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1 in einen Achatstein eingelassener arabischer Amulettstein, mit granuliertem ovalen Goldblech gerahmt | |||
139 Perlen (selten Perlenersatz) unterschiedlicher Größe und Zeitstellung | |||
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Filigranmuster aus gekerbten, teils geperltem Draht. Manchmal löst sich das Ornament und bildet die oben genannten Bügel oder Spinnen. | Filigranmuster aus gekerbten, teils geperltem Draht. Manchmal löst sich das Ornament und bildet die oben genannten Bügel oder Spinnen. | ||
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Laut Domkustos Graff ([[Literatur::Graff, Außführlich- und Vollständige Beschreibung, 1763/43, Staatsbibliothek Bamberg HV.Msc.224|Außführlich- und Vollständige Beschreibung, Staatsbibliothek Bamberg HV.Msc.224, 1763/43]], [http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:22-dtl-0000002972 S. 106ff.]{{ExternalLinkIcon}}), der auch das Goldgewicht ermittelt hatte, betrug dieses vom Vorderdeckel im Jahre 1736/43 147 /12 Kronen; auf dem Einband waren nach Graf „61 ungeschnittene Jubelen“, 16 große und sehr viel kleine Perlen (14 davon im Zentrum des Einbandes – auf dem Kreuz sowie um den Achatstein – wohl ursprünglich größer als die anderen, zwei sind wohl mit zwei der größeren oben oder unten verteilten zu identifizieren). | Laut Domkustos Graff ([[Literatur::Graff, Außführlich- und Vollständige Beschreibung, 1763/43, Staatsbibliothek Bamberg HV.Msc.224|Außführlich- und Vollständige Beschreibung, Staatsbibliothek Bamberg HV.Msc.224, 1763/43]], [http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:22-dtl-0000002972 S. 106ff.]{{ExternalLinkIcon}}), der auch das Goldgewicht ermittelt hatte, betrug dieses vom Vorderdeckel im Jahre 1736/43 147 /12 Kronen; auf dem Einband waren nach Graf „61 ungeschnittene Jubelen“, 16 große und sehr viel kleine Perlen (14 davon im Zentrum des Einbandes – auf dem Kreuz sowie um den Achatstein – wohl ursprünglich größer als die anderen, zwei sind wohl mit zwei der größeren oben oder unten verteilten zu identifizieren). | ||
11 leere Perlfassungen, mehrere fehlende Perlfassungen. | |||
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Version vom 17. Januar 2018, 12:42 Uhr
| Übersicht | |
| Signatur | Clm 4454#Einband |
| Maße | 305 mm x 245 mm 70-85 mm |
| Datierung | frühes 11. Jh. |
| Ort | Reichenau oder Regensburg |
| Objekttyp | Einband, westlich |
| Katalogisierungsebene | Gesamtaufnahme (item) |
| Klassifizierung | Kategorie:Prachteinband |
| Kategorie | Einband - bindings (gathered matter components); AAT-ID: 300055023) |
| Kurzaufnahme zum Einband im BSB-Katalog mit weiterführenden Informationen |
| Kurzaufnahme der Handschrift mit weiterführenden Informationen |
| Link zur Forschungsdokumentation der BSB |
| Handschriftendigitalisat |
| Einbanddigitalisat |
Beschreibung: Karl-Georg Pfändtner 2017
[kurze summarische Beschreibung]
Informationen zum Trägerband
Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4454 (Cim. 59.): Reichenauer Evangeliar, Anfang 11. Jh.
Entstehung
Anfang des 11. Jh. in Reichenau oder Regensburg von einem unbekannten Goldschmied geschaffen. Der Auftraggeber ist unbekannt.
Komponenten
Vorderdeckel:
16 rechteckige Goldbleche mit Perl- und Edelsteinbesatz
8 quadratische Goldbleche mit Perl- und Edelsteinbesatz
1 ovales Goldblech mit Perl- und Edelsteinbesatz
16 Abgenzungsbleche
146 goldene Bügel (sog. Spinnen) aus dünnem tordiertem Draht oder Reste von solchen, teils mit Goldperlen auf Kranz aus tordiertem Draht, teils mit kleinen goldenen (gegossenen?) Blüten gesetzt
24 flache, auf dem Grund angelötete Bügel
121 Drahtkegel oder Reste von solchen
1 in einen Achatstein eingelassener arabischer Amulettstein, mit granuliertem ovalen Goldblech gerahmt
139 Perlen (selten Perlenersatz) unterschiedlicher Größe und Zeitstellung
1 römisch-antike Gemme mit Darstellung des Pegasus
62 Fassungen für Edel- und Halbedelsteine, bergkristalle, Saphire, Smaragde, Türkise, Aquamarine, Amethyste, Gläserden zentralen Achatstein
1 große Fassung für den zentralen Achatstein
Rückdeckel:
roter Samt
Rücken:
roter Samt
Schließen:
2 Schließen
Spolien (separate Beschreibungen verlinkt):
16 figürlich geprägte Bleche (Vorderdeckel)
Maße
Vorderdeckel:
305 mm x 245 mm x 13-15 mm
Goldbeschlag:
300–304 mm x 235 mm
ca. 3 mm stark
Das Goldblech des Vorderdeckels ca. 5–6 mm auf Innenseite eingeschlagen, hinten bis 3 mm.
Die länglichen Platten oben und unten:
28–32 mm x 75–76 mm
Die länglichen Platten seitlich rechts und links:
28–30 x 110 mm
Die länglichen Kreuzplatten:
horizontal: 30–32 mm x 64 mm
vertikal: 95 mm x 32 mm
Die Quadratischen Platten des Kreuzes:
30 mm x 28–30 mm
Ovale Scheibe im Zentrum:
67 mm hoch
Achatstein: 46 mm hoch
innerer Rahmen: 27 mm hoch
Amulettstein: 11 mm hoch
Die vier Quadratfelder mit den Tierreliefs:
105–108 mm x 68–72 mm, die inneren Felder 40 mm x 28–30 mm
Höhe des Mittelteils:
ca. 18 mm
Höhe der Goldkegel:
5 mm
Höhe der Spinnen:
bis zu 6 mm
Rückdeckel:
305 mm x 245 mm 14–15 mm
Rücken:
Schließen:
55 mm x 16 mm 26 mm
Buchblock:
305 mm x 245 mm 70–85 mm
Material und Technik
Vorderdeckel:
getriebenes Gold
Edel- und Halbedelsteine
Glas (u.a. rotes Glas)
Perlen
Kantenbeschläge: Silber, vergoldet?
Rückdeckel:
roter Samt
Rücken:
roter Samt
Schließen:
Bronze, vergoldet
Beschreibung des Äußeren
Vorderdeckel:
Die Komposition des Vorderdeckels folgt einem strengen Schema, dessen Zentrum das gemmengeschmückte Kreuz (crux gemmata) bildet. Die Mitte bildet ein arabischer Amulettstein, der in einen großen ovalen Achat eingelassen ist. Reich mit Perlen, Edel- und Halbedelsteinen in hohen Fassungen sowie Goldfiligran besetzt.
Goldschmuck / Filigran / etc.:
Filigranmuster aus gekerbten, teils geperltem Draht. Manchmal löst sich das Ornament und bildet die oben genannten Bügel oder Spinnen.
Fassungen:
Anordnung der Steine, Perlen etc.:
Auffallend ist der in der Mitte des Kreuzes in einer aufwendigen Fassung gesetzte ovale Achat, in dem, wiederum von einem granulierten Goldrahmen umgeben, der arabische Schmuckstein eingelassen ist. Neben diesem findet sich auf dem Einband noch ein weiterer geschnittener, wohl antiker Stein mit der Darstellung eines geflügelten Pferdes (Pegasus).
Rückdeckel:
Der Rückdeckel zeigt roten Samt.
Rücken:
Samtüberzug, 3 Bünde
Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen
Im Zentrum des Deckels findet sich ein arabischer Amulettstein aus dem [###] Jh., der die arabischen Buchstaben H und W (meint Huwa, dt.: ihm, d.h. Allah; freundliche Mitteilung Avinoam Shalem, Columbia University, New York; Shalem, Islam Christianized, cat. no. 278. fig. 52.; s. ebd. p. 154).
Überarbeitungsstadien
Vorderdeckel:
Rückdeckel:
roter Samt (1958?)
Rücken:
roter Samt (1958?), ersetzt wohl älteren aus dem 17./18. Jh. wie er an Clm 4453 und sehr ähnlich an Clm 4451 vorhanden ist.
Zustandsberichte
Laut Domkustos Graff (Außführlich- und Vollständige Beschreibung, Staatsbibliothek Bamberg HV.Msc.224, 1763/43, S. 106ff.), der auch das Goldgewicht ermittelt hatte, betrug dieses vom Vorderdeckel im Jahre 1736/43 147 /12 Kronen; auf dem Einband waren nach Graf „61 ungeschnittene Jubelen“, 16 große und sehr viel kleine Perlen (14 davon im Zentrum des Einbandes – auf dem Kreuz sowie um den Achatstein – wohl ursprünglich größer als die anderen, zwei sind wohl mit zwei der größeren oben oder unten verteilten zu identifizieren).
11 leere Perlfassungen, mehrere fehlende Perlfassungen.
Restaurierung
[...]
Ikonographie
Vorderdeckel:
1 antikes Intaglio mit Pegasus.
Stil und Einordnung
Vorderdeckel:
Komponenten verschiedener Provenienz und Zeitstellung (zu den getriebenen Goldblechen siehe gesonderte Beschreibung). Auch die Edelstein- und Perlfassungen sind unterschiedlich ausgeprägt. Die auf hohen Fassungen aufgesetzten Perlen finden sich ähnlich auf der Reichskrone in Wien (Filitz 2010, S. 39, 41, Abb. 4). Diese Art kennt ebenso das Lorum des Kaiserinnenschmucks und die Mainzer Tasseln (Filitz 2010, S. 41). Sie sind auf diesen Beispielen sehr ähnlich, aber nicht identisch. Das Drahtschlingentürmchen in Clm 4454 hängt vielleicht mit den drei sich aufwölbenden, gepaarten Filigrandrähten ab, die in der Mitte von einem größeren Goldkügelchen bekrönt werden, die sich auf der Krone der Essener Goldmadonna, der Kunigundenkrone und dem aus Metz stammenden Buchdeckel der BnF Ms. Lat. 9388]: finden. Die Fassungen mit den Akanthusblättern, deren äußerste mit den äußersten des folgenden Büschels zusammenstößt und der Zwischenraum lochförmig ausgespart bleibt, hat seine Vorbilder letztendlich in spätkarolingischen Werken der sog. Hofschule Karls des Kahlen, etwa im Codex Aureus von St. Emmeram, dem jüngeren Lindauer Buchdeckel, dem Arnulfziborium. Die Rahmung dieses Oculus berühren sich nur leicht. Vergleichbar sind ein Teil der Fassungen im Evangeliar aus Mainz (Clm 4451) oder auf dem Evangeliar Ottos III., aber auch einige Fassungen auf dem großen Bernwardkreuz in Hildesheim. Auffallend ist aber bei den Fassungen hier die starke Rahmung der einzelnen Blätter, in den Zwischenraum sind hier auch eine kleine Kugel am Stiel eingefügt, und auch der Oculi. Die Fassung des zentralen mittleren Steins mit Rankenwerk aus Perldraht auf sehr dünner goldener Folie, die teils durchbrochen ist, findet man in ottonischen Werken vergleichbar auf manchen Fassungen des Heinrichsportatiles in der Schatzkammer der Residenz in München, ebenso aber auf manchen, diesem sehr ähnlichen, wohl in Zweitverwendung hier aufgebrachten Fassungen des Evangeliars aus Riddagshausen im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig. Auffallend sind die zwischen den Oculi angebrachten Stege mit den blütenförmigen Gebilden, die bisher an anderen Goldschmiedeobjekten noch nicht gefunden wurden. Die kleinen goldenen Bügel sind (allerdings in anderer Ausführung) auch aus der Metzer Goldschmiedekunst bekannt, vgl. z.B. BnF Ms. Lat. 9388] der BnF Paris (Steenbock, 1965, Kat. Nr. 46, Abb. 64). Sie kommen schon in karolingischer Zeit vor, so am Psalter Karls des Kahlen (Steenbock, 1965, Kat. Nr. 19, Rückdeckel, Abb. 31, Paris, BnF Lat. 1152). Im Gegensatz zu den anderen ottonischen Bügeln etwa an Clm 4451 oder Clm 4452 (Perikopenbuch Heinrichs II.) sind die Bügel hier aus tordiertem Golddraht und sehr viel zarter, vor allem bilden sie Schlaufen, ähnlich wie die Schlaufen des Filigrans am Goldgrund des Buchdeckels. Ursprünglich scheinen diese Bügel oder Spinnen mit einem kleinen Kranz besetzt gewesen zu sein, auf dem jeweils eine kleine Goldkugel saß (an mehreren Stellen noch vorhanden), später wurden wohl gegossene Blüten aufgesetzt.
Schließen
Die Schließen aus dem 17./18. Jh.?,(laut Bassermann-Jordan/Schmid, 1914, S. 19: 16. Jh.) sind identisch zu denen auf Clm 4453, beide im Stil von denjenigen in Clm 4451, allerdings verkürzt. Vergleichbare Stücke werden bei Adler ins 17./18. Jh.(also nahe an die Restaurierungsarbeiten an den Bamberger Codices) gesetzt (Litteratur:Adler, Handbuch Buchverschluss und Buchbeschlag, 2010, S. 144ff.).
Provenienz
Vermutlich von Kaiser Heinrich II. dem Bamberger Dom geschenkt. Erstmals im Inventar des Domschatzes von 1554 eindeutig nachweisbar. 1803 von Bamberg nach München.
Literaturhinweise
Bassermann-Jordan/Schmid, 1914, S. 19.
Exner, 2015, S. 1804f. (dort die komplette Forschungsdokumentation), Nr. 4.
Fillitz, Goldschmiedekunst, 1993, S. 187-189
Fillitz, Thesaurus mediaevalis, 2010, S. 39, 41, Abb. 4.
Shalem, Islam Christianized, 1998, cat. no. 278 fig. 52, s. ebd. S. 154.