Clm 2938 Einband Hauptaufnahme: Unterschied zwischen den Versionen

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Unbekannter Künstler, Goldschmied, 1489. Mitteleuropa: Bayern, Altomünster.  
Unbekannter Künstler, Goldschmied, 1489. Mitteleuropa: Bayern, Altomünster. Geschaffen für das 1488 aus dem Benediktinerkloster hervorgegangene Birgittenkloster Altomünster.  


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23 Schmucksteine und Bergkristalle  
23 Schmucksteine und Bergkristalle  
'''''Spolien (separate Beschreibungen verlinkt):'''''
Keine




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5 Messingbuckel
5 Messingbuckel


2 Hackenverschlüsse


'''Rücken:'''
Ledereinband mit zwei Signaturschildchen; oben: Altmünster 8, unten: Cod. lat. 2938
'''Schließen:'''
2 Hakenverschlüsse mit Fenster-Lager in der Knickkante des Vorderdeckels als Riemenschließe (Adler, Handbuch Buchverschluss, 2010, BV.3.1.a)). Lederriemen mit Messinghaken. 
'''Scharniere:'''
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Aufgenagelter Rahmen aus vier Metallleisten, die oben und unten mit drei sowie an den Längsseiten mit sieben eingefassten Steinen besetzt sind. Die Ecken sind durch vier große ovale Steine betont.
Aufgenagelter Rahmen aus vier Metallleisten, die oben und unten mit drei sowie an den Längsseiten mit sieben eingefassten Steinen besetzt sind. Die Ecken sind durch vier große ovale Steine betont.
   
   
 
''Goldschmuck / [[Technik::Filigran]] / etc.:''
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''Fassungen:''
''Fassungen:''
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== Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen ==
== Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen ==
   
   
Auf dem Vorderdeckel: ''Ora pro nobis Sancte / Alto ut efficiamur digni pro= / missionibus Cristi  / Anno domini M CCCC  89''. (Bitte für uns, heiliger Alto, auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi. Im Jahre des Herrn 1489.)
Auf dem Vorderdeckel die Bitte um die Fürsprache des Heiligen Alto: ''Ora pro nobis Sancte / Alto ut efficiamur digni pro= / missionibus Cristi  / Anno domini M CCCC  89''. („Bitte für uns, heiliger Alto, auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi. Im Jahre des Herrn 1489.)
 
Auf dem Rückdeckel: ''Miserere mei / deus Secundum / magnam / misericordiam tuam'' (Ps 51,3) (Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit).


Auf dem Rückdeckel das Flehen um Erbarmen: ''Miserere mei / deus Secundum / magnam / misericordiam tuam'' (Ps 51,3) („Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit“).


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In einem gerahmten Feld und unter einem Glas eine eingelassene Münze: 1/2 Kreuzer, Konstanz 1702.
In einem gerahmten Feld und unter einem Glas eine eingelassene Münze: 1/2 Kreuzer, Konstanz 1702.


'''Rückdeckel:'''
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In der linken Rahmenleiste fehlt ein Stein.
In der linken Rahmenleiste fehlt ein Stein.


'''Rückdeckel''':
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'''Rückdeckel:'''  
'''Rückdeckel:'''  


IHS-Monogramm mit umlaufender Inschrift
Das Christus-Monogramm IHS mit umlaufender Inschrift, in der um Erbarmen gefleht wird.


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'''Vorderdeckel:'''
'''Vorderdeckel:'''


Schematische Zeichnung, Schraffuren der Gewänder wirken mechanisch, gewisse Unsicherheit und Unbeholfenheit des Künstlers sprechen für eine ungeübte Hand.
Vorderdeckel:
 
Die Gravur, die von jener des Pendant-Einbandes von Clm 2939 abweicht, ist durch eine schematische Gestaltung bestimmt, insbesondere die Gewänder wirken mechanisch und von ungeübter Hand. Dies zeigt sich in einem Vergleich mit einer Messingplatte, auf die mit Schwarzlot in Umrissen und leichter Schraffierung die Heilige Veronika mit dem Schweißtuch gezeichnet und die ebenfalls 1489 in Altomünster entstanden ist; die Platte diente als Verkleidung der Holztafeln vom Tisch der Heiligen Brigitta hinter dem Altar des Frauenchors (vgl. Bezold/Riel, Kunstdenkmale, Bd. I,1, S. 192, Bd. I,4, Taf. 30).
Ebenfalls 1489 entstand in Altomünster eine Messingplatte als Verkleidung der Holztafeln vom Tisch der Hl. Brigitta. Auf der Messingplatte ist mit Schwarzlot in Umrissen und leichter Schraffierung die Veronika mit dem Schweißtuch gezeichnet. Bezold/Berthol/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern vom 11.bis zum Ende des 18.Jh., München 1895: "Hinter dem Altare des Frauenchors befinden sich zwei quadratische Holztafeln vom Tisch der hl. Brigitta, dieselben sind am Rande mit vergoldetem Messingblech eingefasst, in welches gothische Ornamente und gothische Schrift eingeritzt sind. Die Inschriften lauten:''Z7/ Mensa sancte Birgitie etc. anno Domini 1489'' Bei dem noch vollständigen Exemplare schützt eine Messingplatte die Rückseite, auf dieser ist mit Schwarzloth in Umrissen mit leichter Schraffirung Veronika mit dem Schweisstuch (Taf. 30) gezeichnet. Wangen und Dornenkrone sind leicht kolorirt, höchst interessante Arbeit. Grösse der Tafeln H. 55, br. 51 cm."
Die Gravur kann mit dem Dedikationsbild in Sophronius Eusebius Hieronymus Vitas Patrum ([http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00032594/images/index.html?id=00032594&groesser=&fip=193.174.98.30&no=&seite=7 München, Bayerische Staatsbibliothek, Ink V-261]) in Verbindung gebracht werden, das um 1485 in Augsburg entstanden ist (Field, Woodcuts from Altomünster, 1969, S. 185, Anm. 17; vgl. Schreiber, Handbuch der Holz- und Metallschnitte, Bd. III, 1927, Nr. 1185a). Ferner sieht Field in den beiden Einband-Gravuren Prototypen für einen Holzschnitt, der nicht nur in Altomünster gedruckt, sondern auch hergestellt wurde und heute in der Rosenwald Collection der  [https://www.nga.gov/Collection/art-object-page.3793.html#provenance National Gallery of Art] in Washington aufbewahrt wird (Field, Woodcuts from Altomünster, 1969, S. 186, Anm. 22; vgl. Schreiber, Handbuch der Holz- und Metallschnitte, Bd. III, 1927, Nr. 1185).  
 
Indem mit der Darstellung der Gründungslegende auf das Alter des Klosters verwiesen ist, dient der Einband gemeinsam mit dem Pendant von Clm 2939 der Memoria der Klostergründung. Die Funktion dieser beiden Objekte dürfte mithin weniger im liturgischen Gebrauch zu sehen sein als vielmehr in der Schaustellung der Klostergeschichte, die auch auf die Selbstvergewisserung der Konventualinnen der neuen Ordensgemeinschaft abstellt (vgl. zu Pendant-Einbänden im Allgemeinen und diesen beiden im Besonderen Wittekind, Neue Einbände für alte Handschriften, 2017, S. 166f., 187).
Washington, National Gallery of Art, Rosenwald Collection  Clm 2938 und 2939 als Prototypen
BSB, Rar. 330 (ca. 1490)
Clm 28812 (Augsburg 1493)
 
Field, Woodcuts from Altomünster, S. 185, Anm. 17: "There is a loose relationship between the image of the dedication page in Clm 28812 and S. 1185a BSB, Rar. 330". Beide Werke sind in Augsburg entstanden, BSB, Rar. 330 wird an den Beginn des 16. Jahrhunderts datiert.
Holzschnitt, der nicht nur in Altomünster gedruckt, sondern auch hergestellt wurde: Washington, National Gallery of Art, Rosenwald Collection (S. 1185 (in Symbolleiste gespeichert) Wilhelm L. Schreiber: Handbuch der Holz- und Metallschnitte des XV. Jahrhunderts, Bd. III: Holzschnitte mit Darstellungen der männlichen und weiblichen Heiligen. Nr. 1174–1782a, Leipzig 1927, S. 5, Nr. 1185) Field, Woodcuts from Altomünster, S. 186, Anm. 22: "The only prototypes for S. 1185 are the two engraved  bookcovers on Clm 2938 and Clm 2939". "This work is exceedingly difficult to date. In its naiveté of drawing and evidently untutored execution, it could range anywhere from the end of the 15th century through the 16th."
 
Michael Hartig: Altomünster, München 1953, Nr. 589.
 
'''Rückdeckel:'''
 
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== Provenienz ==  
== Provenienz ==  


Womöglich wurde der Einband von Graf Wolfgang von Sandizell, dem durch Herzog Georg den Reichen von Bayern-Landshut eingesetzten Administrator des Klosters von Altomünster, in Auftrag gegeben. Mit Sicherheit wurde der Einband für Altomünster angefertigt. 1803 gelangte das Objekt aus Altomünster in die Münchner Hofbibliothek.
Womöglich wurde der Einband von Graf Wolfgang von Sandizell, dem durch Herzog Georg den Reichen von Bayern-Landshut eingesetzten Administrator des Klosters von Altomünster, in Auftrag gegeben. 1488 erwirkte von Sandizell als Verwalter von Altomünster von Papst Innozenz VIII. die Aufhebung als Benediktinerinnenkloster und die Übertragung an den Birgittenorden. 1496 stiftete Herzog Georg der Reiche das neue Doppelkloster. Mit Sicherheit wurde der Einband für Altomünster angefertigt. 1803 gelangte das Objekt aus Altomünster in die Münchner Hofbibliothek.


1488 erwirkte Graf Wolfgang von Sandizell als Verwalter von Altomünster von Papst Innozenz VIII. die Aufhebung als Benediktinerinnenkloster und die Übertragung an den Birgittenorden. 1496 stiftete Herzog Georg der Reiche das neue Doppelkloster. Dass zwei gleiche Prachteinbände zu Evangelistaren (Clm 2938 und Clm 2939) in demselben Kloster entstanden sind, kann womöglich damit erklärt werden, dass jeweils einer für den Männer- bzw. Frauenkonvent angefertigt wurde.
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Huber, Der hl. Alto und seine Klosterstiftung, 1924, S. 218 f.; Hörmann/Hofmann (Hgg.), Bayerns Kirche im Mittelalter, 1960, Nr. 67; Fritz, Gestochene  Bilder, 1966, S. 218, Nr. 498; Field, Woodcuts from Altomünster, S. 184–186; Klemm, Die romanischen Handschriften, 1988, Nr. 4; Prachteinbände 870–1685, 2001, Nr. 16 (B. Hernad)Außen-Ansichten, 2006,  Nr. 9 (B. Hernad); Freckmann/Trede, Katalog der lateinischen Handschriften, Altenhohenau und Altomünster, 2016, S. 338.
Huber, Der hl. Alto und seine Klosterstiftung, 1924, S. 218 f.
 
Hörmann/Hofmann (Hgg.), Bayerns Kirche im Mittelalter, 1960, Nr. 67
 
Fritz, Gestochene  Bilder, 1966, S. 218, Nr. 498
 
Field, Woodcuts from Altomünster, S. 184–186
 
Klemm, Die romanischen Handschriften, 1988, Nr. 4
 
Prachteinbände 870–1685, 2001, Nr. 16 (B. Hernad)
 
Außen-Ansichten, 2006,  Nr. 9 (B. Hernad)
 
Freckmann/Trede, Katalog der lateinischen Handschriften, Altenhohenau und Altomünster, 2016, S. 338.
 
Wittekind, Neue Einbände für alte Handschriften, 2017, S. 176–200.


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Version vom 24. Januar 2018, 12:24 Uhr

Übersicht
Signatur Clm 2938#Einband
Maße 315 mm x 225 mm x 44 mm
Datierung 1489 - 1489
Ort Mitteleuropa: Bayern, Altomünster.
Objekttyp Einband, westlich
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung Kategorie:Prachteinband
Kategorie


Beschreibung: Caroline Smout, 2017



Dieser spätmittelalterliche Prachteinband aus vergoldetem Messing ist ein Pendant-Einband zu jenem von Clm 2939. Beide Einbände stammen aus dem Birgittenkloster Altomünster, das 1488 aus dem vormaligen Benediktinerkloster hervorgegangen ist. Die gravierte Messingplatte im Mittelfeld zeigt die Gründungszene des Benediktinerklosters in Altomünster, das Baumwunder des Heiligen Alto, so dass die Einbände der Memoria der Klostergründung dienen.



Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 2938: Evangelistar, Deutschland, Weingarten (?), um 1130


Entstehung

Unbekannter Künstler, Goldschmied, 1489. Mitteleuropa: Bayern, Altomünster. Geschaffen für das 1488 aus dem Benediktinerkloster hervorgegangene Birgittenkloster Altomünster.


Komponenten

Vorderdeckel:

1 Messingplatte

4 Messingstreifen

24 Fassungen für Schmucksteine und Bergkristalle

23 Schmucksteine und Bergkristalle


Rückdeckel:

1 Messingplatte

4 Messingstreifen

5 Messingbuckel

2 Hackenverschlüsse


Maße

315 mm x 225 mm x 44 mm


Vorderdeckel:

315 mm x 225 mm x 16 mm


Mittelfeld:

255 mm x 160 mm


Rahmen:

315 mm x 30 mm und 160 mm x 31 mm


Rückdeckel:

319 mm x 221 mm x 15 mm


Mittelfeld:

253 mm x 157 mm


Rahmen:

319 mm x 30 mm und 158 mm x 34 mm


Rücken:

315 mm x 44 mm



Material und Technik

Vorderdeckel:

Gravierte vergoldete Messingplatte, Schmucksteine, Bergkristalle


Rückdeckel:

Gravierte, versilberte Messingplatte, 5 vergoldete Messingbuckel


Rücken:

Weißes Leder



Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel:

Mittelfeld:

Gravierte figürliche Darstellung mit umlaufendem Inschriften-Rahmen


Rahmen:

Aufgenagelter Rahmen aus vier Metallleisten, die oben und unten mit drei sowie an den Längsseiten mit sieben eingefassten Steinen besetzt sind. Die Ecken sind durch vier große ovale Steine betont.


Fassungen:

Die Zargenfassungen der eckigen Steine sind unmittelbar auf dem Grund aufgenietet. Sie haben bei einer runden Grundform eine bauchige Ausformung. Durch vier Einkerbungen der Zarge wird zu einer viereckigen Oberkante übergeleitet. Aus der Zarge herausgearbeitete einfache klammerartige Halter an den Ecken.

Die ebenfalls unmittelbar auf den Grund aufgenieteten Zargenfassungen der ovalen Steine – sowie eines runden und eckigen Steines – haben keine bauchige Form, sondern liegen eng am Stein an. Die Oberkante ist mit eng aufeinanderfolgenden Einkerbungen versehen, so dass ein leicht angewinkeltes Zahnband auf den Stein greift.


Anordnung der Steine, Perlen etc.:

Größere und kleinere Steine alternieren.


Rückdeckel:

Mittelfeld:

Monogramm, zentriert ein vergoldeter Messingbuckel in Gestalt einer kreisförmigen rotierenden Spirale


Rahmen:

Aufgenagelter Rahmen aus vier Metallleisten, auf denen eine Umschrift eingraviert ist; mit floraler Ornamentik in den Wortzwischenräumen. In den Ecken ist jeweils ein vergoldeter Messingbuckel in Gestalt einer kreisförmigen rotierenden Spirale angebracht.


Rückenkante:

Zwei Linien mit einem Ornamentband aus nach innen weisenden Dreiecken; Innenkante gekerbt.


Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen

Auf dem Vorderdeckel die Bitte um die Fürsprache des Heiligen Alto: Ora pro nobis Sancte / Alto ut efficiamur digni pro= / missionibus Cristi / Anno domini M CCCC 89. („Bitte für uns, heiliger Alto, auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi. Im Jahre des Herrn 1489.“)

Auf dem Rückdeckel das Flehen um Erbarmen: Miserere mei / deus Secundum / magnam / misericordiam tuam (Ps 51,3) („Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit“).


Überarbeitungsstadien

Vorderdeckel:

Vorderkante:

Die Schließen sind neu (Restaurierungsvermerk vom Januar 1960 auf dem hinteren Spiegel)


Innenseite:

In einem gerahmten Feld und unter einem Glas eine eingelassene Münze: 1/2 Kreuzer, Konstanz 1702.


Zustandsberichte

Vorderdeckel:

In der linken Rahmenleiste fehlt ein Stein.


Ikonographie

Vorderdeckel:

Im Mittelfeld ist das Baumwunder des Heiligen Alto dargestellt. Rechts im Bild steht der Heilige Alto, der Gründer des oberbayerischen Stifts Altomünster, als infulierter Abt: ihm ist das päpstliche Privileg verliehen, eine Mitra zu tragen. Er markiert mit einem Messer die Bäume vor ihm, die für den Bau des Klosters vorgesehen sind. In den Ästen sitzen Vögel, die mit ihren Schnäbeln nach leichtem Astwerk greifen. Es handelt sich um eine Simultandarstellung, insofern die Legende besagt, dass die Vögel die Äste der Bäume, die in der Nacht nach der Markierung von selbst gefallen waren, zur Baustelle trugen. Gerahmt wird das Bildfeld von einer Inschrift, die das Entstehungsdatum 1489 des Einbandes nennt. Diese Darstellung ist der früheste Beleg der Gründungslegende (zusammen mit dem [https://prachteinbaende.wa1smw-stg.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Clm_2939_Einband_Hauptaufnahme Einband zur Handschrift Clm 2939).


Rückdeckel:

Das Christus-Monogramm IHS mit umlaufender Inschrift, in der um Erbarmen gefleht wird.


Stil und Einordnung

Vorderdeckel:

Vorderdeckel: Die Gravur, die von jener des Pendant-Einbandes von Clm 2939 abweicht, ist durch eine schematische Gestaltung bestimmt, insbesondere die Gewänder wirken mechanisch und von ungeübter Hand. Dies zeigt sich in einem Vergleich mit einer Messingplatte, auf die mit Schwarzlot in Umrissen und leichter Schraffierung die Heilige Veronika mit dem Schweißtuch gezeichnet und die ebenfalls 1489 in Altomünster entstanden ist; die Platte diente als Verkleidung der Holztafeln vom Tisch der Heiligen Brigitta hinter dem Altar des Frauenchors (vgl. Bezold/Riel, Kunstdenkmale, Bd. I,1, S. 192, Bd. I,4, Taf. 30). Die Gravur kann mit dem Dedikationsbild in Sophronius Eusebius Hieronymus Vitas Patrum (München, Bayerische Staatsbibliothek, Ink V-261) in Verbindung gebracht werden, das um 1485 in Augsburg entstanden ist (Field, Woodcuts from Altomünster, 1969, S. 185, Anm. 17; vgl. Schreiber, Handbuch der Holz- und Metallschnitte, Bd. III, 1927, Nr. 1185a). Ferner sieht Field in den beiden Einband-Gravuren Prototypen für einen Holzschnitt, der nicht nur in Altomünster gedruckt, sondern auch hergestellt wurde und heute in der Rosenwald Collection der National Gallery of Art in Washington aufbewahrt wird (Field, Woodcuts from Altomünster, 1969, S. 186, Anm. 22; vgl. Schreiber, Handbuch der Holz- und Metallschnitte, Bd. III, 1927, Nr. 1185). Indem mit der Darstellung der Gründungslegende auf das Alter des Klosters verwiesen ist, dient der Einband gemeinsam mit dem Pendant von Clm 2939 der Memoria der Klostergründung. Die Funktion dieser beiden Objekte dürfte mithin weniger im liturgischen Gebrauch zu sehen sein als vielmehr in der Schaustellung der Klostergeschichte, die auch auf die Selbstvergewisserung der Konventualinnen der neuen Ordensgemeinschaft abstellt (vgl. zu Pendant-Einbänden im Allgemeinen und diesen beiden im Besonderen Wittekind, Neue Einbände für alte Handschriften, 2017, S. 166f., 187).

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Provenienz

Womöglich wurde der Einband von Graf Wolfgang von Sandizell, dem durch Herzog Georg den Reichen von Bayern-Landshut eingesetzten Administrator des Klosters von Altomünster, in Auftrag gegeben. 1488 erwirkte von Sandizell als Verwalter von Altomünster von Papst Innozenz VIII. die Aufhebung als Benediktinerinnenkloster und die Übertragung an den Birgittenorden. 1496 stiftete Herzog Georg der Reiche das neue Doppelkloster. Mit Sicherheit wurde der Einband für Altomünster angefertigt. 1803 gelangte das Objekt aus Altomünster in die Münchner Hofbibliothek.


Literaturhinweise

Huber, Der hl. Alto und seine Klosterstiftung, 1924, S. 218 f.

Hörmann/Hofmann (Hgg.), Bayerns Kirche im Mittelalter, 1960, Nr. 67

Fritz, Gestochene Bilder, 1966, S. 218, Nr. 498

Field, Woodcuts from Altomünster, S. 184–186

Klemm, Die romanischen Handschriften, 1988, Nr. 4

Prachteinbände 870–1685, 2001, Nr. 16 (B. Hernad)

Außen-Ansichten, 2006, Nr. 9 (B. Hernad)

Freckmann/Trede, Katalog der lateinischen Handschriften, Altenhohenau und Altomünster, 2016, S. 338.

Wittekind, Neue Einbände für alte Handschriften, 2017, S. 176–200.