibliothek, 2018 (Kurzerfassung).


Dieser Messingeinband aus dem 16. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch ein Bildprogramm auf Vorder- und Rückdeckel, das nach dem Vorbild von Dürers Zyklus „Die Apokalypse“ (Blatt 3 und 10) gestaltet ist. In engem Bezug zu den Darstellungen stehen die Inschriften auf den Rahmen.

Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 111 : Apokalypse und Franziskanerregel, Deutschland, 15./16. Jahrhundert


Entstehung

Unbekannter Künstler, Goldschmied, 16. Jahrhundert. Mitteleuropa: Süddeutschland/Österreich.


Komponenten

Vorderdeckel:

1 Messingplatte

1 gestanzte Messingplatte

4 Messingleisten

4 Messingmedaillons

7 Metallplättchen an geflochtenen Schnüren.


Rückdeckel:

1 Messingplatte

1 gestanzte Messingplatte

4 Messingleisten

4 Messingmedaillons


Schließen:

2 Hakenschließen


Maße

Gesamt:

132 mm x 105 mm x 44 mm


Vorderdeckel:

143 mm x 102 mm x 10 mm,


Mittelfeld:

118 mm x 87 mm


Rahmen:

143 mm x 105 mm x 12 mm


Rückdeckel:

142 mm x 101 mm x 10 mm


Mittelfeld:

117 mm x 82 mm


Rahmen:

142 mm x 101 mm x 12 mm


Rücken:

140 mm x 56 mm


Material und Technik

Vorder- und Rückdeckel:

Auf den mit Leder überzogenen Holzdeckel ist eine gravierte Messingplatte montiert, auf die wiederum getriebene und gravierte Messingbleche aufgelegt sind.


Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Den Großteil der Fläche nimmt eine figürliche Darstellung in Relief aus getriebenem und graviertem Messingblech ein. Darunter ist in die zugrundeliegende Messingplatte eine Inschrift graviert (siehe unten unter „Inschriften / herstellungsbezogene Marken und Zeichen“).


Rahmen:

In die Leisten ist eine Inschrift eingraviert (siehe unten unter „Inschriften / herstellungsbezogene Marken und Zeichen“), in den Ecken Medaillons mit inserierten getriebenen und gravierten Figuren.


Rückdeckel:

Mittelfeld:

Das gesamte Mittelfeld ist mit einer figürlichen Darstellung in Relief aus getriebenem und graviertem Messingblech ausgefüllt.


Rahmen:

In die Leisten ist eine Inschrift eingraviert (siehe unten unter „Inschriften / herstellungsbezogene Marken und Zeichen“), in den Ecken Medaillons mit inserierten getriebenen und gravierten Symbolen.


Rücken:

Braunes Leder mit Inhaltsverweis (siehe unten unter „Inschriften / herstellungsbezogene Marken und Zeichen“) und zwei Signaturschildchen: oberes Cimel. D. 3, darunter Cod. germ. 111


Schließen:

2 Hakenverschlüsse mit Rinnenlager an der Vorderkante des Vorderdeckels als Ganzmetallschließe (Adler, Handbuch Buchverschluss (2010), BV.3.1.2). Die Schließen sind mit einer ornamentalen Gravur versehen (Abb. 1).



Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen

Auf den sieben, an Schnüren befestigen Metallplättchen auf Vorder- und Rückseite jeweils die Inschrift: IHS. Gothait.


Vorderdeckel:

Mittelfeld:

ALS • AB • MIR • LIEBET • DAS • [M]IR • NIT • WERDEN • MAG • IHS • GOTTHAIT


Rahmen:

got • bekennd • und • sieben • das • mag • nit • geschen • es • sei • dan • das • hercz • es • fri • das • es • sich • […]ch • wer • di • krewr • sei •


Rückdeckel:

Rahmen:

weil• mich krob • er • […]• wort • und • merck • so • bin • ich • noch • in • der • nacht • und • sach • noch • nie • den • tag


Rücken:

Verweis auf den Inhalt der Handschrift: A. Offenbarung Joha.s, B. Regel & Testamt Francisci, sec. XV exeunt.


Ikonographie

Vorderdeckel:

Thronender Gott, der mit seiner Rechten das Lamm fasst, das sich zu ihm aufrichtet, und mit der Rechten das Buch mit den sieben Siegeln hält (Abb. 2). Darstellung nach Dürers Zyklus „Die Apokalypse“ (Blatt 3). In den Ecken Medaillons mit den Evangelistensymbolen: Links oben Löwe für Markus (Abb. 3), rechts oben Stier für Lukas (Abb. 4), rechts unten Adler für Johannes (Abb. 5) und links unten Mensch für Matthäus (Abb. 6).



Rückdeckel:

Die Darstellung bezieht sich auf Apc 10, 1–11: Das Herabkommen des starken Engels, der mit einer Wolke bekleidet ist, ein Antlitz wie die Sonne hat und Füße wie Feuersäulen. Während er seinen rechten Fuß aufs Meer stellt, tritt er mit dem linken auf die Erde, die Insel Patmos mit reicher Vegetation. Dort sitzt rechts unten Johannes, der vom Engel das Buch nimmt und es verschlingt. Im Vordergrund liegt das Schreibzeug des Johannes: Feder, Tintenfass, Messer und Wetzstein (Abb. 7). Darstellung nach Dürers Zyklus „Die Apokalypse“ (Blatt 10). In den Eckmedaillons die Leidenswerkzeuge Christi (Arma Christi): Links oben Lanze, Dornenkrone und der mit Essig getränkte Schwamm an einem Rohr (Abb. 8), rechts oben das Kreuz (Abb. 9), rechts unten ein Geldsäckchen als Zeichen für die 30 Silberlinge Verräterlohn an Judas (Abb. 10), links unten Geißelsäule, Geißel und Rute (Abb. 11).



Stil und Einordnung

Süddeutschland/Österreich, 16. Jahrhundert


Provenienz

Ursprünglich wahrscheinlich für ein österreichisches Franziskanerkloster angefertigt. Aus der Kabinettsbibliothek von König Max I. Joseph 1826 ersteigert.


Literaturhinweise

Petzet, Die deutschen Pergament-Handschriften (1920), 198.


Empfohlene Zitierweise

Caroline Smout. Messingeinband zu: Apokalypse und Franziskanerregel - BSB Cgm 111#Einband. Bayerische Staatsbibliothek, 2018 (Kurzerfassung).

URL: https://einbaende.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Cgm_111_Einband_Hauptaufnahme, aufgerufen am 19.08.2019