Clm 22021 Einband Spolie Elfenbeinreliefs VD: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 25. Januar 2018, 10:05 Uhr

Übersicht
Signatur Clm 22021#Einband
Maße 130 mm x 90 mm; 37 mm x 35–37 mm
Datierung Ende des 10. Jh.
Ort Südosteuropa: Konstantinopel
Objekttyp Elfenbeintafel
Katalogisierungsebene Component
Klassifizierung Kategorie:Schnitzkunst
Kategorie Sculpture/European Art, reliefs (sculpture) (AAT-ID: 300047230)


Beschreibung: Caroline Smout, 2017


Die 7 Relieftafeln bildeten ursprünglich Teile eines Triptychons und werden als Spolie zur Dekoration des Vorderdeckels von Clm 22021#Einband verwendet.


Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 22021 : Evangeliar, Deutschland, Benediktbeuern, um 820–840 Evangeliar, Deutschland, Passau (wahrscheinlich St. Nikola), um oder kurz nach Mitte des 12. Jahrhunderts



Entstehung

Nikephoros-Gruppe, Ende des 10. Jh. Südosteuropa: Konstantinopel




Maße

Mittelfeld:

130 mm x 90 mm

Rahmen:

alle Täfelchen 37 mm x 35–37 mm




Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Die Elfenbeintafel ist mit vier Nägeln auf dem Buchdeckel befestigt. Sie zeigt eine Figur, die im Flachrelief aus der Elfenbeintafel herausgeschnitzt ist. Die rahmende Architektur, die aus zwei Halbsäulchen besteht, die einen Baldachin tragen, tritt plastisch hervor.

Rahmen:

Die Elfenbeintäfelchen sind mit zwei oder drei Nägeln auf dem Buchdeckel befestigt. Sie sind im Flachrelief modelliert und zeigen jeweils eine Figur.




Zustandsberichte

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Bei der Elfenbeintafel des Mittelfeldes ist der Rahmen an den Seiten sowie an den Außenkanten oben und unten abgeschnitten. Zudem finden sich Ausbrüche in der unteren Rahmenleiste und darüber im Baldachin.

Rahmen:

Die Elfenbeintäfelchen sind allseitig beschnitten.




Ikonographie

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Die Elfenbeintafel (ursprünglich die Mitteltafel des Triptychons) zeigt Christus Pantokrator: Die Halbfigur erscheint in frontaler Ansicht, das Haupt ist von einem breiten, verzierten Kreuz hinterfangen, das somit anstelle eines Nimbus erscheint. Während er seine rechte zum Segensgestus erhoben hat, hält er im linken Arm ein geschlossenes Buch; die linke Hand ist durch das Obergewand eingehüllt. Gerahmt wird die Figur von schmalen Säulchen, auf denen ein Baldachin ruht.

Rahmen:

Die geschnitzten Figuren auf den Elfenbeintäfelchen (ursprünglich Teile der Seitenflügel des Triptychons) sind als Bruststücke modelliert. In der linken Rahmenleiste sind oben ein Engel, mittig Maria und unten der Apostel Paulus dargestellt; in der rechten Leiste der Apostel Petrus, ein Engel und Johannes der Täufer. Die Anordnung der Täfelchen entspricht nicht dem originalen Zustand, in dem die Muttergottes und Johannes der Täufer die mittlere Position einnahmen, während oben die beiden Engel und unten die Apostel Petrus und Paulus platziert waren. Indem Maria und Johannes der Täufer einen Gestus des Fürbittens zeigen, erscheint der Christus im Mittelfeld nicht nur als Pantokrator, sondern auch als zentrale Figur der Deesis.



Stil und Einordnung

Vorderdeckel:

Mittelfeld und Rahmen:

Die 7 Elfenbeintafeln sind in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts in Konstantinopel entstanden und gelten als eines der Hauptwerke der Nikephoros-Gruppe. Der Stil dieses Elfenbeinschnitzers unterscheidet sich jedoch nicht unerheblich von den anderen Werken der Gruppe (Kahsnitz 1998, S. 182).

Kennzeichnend für Werke der Nikephoros-Gruppe sind: klar gegen den Grund abgesetzte Konturen und weiche Modellierung; volle, runde Gesichtstypen mit scharf abgegrenzter, meist gleichmäßig schraffierter Haarkappe; Verzierung des großen Nimbenkreuzes mit Perlschnüren und glatten Leisten. Innerhalb dieser Gruppe ist das Triptychon eine der qualitätvollen Arbeiten (Steenbock, S. 167).

Die Augen von Christus-Pantokrator sind nicht, wie bei byzantinischen Pantokrator-Darstellungen üblich, zur Seite gewandt. Die Einzelformen des Antlitzes sind groß und kräftig geformt: die Augenlider, die gebohrten Pupillen, die vortretenden Augenbrauen, die schwere Nase. Die Haare sind als dicke Masse um einen Mittelscheitel nach hinten gekämmt, der kurze Bart ist leicht gewellt. Wie das Gesicht ist auch das Gewand durch tief eingeschnittene Falten auf Brust und Schultern großförmig gebildet. Der Schnitzer strebte nicht nach den Werten des Feinen, Zierlichen und Virtuosen, sondern nach großen und klaren Formen von eindeutiger Wirkung (Kahsnitz 1998, S. 182).

Drei weitere Täfelchen mit einer ähnlichen Pantokrator-Gestalt sind bekannt, wenn sie wegen der etwas weicheren Gestaltung des Gesichtes Christi sicherlich auch von einer anderen Hand stammen (Goldschmidt und Weitzmann, Bd. 2, Nr. 91-93, Nr. 92) (Kahsnitz 1998, S. 182).