Goldschmiedeeinband zum Sakramentar Heinrichs II. (BSB Clm 4456#Einband)

Aus Prachteinbände
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Übersicht
Signatur Clm 4456#Einband
Maße 296-298 mm x 245 mm x 15 mm
Datierung 16. Jh. (1585?) oder 18. Jh.
Ort Mitteleuropa: Bamberg?
Objekttyp Einband, westlich
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung Kategorie:Prachteinband
Kategorie Einband - bindings (gathered matter components); AAT-ID: 300055023)

Beschreibung: Karl-Georg Pfändtner, 2016


Goldschmiedeeinband zum Sakramentar Heinrichs II. (BSB Clm 4456#Einband)

Das Sakramentar Heinrichs II. (973-1024) ist eine der berühmtesten ottonischen Handschriften überhaupt. Sie entstand auf Heinrichs Auftrag höchstwahrscheinlich in Regensburg und enthält liturgische Texte. Die Rückseite des Sakramentars schmückt eine Silberplatte mit der Figur Papst Gregors des Großen, die Vorderseite ein Elfenbeinrelief mit der Darstellung der Kreuzigung Christi und der Frauen am Grabe. Heinrich stiftete das Sakramentar dem Bamberger Dom. Von dort gelangte es 1802 nach München.


Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4456 : Sakramentar, Deutschland, Regensburg, zwischen 1007–1012 im Auftrag Heinrichs II. geschrieben


Entstehung

Zur Bistumsgründung Bambergs 1007 oder zur Domweihe des Bamberger Doms 1012 von Heinrich II. gestiftet. Im 16. Jahrhundert in Bamberg grundlegend überarbeitet.


Komponenten

Vorderdeckel:

4 Goldmetallstreifen um ein Elfenbeinrelief (gebördelt am Elfenbein)

4 schmale Stege aus vergoldetem Silberblech (über den Kanten)

Zierleiste aus zwei parallel mit der Außenkante verlaufenden kordierten Drähten, dazwischen 22 gleichmäßig verteilte Drahtringe (fünf entlang der waagrechten, sechs entlang der senkrechten Kanten des Reliefs, alle auch aus kordiertem Draht)

22 Vierpässe aus gekordeltem Goldraht.


Rücken:

roter Samt


Spolien (separate Beschreibungen verlinkt):

1 Elfenbeinrelief (Vorderdeckel)

1 Silberplatte (Rückdeckel)

Reste der Einlage des Rückens

Schließen


Maße

Vorderdeckel:

296-298 mm x 245 mm (???) x 15 mm

Goldschmiederahmen an allen Seiten 45 mm breit

Perlbänder 65 mm lang und 5 mm breit


Rückdeckel:

298 mm x 245 mm x 18 mm


Rücken:

[...]


Buchblock:

296-298 mm x 241 mm x 115 mm



Material und Technik

Vorderdeckel

getriebenes Gold

Kantenbeschläge: Silber, vergoldetet


Mittelfeld:

Elfenbeinplatte mittels gebördelten Goldblechs fixiert


Rückdeckel:

Gravierte Silberplatte, teilvergoldet, opus interassile auf dunkelgrünem Seidenstoff


Schließen:

Silber, feuervergoldet


Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel:


Mittelfeld:


Mittelfeldbegrenzung:


Rahmen:

Flacher Goldschmiederahmen


Goldschmuck / Filigran / etc.:


Fassungen:


Anordnung der Steine, Perlen etc.:


Rückdeckel:


Mittelfeld:


Rahmen:



Überarbeitungsstadien

1585 sind umfangreichere Reparaturen an den Prachteinbänden vorgenommen worden (Dressler 1995, S. 93), die insbesondere wohl auch den Vorderdeckel des Sakramentars betrafen (siehe 5.1.).


Zustandsberichte

Im Domschatzverzeichnis von 1736/43 (Staatsbibliothek Bamberg, HV.Msc.224, S. 91) wird das Goldgewicht, das Graff bereits im Jahre 1726 bei allen Schatzstücken ermittelt hat, mit „84 Cronen“ angegeben. Das am 22. März 1803 erstellte „Verzeichnis der zum hiesigen Domschatze gehörigen Sachen“ (Literatur: SAB, Rep. K 202, Nr. 101, Lit B) nennt, wohl das ältere Verzeichnis zitierend, ebenfalls „84 Kronen Goldgewicht".


Ikonographie

Vorderdeckel: Kreuzigung Christi und Frauen am Grabe (siehe gesonderte Beschreibung)

Rückdeckel: Hl. Gregor (siehe gesonderte Beschreibung)


Stil und Einordnung

Komponenten verschiedener Provenienz und Zeitstellung (siehe gesonderte Beschreibung). Das Elfenbeinrelief und der Rückdeckel stammen wohl vom ursprünglichen Einband aus der Zeit Kaiser Heinrichs II., zwischen 1002 und 1014 mit der Handschrift dem Bamberger Dom gestiftet, ebenso die obere Schließe nach der die untere ergänzt worden ist.

Der einfache Goldblechdeckel des Vorderdeckels ist zeitlich schwer einzuordnen. Während die ältere, aber auch noch jüngere Forschung davon ausgeht, dass der goldene Überzug im 17. oder 18. Jahrhundert einen älteren Einband ersetzte und nur das Elfenbeinrelief wiederverwendete, nimmt Brigitte Gullath (Kodikologie und Geschichte des Sakramentars Heinrichs II., in: Sakramentar Heinrichs II. Handschrift Clm 4456 der Bayerischen Staatsbibliothek, München. Kommentarband mit Beiträgen von Rolf Griebel, Brigitte Gullath, Martina Pippal, Erich Renhart, Stefan Weinfurter. Gütersloh/München 2010, S. 9–27, hier S. 14 nach mündl. Mitteilung von Lorenz Seelig) überzeugend an, dass der Einband, der bei der Restaurierung von Johann Graff (1726) nur mit wenig Gold ausgebessert wurde (mit „4 ½ gran“, die Reparatur kostetet auch nur 4 fl. [vgl. zu beiden Sachverhalten Dressler 1993, S. 100], siehe hierzu 15.1), vermutlich einer umfangreichen Restaurierung aus dem Jahre 1585 entstammt.

Rücken, roter Samt aus dem Jahre 1962 (vgl. Gullath 2010, S. 15).


Provenienz

Das Buch wird (von Dressler 1995, S. 92) mit dem 1554 angelegten Domschatzverzeichnis (AEB, Rep. I, Nr. 72, Bl. 17r–18v, hier 17v) genannten Buch Nr. 5 identifiziert: „Ein Puch, darinnen alle Orationes, Secreta et Complenda geschrieben, oben mit gold beschlagen, vunden Silbers vubergult mit einem helfenpainen pild Salvatoris“. Bamberg, Domschatz bis 1803. Dann München, Hofbibliothek.


Literaturhinweise

LITERATUR

Beispielangabe in Kurzzitation Prachteinbände 870–1685, Nr. 4,



Dokumentation Materialanalyse

Beispiele:

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