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Silbereinband zu: Das Meßbuch der hl. Kirche - BSB ESlg/Liturg. 1450 v#Einband

Übersicht
Signatur ESlg/Liturg. 1450 v#Einband
Maße 152 mm x 120 mm x 32 mm
Datierung Um 1913
Ort Mitteleuropa, Deutschland
Objekttyp Silbereinband
Katalogisierungsebene Gesamtaufname (item)
Klassifizierung Goldschmiedekunst
Kategorie Westliche Prachteinbände

Beschreibung: Lorenz Seelig. 2018.


Im frühen 20. Jahrhundert entstandene Goldschmiedearbeit. Vorne Maria mit Kind zeigend, hinten Petrus. Am Rücken Engelsbüste und Ligatur MA.

Informationen zum Trägerband

Überliefert mit dem Druck: München, Bayerische Staatsbibliothek, ESlg/Liturg. 1450 v: Das Meßbuch der hl. Kirche. Lateinisch und deutsch mit liturgischen Erklärungen für die Laien bearbeitet von Anselm Schott. 18. Aufl. Freiburg im Breisgau 1913.


Entstehung

Im frühen 20. Jahrhundert von Georg Roth & Comp. gefertigt (gegründet 1891 unter dem Namen Hanauer Silberwaren-Manufaktur, ab 1906 bis ca. 1919 unter dem Namen Georg Roth & Co.).


Komponenten

Vorderdeckel:

1 gegossene Silberplatte


Rückdeckel:

1 gegossene Silberplatte


Rücken:

1 gegossene Silberplatte


Schließen:

2 gegossene Schließen


Scharniere:

18 Scharnierteile


Maße

Gesamt:

152 mm x 120 mm x 32 mm


Vorderdeckel:

152 mm x 113 mm x 4 mm


Rückdeckel:

152 mm x 113 mm x 4 mm


Rücken:

153 mm x 34 mm


Schließen:

30 mm x 22 mm (größte Ausdehnung)


Material und Technik

Vorder- und Rückdeckel:

Auf einem Holzdeckel ist über schwarzem „Büchertuch“ (durchappretiertes Gewebe) die gegossene Silberplatte in durchbrochener Ausführung aufgebracht. Holz, "Büchertuch", Silber, Gegossen, punziert.


Rücken:

„Büchertuch“; Silber in durchbrochener Ausführung, gegossen, punziert


Schließen:

Silber in durchbrochener Ausführung, gegossen, punziert.


Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel:

Auf Mondsichel in Wolken stehende Frau mit Kind mit Krone und Stab, das Kind mit Weltkugel in der linken Hand, in großer Kartusche, umgeben von Rocaille-Ornament.


Rückdeckel:

Auf Wolken stehender Mann mit Buch und Schlüssel, in großer Kartusche, umgeben von Rocaille-Ornament.


Rücken:

Geflügelter Engelskopf, Blumen, Ligatur MA, Rocaille-Ornament. Der Buchrücken ist an beiden Seiten mit neun silbernen Scharnieren mit den Buchdeckeln verbunden.


Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen

Zwei Marken auf dem Vorderdeckel. Zentral links eine Marke mit einer stilisierten menschlichen Figur im Schild, die als Marke der Hanauer Silberwaren-Manufaktur Georg Roth & Comp (Abb. 1) zu identifizieren ist (Online Encyclopedia of Silver Marks, Hallmarks and Makers' Marks: Hanau Pseudomarks, eingesehen am 18.02.2018 ); zur Firma siehe auch Scheffler, Goldschmiede Hessens (1976), 540, Nr. 474; Scheffler, Goldschmiede Hessens (1976), S. 530, Hanau, Nr. 485 schreibt die Marke J. D. Schleißner & Söhne zu; die Marke in Form eines stehenden Kindes [?]) im Schild imitiert offensichtlich das Münchner Beschauzeichen in Gestalt des Münchner „Kindls“). Versetzt rechts darüber ligiertes Monogramm GR (?) in Frakturbuchstaben im Hochoval, das wohl für Georg Roth & Comp. in Hanau steht (die Hanauer Markenverzeichnisse führen diese Marke nicht auf).



Zustandsberichte

Zum Teil oxidiert, vor allem in den Vertiefungen. Stark berieben, besonders bei den Figuren.


Ikonographie

Vorderdeckel:

In Rocaille-Einfassung auf Wolken stehende Maria mit Kind; die Muttergottes, nimbiert und mit Strahlenkranz um das Haupt, ist bekrönt und hält ein Zepter in der linken Hand. Mit der Rechten hält sie das Jesuskind mit Weltkugel, dessen rechte Hand nach unten weist. In das Rocaille-Ornament sind in der Mittelachse oben Blüten, unten ein Buch, ein Ziborium und ein Kreuz integriert.


Rückdeckel:

Auf Wolken stehender hl. Petrus mit Buch und Schlüssel in Händen, in großer Kartusche. Das Haupt ist nimbiert und mit einem Strahlenkranz umgeben. In das Rocaille-Ormament sind – identisch zum Vorderdeckel – oben Blüten, unten ein Buch, ein Ziborium und ein Kreuz integriert.


Rücken:

Kartusche mit der Ligatur MA für Maria. Darüber geflügelter Engelskopf, darunter Rocaille-Ornament und Blüten.


Schließen:

Rocaille-Ornamente


Stil und Einordnung

Historismus – Neorokoko. Das heute eingebundene Messbuch aus dem Jahr gehört nicht ursprünglich zu dem bedeutend größeren Silbereinband. Bei der 1965 im IBR der BSB vorgenommenen Restaurierung wurden der „Bücherstoff“ sowie der Vorsatz erneuert (freundlicher Hinweis von Karin Eckstein, IBR der BSB). Der durchgehend in Gusstechnik hergestellte Buchdeckel, der als beachtliche Leistung der Hanauer Goldschmiedekunst des späten Historismus gelten kann (siehe Thiele, Tafel- und Schausilber (1992)), kombiniert mit bemerkenswertem Geschick Stilelemente des ausgehenden „style Régence“ und des frühen Rokoko. Entfernt zu vergleichen sind Schwäbisch Gmündner Silbereinbände des 18. Jahrhunderts, die – ebenfalls durchbrochen gearbeitet – in gedrängter Komposition unter anderem Blütengitter einerseits mit Akanthusranken, andererseits mit breiten Bändern verbinden (Klein, Zur Kunstgeschichte des Gmünder Schmuckhandwerks (1971), 51, Abb. 14–15; 80, Nr. 5556, a–b).


Provenienz

Der Bucheinband wurde 1965 für die BSB wohl mit dem Druck erworben.


Literaturhinweise

Klein, Zur Kunstgeschichte des Gmünder Schmuckhandwerks (1971), 51, Abb. 14–15, 80, Nr. 55–56, a–b.

Pfändtner, Erste kunsthistorische Erkenntnisse (2016), 23.

Thiele, Tafel- und Schausilber (1992).


Empfohlene Zitierweise

Lorenz Seelig. Silbereinband zu: Das Meßbuch der hl. Kirche - BSB ESlg/Liturg. 1450 v#Einband. 2018.

URL: https://einbaende.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/ESlg/Liturg._1450_v_Einband_Hauptaufnahme, aufgerufen am 19.08.2019