Gravierter Messingeinband zum Evangeliar aus Altomünster (BSB Clm 2938#Einband)
| Übersicht | |
| Signatur | Clm 2938#Einband |
| Maße | 315 mm x 225 mm x 44 mm |
| Datierung | 1489 - 1489 |
| Ort | Mitteleuropa: Bayern, Altomünster. |
| Objekttyp | Einband, westlich |
| Katalogisierungsebene | Gesamtaufnahme (item) |
| Klassifizierung | Kategorie:Prachteinband |
| Kategorie | |
| Kurzaufnahme zum Einband im BSB-Katalog mit weiterführenden Informationen |
| Kurzaufnahme der Handschrift mit weiterführenden Informationen |
| Link zur Forschungsdokumentation der BSB |
| Handschriftendigitalisat |
| Einbanddigitalisat |
Beschreibung: Caroline Smout, 2017
Dieser spätmittelalterliche Prachteinband aus vergoldetem Messing ist ein Pendant-Einband zu jenem von Clm 2939. Beide Einbände stammen aus dem Birgittenkloster Altomünster, das 1488 aus dem vormaligen Benediktinerkloster hervorgegangen ist. Die gravierte Messingplatte im Mittelfeld zeigt die Gründungszene des Benediktinerklosters in Altomünster, das Baumwunder des Heiligen Alto, so dass die Einbände der Memoria der Klostergründung dienen.
Informationen zum Trägerband
Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 2938: Evangelistar, Deutschland, Weingarten (?), um 1130
Entstehung
Unbekannter Künstler, Goldschmied, 1489. Mitteleuropa: Bayern, Altomünster.
Komponenten
Vorderdeckel:
1 Messingplatte
4 Messingstreifen
24 Fassungen für Schmucksteine und Bergkristalle
23 Schmucksteine und Bergkristalle
Spolien (separate Beschreibungen verlinkt):
Keine
Rückdeckel:
1 Messingplatte
4 Messingstreifen
5 Messingbuckel
Rücken:
Ledereinband mit zwei Signaturschildchen; oben: Altmünster 8, unten: Cod. lat. 2938
Schließen:
2 Hakenverschlüsse mit Fenster-Lager in der Knickkante des Vorderdeckels als Riemenschließe (Adler, Handbuch Buchverschluss, 2010, BV.3.1.a)). Lederriemen mit Messinghaken.
Scharniere:
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Maße
315 mm x 225 mm x 44 mm
Vorderdeckel:
315 mm x 225 mm x 16 mm
Mittelfeld:
255 mm x 160 mm
Rahmen:
315 mm x 30 mm und 160 mm x 31 mm
Rückdeckel:
319 mm x 221 mm x 15 mm
Mittelfeld:
253 mm x 157 mm
Rahmen:
319 mm x 30 mm und 158 mm x 34 mm
Rücken:
315 mm x 44 mm
Material und Technik
Vorderdeckel:
Gravierte vergoldete Messingplatte, Schmucksteine, Bergkristalle
Rückdeckel:
Gravierte, versilberte Messingplatte, 5 vergoldete Messingbuckel
Rücken:
Weißes Leder
Beschreibung des Äußeren
Vorderdeckel:
Mittelfeld:
Gravierte figürliche Darstellung mit umlaufendem Inschriften-Rahmen
Rahmen:
Aufgenagelter Rahmen aus vier Metallleisten, die oben und unten mit drei sowie an den Längsseiten mit sieben eingefassten Steinen besetzt sind. Die Ecken sind durch vier große ovale Steine betont.
Goldschmuck / Filigran / etc.:
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Fassungen:
Die Zargenfassungen der eckigen Steine sind unmittelbar auf dem Grund aufgenietet. Sie haben bei einer runden Grundform eine bauchige Ausformung. Durch vier Einkerbungen der Zarge wird zu einer viereckigen Oberkante übergeleitet. Aus der Zarge herausgearbeitete einfache klammerartige Halter an den Ecken.
Die ebenfalls unmittelbar auf den Grund aufgenieteten Zargenfassungen der ovalen Steine – sowie eines runden und eckigen Steines – haben keine bauchige Form, sondern liegen eng am Stein an. Die Oberkante ist mit eng aufeinanderfolgenden Einkerbungen versehen, so dass ein leicht angewinkeltes Zahnband auf den Stein greift.
Anordnung der Steine, Perlen etc.:
Größere und kleinere Steine alternieren.
Rückdeckel:
Mittelfeld:
Monogramm, zentriert ein vergoldeter Messingbuckel in Gestalt einer kreisförmigen rotierenden Spirale
Rahmen:
Aufgenagelter Rahmen aus vier Metallleisten, auf denen eine Umschrift eingraviert ist; mit floraler Ornamentik in den Wortzwischenräumen. In den Ecken ist jeweils ein vergoldeter Messingbuckel in Gestalt einer kreisförmigen rotierenden Spirale angebracht.
Rückenkante:
Zwei Linien mit einem Ornamentband aus nach innen weisenden Dreiecken; Innenkante gekerbt.
Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen
Auf dem Vorderdeckel: Ora pro nobis Sancte / Alto ut efficiamur digni pro= / missionibus Cristi / Anno domini M CCCC 89. (Bitte für uns, heiliger Alto, auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi. Im Jahre des Herrn 1489.)
Auf dem Rückdeckel: Miserere mei / deus Secundum / magnam / misericordiam tuam (Ps 51,3) (Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit).
Überarbeitungsstadien
Vorderdeckel:
Vorderkante:
Die Schließen sind neu (Restaurierungsvermerk vom Januar 1960 auf dem hinteren Spiegel)
Innenseite:
In einem gerahmten Feld und unter einem Glas eine eingelassene Münze: 1/2 Kreuzer, Konstanz 1702.
Rückdeckel:
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Zustandsberichte
Vorderdeckel:
In der linken Rahmenleiste fehlt ein Stein.
Rückdeckel:
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Ikonographie
Vorderdeckel:
Im Mittelfeld ist das Baumwunder des Heiligen Alto dargestellt. Rechts im Bild steht der Heilige Alto, der Gründer des oberbayerischen Stifts Altomünster, als infulierter Abt: ihm ist das päpstliche Privileg verliehen, eine Mitra zu tragen. Er markiert mit einem Messer die Bäume vor ihm, die für den Bau des Klosters vorgesehen sind. In den Ästen sitzen Vögel, die mit ihren Schnäbeln nach leichtem Astwerk greifen. Es handelt sich um eine Simultandarstellung, insofern die Legende besagt, dass die Vögel die Äste der Bäume, die in der Nacht nach der Markierung von selbst gefallen waren, zur Baustelle trugen. Gerahmt wird das Bildfeld von einer Inschrift, die das Entstehungsdatum 1489 des Einbandes nennt. Diese Darstellung ist der früheste Beleg der Gründungslegende (zusammen mit dem [https://prachteinbaende.wa1smw-stg.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Clm_2939_Einband_Hauptaufnahme Einband zur Handschrift Clm 2939).
Rückdeckel:
IHS-Monogramm mit umlaufender Inschrift
Stil und Einordnung
Vorderdeckel:
Schematische Zeichnung, Schraffuren der Gewänder wirken mechanisch, gewisse Unsicherheit und Unbeholfenheit des Künstlers sprechen für eine ungeübte Hand.
Ebenfalls 1489 entstand in Altomünster eine Messingplatte als Verkleidung der Holztafeln vom Tisch der Hl. Brigitta. Auf der Messingplatte ist mit Schwarzlot in Umrissen und leichter Schraffierung die Veronika mit dem Schweißtuch gezeichnet. Bezold/Berthol/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern vom 11.bis zum Ende des 18.Jh., München 1895: "Hinter dem Altare des Frauenchors befinden sich zwei quadratische Holztafeln vom Tisch der hl. Brigitta, dieselben sind am Rande mit vergoldetem Messingblech eingefasst, in welches gothische Ornamente und gothische Schrift eingeritzt sind. Die Inschriften lauten:Z7/ Mensa sancte Birgitie etc. anno Domini 1489 Bei dem noch vollständigen Exemplare schützt eine Messingplatte die Rückseite, auf dieser ist mit Schwarzloth in Umrissen mit leichter Schraffirung Veronika mit dem Schweisstuch (Taf. 30) gezeichnet. Wangen und Dornenkrone sind leicht kolorirt, höchst interessante Arbeit. Grösse der Tafeln H. 55, br. 51 cm."
Washington, National Gallery of Art, Rosenwald Collection Clm 2938 und 2939 als Prototypen BSB, Rar. 330 (ca. 1490) Clm 28812 (Augsburg 1493)
Field, Woodcuts from Altomünster, S. 185, Anm. 17: "There is a loose relationship between the image of the dedication page in Clm 28812 and S. 1185a BSB, Rar. 330". Beide Werke sind in Augsburg entstanden, BSB, Rar. 330 wird an den Beginn des 16. Jahrhunderts datiert. Holzschnitt, der nicht nur in Altomünster gedruckt, sondern auch hergestellt wurde: Washington, National Gallery of Art, Rosenwald Collection (S. 1185 (in Symbolleiste gespeichert) Wilhelm L. Schreiber: Handbuch der Holz- und Metallschnitte des XV. Jahrhunderts, Bd. III: Holzschnitte mit Darstellungen der männlichen und weiblichen Heiligen. Nr. 1174–1782a, Leipzig 1927, S. 5, Nr. 1185) Field, Woodcuts from Altomünster, S. 186, Anm. 22: "The only prototypes for S. 1185 are the two engraved bookcovers on Clm 2938 and Clm 2939". "This work is exceedingly difficult to date. In its naiveté of drawing and evidently untutored execution, it could range anywhere from the end of the 15th century through the 16th."
Michael Hartig: Altomünster, München 1953, Nr. 589.
Rückdeckel:
xxx
Provenienz
Womöglich wurde der Einband von Graf Wolfgang von Sandizell, dem durch Herzog Georg den Reichen von Bayern-Landshut eingesetzten Administrator des Klosters von Altomünster, in Auftrag gegeben. Mit Sicherheit wurde der Einband für Altomünster angefertigt. 1803 gelangte das Objekt aus Altomünster in die Münchner Hofbibliothek.
1488 erwirkte Graf Wolfgang von Sandizell als Verwalter von Altomünster von Papst Innozenz VIII. die Aufhebung als Benediktinerinnenkloster und die Übertragung an den Birgittenorden. 1496 stiftete Herzog Georg der Reiche das neue Doppelkloster. Dass zwei gleiche Prachteinbände zu Evangelistaren (Clm 2938 und Clm 2939) in demselben Kloster entstanden sind, kann womöglich damit erklärt werden, dass jeweils einer für den Männer- bzw. Frauenkonvent angefertigt wurde.
Literaturhinweise
Huber, Der hl. Alto und seine Klosterstiftung, 1924, S. 218 f.; Hörmann/Hofmann (Hgg.), Bayerns Kirche im Mittelalter, 1960, Nr. 67; Fritz, Gestochene Bilder, 1966, S. 218, Nr. 498; Field, Woodcuts from Altomünster, S. 184–186; Klemm, Die romanischen Handschriften, 1988, Nr. 4; Prachteinbände 870–1685, 2001, Nr. 16 (B. Hernad); Außen-Ansichten, 2006, Nr. 9 (B. Hernad); Freckmann/Trede, Katalog der lateinischen Handschriften, Altenhohenau und Altomünster, 2016, S. 338.