Clm 4453 Einband Hauptaufnahme

Aus Prachteinbände
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Signatur Clm 4453#Einband
Maße 338 x 245 x 15 mm
Datierung 996 - 1024
Ort Bamberg? Regensburg? Reichenau?
Objekttyp Einband, westlich
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung Kategorie:Prachteinband
Kategorie Einband - bindings (gathered matter components); AAT-ID: 300055023)

Beschreibung: Karl-Georg Pfändtner, 2016



Kurze Beschreibung


Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4453: Evangeliar, Deutschland, Reichenau (Liuthar-Gruppe) , um 1000 im Auftrag Kaiser Ottos III. geschrieben.


Entstehung

Wo der goldene Buchdeckel angefertigt wurde, lässt sich nicht bestimmen. Er wird in der Forschung nach Bamberg, Regensburg bzw. die Reichenau lokalisiert. Er verwendet große und – hierauf hat insbesondere Kahsnitz (Ausst. Kat. Rom – Byzanz, S. 158) hingewiesen – außerordentlich reine Edelsteine.


Komponenten

4 Goldmetallstreifen

188 Fassungen mit Edelsteinen, Glaseinlagen und Perlen (siehe components).

87 Edelsteine (vor allem violette Amethyste, grüne Smaragde, bläulich-wasserhelle Saphire und rote Granate). Etwa fünf davon zeigen einen Facettenschliff, sind also sicher moderne Ersatzstücke. 8 der großen Steine haben Bohrung, sind also Bestandteile älteren Schmucks.

32 Glasstücke, überwiegend in Blau und Rot (ungewisse Zeitstellung)

35 Goldkegel

125 Goldpyramiden

6 Scheibenfibeln

1 Kameo

5 Intaglios


1 Bergkristall mit hebräischer Inschrift

1 Elfenbeintafel

2 barocke Schließen

2 Scharniere


Spolien (separate Beschreibungen verlinkt):

1 Alsengemme


Maße

Vorderdeckel:

338 x 245 x 15 mm

Buchblock:

336–340 x 248 x 96 mm



Material und Technik

Vorderdeckel:

Von Goldblech bedeckter Holzkern.

Der Vorderdeckel (Spiegelblätter) ist innen, an den Kanten und einem Teil der Vorderseite mit drei Abschnitten eines schweren Seidensamits bezogen; hellgrünes Muster auf dunklem Purpurgrund.


7_5_MT_Name_Material_medium_Vorder_Oberdeckel Gold$EdelsteineHalbedelsteine$Glas$Perlen$Silber 7_5f_MT_Name_Material_medium_Spiegel_Blaetter Seidensamit*** 7_5_MT_Name_Material_support_Vorder_Oberdeckel Holz 7_5b_MT_Name_Material_support_Rück_Unterdeckel Holz 7_5f_MT_Name_Material_suppoert_Spiegel_Blaetter Holz

7_1a_MT_Descr_Technik_Vorder_Oberdeckel_C Getriebenes Gold mit reichem Besatz. 7_5a_MT_Name_Technik_Vorder_Oberdeckel Treibarbeit


Rückdeckel:

Holzdeckel mit rotem, abgewetztem Samt aus dem 18. Jahrhundert bezogen.


Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

In der Mitte eine byzantinische Elfenbeintafel (siehe separate Beschreibung)

Mittelfeldbegrenzung:

Perlstab aus Goldfiligran (?)

Rahmen:

Vier breite quadratische Goldbleche mit Goldornamentik, Scheibenfibeln, Edel- und Halbedelsteinen, Glas und Perlen. Goldbleche laufen um die Kanten des Vorderdeckels bis zu dessen Innenseite. Enthalten sind zahlreiche Komponenten verschiedener Zeitstellung (siehe separate Beschreibungen).

Rückdeckel:

Mit rotem, abgewetztem Samt aus dem 18. Jahrhundert bezogen.


Überarbeitungsstadien

An den alten zentralen Bestand, kenntlich an seiner matten, körnigen Oberfläche und einem rot-goldenem Farbton, sind aber an allen vier Rändern glatte, helle Goldblechstreifen von etwa zwei bis fünf Millimeter Breite angelötet. An den drei Umschlagkanten sind daran nochmals breite Streifen neueren Goldblechs angesetzt.

Die Annordnung des Schmucks ist in späterer Zeit durch häufge Restaurierung durcheinander gekommen, daher Verunklärung des einst geometrisch geordneten Eindrucks, vor allem wohl durch den Verlust vieler Perlen zu einem ungewissen Zeitpunkt, deren Ersatz durch Steine oder Glas, und das häufig nicht ganz korrekte Positionierung abgefallener oder ergänzter Fassungen.

Auf dem Deckelbeschlag selbst zeigen sich viele Spuren von Reparaturen, auch von Veränderungen in der Platzierung einzelner Steinfassungen und Zierstücke.



Zustandsberichte

1726 vom Bamberger Goldschmied Johann Jacob Lochner restauriert, wozu 18,3 Gramm Gold verwendet wurden. Lochner stellte eine Rechnung für 28 neue Fassungen (siehe Exner 2015, S. 130 mit weitere Lit.), heute deutlich zu identifizieren (Nr. #–#); auf Schema die gekreuzten 29 Fassungen).


Ikonographie

Spiegelblätter:

Hellgrünes Muster auf dunklem Purpurgrund: Mit Ranken gefüllte Kreisbänder umschließen gegenständige, nicht mehr bestimmbare Tiere, in den Zwickeln achtteilige Rosette. Byzanz, 10 Jh. (Bassermann-Jordan 1914, S. 14).


Stil und Einordnung

Die Goldkegel finden sich sehr ähnlich im Reichenauer Evangeliar Clm 4454 und auch in anderen ottonischen Buchdeckeln. Steenbock (1965) vermutet (S. 123), dass der Deckelschmuck wahrscheinlich für das eingebundene Manuscript angefertigt wurde, doch könnte man aufgrund der Verwandtschaft einiger Schmuckmotive (Fassungen, Bienenkorb, Kugelpyramide) mit Werken rheinisch-lothringischer Herkunft die Entstehung in diesem Gebiet erwägen, wenngleich eine Renovierung in Betracht gezogen werden muss und darum kaum eine bestimmte Aussage erlaubt ist (vergleichbar etwa Ms.lat. 9388 der BnF aus Metz).

Die Fassungen der kreuzförmig angeordneten Steine, mit den Akanthusblättern, deren äußerste mit den äußersten des folgenden Büschels zusammenstößt und der Zwischenraum lochförmig ausgespart bleibt, hat seine Vorbilder letztendlich in spätkarolingischen Werken der sog. Hofschule Karls des Kahlen, etwa im Codex Aureus von St. Emmeram, dem jüngeren Lindauer Buchdeckel und dem Arnulfziborium.

Da die Rahmung dieses Oculus oben nicht ganz rund ist, sondern die Spitzen der äußeren Blätter sich nur leicht berühren, stehen diese Fassungen den spätkarolingischen Fassungen deutlich näher als etwa die an anderen ottonischen Einbänden und Goldschmiedewerken. Vergleichbar sind ein Teil der Fassungen im Evangeliar aus Mainz (Clm 4451), einige Fassungen auf dem großen Bernwardkreuz in Hildesheim. Die fleur-de-lys-artigen Aufsätze der kronenartigen Fassungen über den runden, mit Perldraht gerahmten Oculi, finden sich, ohne die Oculi, vergleichbar auch auf dem Fritzlarer Heinrichskreuz (gestiftet von Heinrich II.), das ansonsten aber andere Fassungen zeigt; in leicht anderer Ausformung, ebenso ohne oculi, auch auf dem Einband des Perikopenbuchs Heinrichs II. und auf dem Kreuzreliquiar der Domschatzkammer in Essen.

Die wenigen Fassungen mit den nur eingeprägten, nicht hohlen Oculi, finden sich ähnlich auf dem Buchkasten des Uta-Codex. Als Zeitstellung des ursprünglichen Einbandes ist also das Ende des 10./Anfang 11. Jh. zu denken. Dies deckt sich mit der Datierung der darin eingebundenen Handschrift.

Er wird in der Forschung nach Bamberg, Regensburg bzw. die Reichenau lokalisiert


Provenienz

Wohl aus dem Besitz Ottos III. (ab 983 dt. König, 996–1002 Kaiser).

Von Heinrich II. (ab 1002 König, 1014–1024 Kaiser) dem Dom zu Bamberg geschenkt, wahrscheinlich zwischen 1007 und 1012; erstmals im Bamberger Domschatzinventar von 1554 aufgrund der Thematik des Elfenbeinreliefs eindeutig identifizierbar (Exner 2015, S. 130, mit Anm. 859 mit weiterführender Literatur, AEB I, Nr. 72, fol. 17v; Dressler, Geschichte 2001, S. 12). Dort ist an sechster Stelle ein >Puch, quatuor Evangelia, oben mit Gold beschlagen, vnd mit Perlen vnd Stainen gezirt, mit einem Pild Assumptionis Beatae Mariae Virginis genannt. Im Domschatzverzeichnis von Graff 1736 ausführlich beschrieben (Exner ebd. mit weiterführender Lit.).

Infolge der Säkularisation 1803/04 in die Hof- und Centralbibliothek München verbracht. Bamberg, Domschatz bis 1803. Dann München, Hofbibliothek.


Literaturhinweise

Dokumentation Materialanalyse

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