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Das mit 12 Kanontafeln, vier Evangelistenbildern und reichem Initialschmuck ausgestattete Evangeliar ist vermutlich ein Geschenk Kaiser Heinrichs II. (973-1024) an den Bamberger Dom. Es ist im 2. Viertel des 9. Jahrhunderts in Mainz entstanden. Die Evangelistenbilder und Kanontafeln orientieren sich in der Ikonographie der Ornamentik und im Gestaltungsaufbau am Lorscher Evangeliar aus der Hofschule Karls des Großen. Die Initialen sind mit Tierköpfen und Profilblättern mit krallenförmigem Fortsatz gestaltet. Beeindruckend ist der Prachteinband: Er zeigt auf dem mit Goldblech beschlagenen und reich mit Edelsteinen und Perlen verzierten Vorderdeckel eine [https://prachteinbaende.wa1smw-stg.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Clm_4451_Einband_Spolie_Elfenbeinschnitzerei_VD|Elfenbeintafel mit der Darstellung der Taufe Christi], auf dem mit rotem Samt überzogenen [https://prachteinbaende.wa1smw-stg.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Clm_4451_Einband_Spolie_Elfenbeinschnitzerei_RD|Hinterdeckel eine Tafel mit der Verkündigung an Maria und der Geburt Christi]. Herkunft und Datierung der Elfenbeintafeln sind allerdings umstritten.
Das mit 12 Kanontafeln, vier Evangelistenbildern und reichem Initialschmuck ausgestattete Evangeliar ist vermutlich ein Geschenk Kaiser Heinrichs II. (973-1024) an den Bamberger Dom. Es ist im 2. Viertel des 9. Jahrhunderts in Mainz entstanden. Die Evangelistenbilder und Kanontafeln orientieren sich in der Ikonographie der Ornamentik und im Gestaltungsaufbau am Lorscher Evangeliar aus der Hofschule Karls des Großen. Die Initialen sind mit Tierköpfen und Profilblättern mit krallenförmigem Fortsatz gestaltet. Beeindruckend ist der Prachteinband: Er zeigt auf dem mit Goldblech beschlagenen und reich mit Edelsteinen und Perlen verzierten Vorderdeckel eine [https://prachteinbaende.wa1smw-stg.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Clm_4451_Einband_Spolie_Elfenbeinschnitzerei_VD Elfenbeintafel mit der Darstellung der Taufe Christi], auf dem mit rotem Samt überzogenen [https://prachteinbaende.wa1smw-stg.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Clm_4451_Einband_Spolie_Elfenbeinschnitzerei_RD Hinterdeckel eine Tafel mit der Verkündigung an Maria und der Geburt Christi]. Herkunft und Datierung der Elfenbeintafeln sind allerdings umstritten.
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Version vom 12. Dezember 2017, 09:36 Uhr

Übersicht
Signatur Clm 4451#Einband
Maße 311 x 217 x 14 mm
Datierung 10. Jh.
Ort Mitteleuropa, Metz?
Objekttyp Einband, westlich
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung Kategorie:Prachteinband
Kategorie Einband - bindings (gathered matter components); AAT-ID: 300055023)


Beschreibung: Karl-Georg Pfändtner, 2016


Goldschmiedeeinband zum Evangeliar (BSB, Clm 4451#Einband) Das mit 12 Kanontafeln, vier Evangelistenbildern und reichem Initialschmuck ausgestattete Evangeliar ist vermutlich ein Geschenk Kaiser Heinrichs II. (973-1024) an den Bamberger Dom. Es ist im 2. Viertel des 9. Jahrhunderts in Mainz entstanden. Die Evangelistenbilder und Kanontafeln orientieren sich in der Ikonographie der Ornamentik und im Gestaltungsaufbau am Lorscher Evangeliar aus der Hofschule Karls des Großen. Die Initialen sind mit Tierköpfen und Profilblättern mit krallenförmigem Fortsatz gestaltet. Beeindruckend ist der Prachteinband: Er zeigt auf dem mit Goldblech beschlagenen und reich mit Edelsteinen und Perlen verzierten Vorderdeckel eine Elfenbeintafel mit der Darstellung der Taufe Christi, auf dem mit rotem Samt überzogenen Hinterdeckel eine Tafel mit der Verkündigung an Maria und der Geburt Christi. Herkunft und Datierung der Elfenbeintafeln sind allerdings umstritten.


Komponenten

Vorderdeckel:

8 Goldmetallstreifen

12 Abgrenzungsbleche bzw. Verkleidungsbleche

3 Seitenbleche (oben, unten, rechter Rand)

99 goldene Bügel (sog. Spinnen)

60 goldene Bügel (Spinnen) mit goldenen Kugeln (z.T. fehlend) auf dem oberen und unteren Abgrenzungsblechen sowie den Abgrenzungblechen der Eckkompartimente

28 goldene Bügel (sog. Spinnen) mit sternförmigen Blüten in den Eckkompartimenten. Die Spinnen – insbesondere die mit den sternförmigen Blüten, aber mitunter auch die andere Form – sitzen auf kleinen zylindrischen Zwischenträgern, die übrigen auf kleinen runden Ringen aus geperlten Drähten. 24 größere goldene Halbkugeln mit stilisierten Lilien und Traubengranulation (eine davon später ergänzt, in unterer linken Ecke die obere rechte).

92 Fassungen für Edelsteine und Halbedelsteine, Bergkristalle, Saphire, Smaragde, Türkise, Aquamarine, Amethyste, Gläser.

27 (ursprünglich wohl 42) Perlen unterschiedlicher Zeitstellung, eine leere Perlfassung.

1 römisch antiker Rosenquarz mit Schliff (Krater; auf dem linken Seitenblech unterhalb der Mitte)

Zahlreiche Goldkügelchen

30 (ursprünglich 32) muschelförmige Goldblättchen

2 Schließen

2 Scharniere

Spolien (separate Beschreibungen verlinkt):

1 Elfenbeintafel (Vorderdeckel)

1 Elfenbeintafel (Rückdeckel)


Maße

Vorderdeckel:

311 x 217 x 14 mm

Seiten- bzw. Kantenbleche des Vorderdeckels:

rechts: 305-307 x 15 mm

links: keine Verblechung (mehr?)

oben: 190 x 14 mm

unten: 215 x 15-15 mm

Rückdeckel:

311 x 217 x 14 mm

Buchblock:

311 x 217 x 77 mm



Material und Technik

Vorderdeckel:

getriebenes Gold, Edel- und Halbedelsteine, Glas, u.a. rotes Glas, Perlen


Kantenbeschläge des Vorderdeckels:

Silber, vergoldet?


Schließen:

Silber, feuervergoldet


Rückdeckel:

Samt, rot


Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel:

Mittelfeld:


Mittelfeldbegrenzung:

Die Elfenbeinplatte des VD mittels Goldschmiedefassungen fixiert.


Rahmen:

Goldschmiederahmen mit 8 um eine Elfenbeintafel (siehe gesonderte Beschreibung) angeordneten Goldschmiedeblechen mit Perl, Stein- und Glasschmuck. Die oberen und unteren sowie die rechts und links angeordneten in Form eines Kreuzes. Die Steine (oft – wohl im 18. Jahrhundert – mit Pappe oder Papier unterlegt) sind in Zweier- und Dreierreihen angeordnet, teils mit Einzelperlen voneinander getrennt, teils mit Gruppen von drei Perlen, die heute häufig durch kleine Steine ersetzt sind. Die Steine der Eckkompartimente weisen strahlenförmig von außen auf das Elfenbeinrelief in der Mitte. 4 Eckplatten (mit Überhang, der oben links sichtbar ist, da dort das Seitenblech fehlt, 2 seitliche Bleche rechts und links (hier wieder Überhang sichtbar, weil linkes Seitenblech fehlt) sowie 2 Bleche oben und unten.

Äußerer vergoldeter Silberrahmen (Seitenbleche, siehe Maße oben) zeigen rechts und unten Blüten und Astwerk sowie Kreispunzenmuster, oben Kreispunzenmuster mit Astwerk und Kartusche), wohl 18. Jh. (siehe oben).

Fassungen:

Fassungen in mehreren Ausführungen, die Fassungen nach Steenbock (1965, S. 108 gegossen sind). Nach Untersuchung von Thorsten Allscher wohl der gesamte Einband zu ungewisser Zeit (18. Jh.?) neu feuervergoldet.

Typ I: Akanthusblatt mit zentralen Oculi, vielleicht z.T. von verschiedenen Händen (siehe Kartierung): 35

Typ II: Akanthusblatt mit zentralen Oculi und perlstabartigen Stegen, umfassen vor allem grüne Smaragde (siehe Kartierung): 23

Typ III: Akanthusblatt mit zentralen Oculi und krallenartigten Spitzen, umfassen vor allem die großen zentralen Steine/Gläser an den Ecken und den Mitten der übrigen Bleche, vor allem auch die Befestigung des zentralen Elfenbeins (wohl 18. Jh.): 18 + 4 (siehe Kartierung); sind evtl. mit den 23 Fassungen der Restaurierung des 18. Jahrhunderts zu identifizieren.

Typ IV glatter stark abstrahierter Akathusblatt mit Oculi (16.–18. Jh.; vgl. ähnliche auch in Clm 4454 bei den ergänzten. Sicher gleiche Werkstatt) (siehe Kartierung): 1.

Die Perlfassungen (auch diejenigen, die später Steine statt Perlen bergen) sind Typ I verwandt und durchwegs sehr ähnlich, wohl von einer Hand.


Anordnung der Steine, Perlen etc.:

Um die zentrale große Elfenbeintafel insgesamt acht Goldbleche: vier Eckbleche, ein oberes und ein unteres Mittelblech und zwei Seitenbleche.

Die Eckbleche sind alle vier gleich organisiert. Zwei große ovale Steine (je ein Bergkristall außen, ein roter Stein oder Glas innen) laufen vom äußeren Eck Richtung Ecke der Elfenbeintafel. Sie werden durch einen kleinen Stein bzw. eine Perle (unten links) voneinander getrennt. Zwei längsrechteckige grüne Smaragde (nur oben links ein Bergkristall) flankieren die Außenseiten des Kompartiments. Ihnen folgen nach innen zwei mittelgroße Steine, die den inneren großen Stein rahmen und ganz am Rahmen zum Elfenbein hin zwei kleine über Eck gestellte grüne Smaragde (nur oben links durch Perle und violette Stein- oder Glasperle ersetzt). Diese Flucht der Steine nach innen zum jeweiligen Eck des Elfenbeins hin wird durch je sechs goldene, mit aufgesetzten stilisierten Blüten verzierten Halbkugeln (Goldbuckel mit aufgelegten stilisierten Lilien und Traubengranulation, einer davon, unten rechts ergänzt) unterstützt, welche die großen und kleinen Steine rahmen. Dazwischen finden sich Goldbügel (Spinnen) mit Blattaufsätzen und Pyramiden aus kleinen Goldkugeln sowie sternförmige gegossene Blätter mit Blütenaufsätzen. Ähnliche Blätter finden sich, allerdings nicht sternförmig, auf dem Lindauer Evangeliar (Vorderdeckel) M 1 der Pierpont Morgan Library in New York (Steenbock 1965, Abb. 33). Verschiedene Elemente, wie etwa die Goldbuckel und die sternförmigen Blätter finden sich so nirgends in der ottonischen Goldschmiedekunst. Es wäre zu prüfen ob diese Elemente nicht spätere Ergänzungen sind.

Die oberen und unteren Felder sind, wie die Eckkompartimente, durch schmale, mit von kleinen Goldperlen gezierten goldenen Spinnen und Perlpyramiden besetzten Stege in drei Teile geteilt. Die bekrönenden Perlen fehlen zum Teil, so dass man gut deren runde Fassung aus geperltem Draht erkennen kann. Die drei daraus entstehenden schmalen Felder sind unterschiedlich angelegt. Die zentralen mittigen oben und unten zeigen eine Reihe von drei großen Steinen, die beiden rahmenden Felder oben und unten einen größeren Stein, in der Mitte je einer Dreieranordnung von Perlen (allerdings sind in beiden oberen Feldern und im unteren linken Perlen später durch Steine ersetzt), die optisch durch eine Blüte in der Mitte des durch sie entstehenden Dreiecks zusammengehalten werden. Die Zwischenräume in diesen Feldern sind durch Bügel (Spinnen) mit zentraler oberer Goldperle bzw. Blüte ersetzt. Diese Spinnen bestehen aus geperltem, teils auch aus gekerbten Golddraht. Diese Bügel können drei und mehr „Beine“ haben.

Die seitlichen Rahmenfelder übernehmen diesen Wechsel von Reihen aus drei größeren Steinen und Reihen von zwei Steinen, die eine Dreieranordnung von Perlen rahmen, die hier auch teils durch Steine ersetzt sind. Zusätzlich sind hier die großen Steine von je zwei kleinen muschelartigen Goldblättern voneinander abgesetzt. Diese Goldblättchen finden sich auch an den Dreieranordnungen der Perlen, und zwar bei den oberen jeweils oben neben der Einzelperle dieser Dreieranordnungen, bei den unteren jeweils unten. Das Filigran, gekerbter Golddraht, dessen engmaschige Ranken mit Ringen verklammert und am Grund befestigt sind und in den eingerollten Endungen Kügelchen umfängt, findet sich z.B. auf dem Psalter Karls des Kahlen (Rückdeckel, siehe Steenbock Kat. Nr. 19, Abb. 30), ein Werk, das bis 1674 in der Kathedrale von Metz lag (Steenbock 1965, S. 88) und der Mitte des 9. Jahrhunderts datiert wird.

Der vordere Buchdeckel macht so einen relativ einheitlichen Eindruck, auch wenn hier sicher mehrere spätere Restaurierungen durchgeführt wurden. Es stellt sich die Frage nach der Zeitstellung nicht nur der o.g. unterschiedlichen Steinfassungen, sondern auch der eben genannten muschelartigen Blättchen, die auf den vergleichbar angelegten oberen und unteren Mittelblechen fehlen, wohingegen auf den Seitenblechen die „Spinnen“ fehlen und die Zwischenräume durch Perldrahtranken gefüllt sind. Auf dem Buchdeckel findet man also dreierlei Systeme zum Füllen der Zwischenräume, da die Eckkompartimente die goldenen Halbkugeln und zum Teil auf die Spinnen aufgebrachte sternförmige Blüten aufweisen.

Insgesamt fällt die sehr unterschiedliche Behandlung des Filigrans auf den einzelnen Teilen auf. An den Eckkompartimenten mag das erklärbar sein, doch sind die Unterschiede auf der oberen und unteren und den seitlichen Blechen nicht so einfach zu erklären. Wie o.g. wies Thorsten Allscher darauf hin, dass alle goldenen (und vielleicht auch silbernen?) Teile des Vordeckels irgendwann feuervergoldet wurden. Wann dies geschah, ist bisher unbekannt, wohl aber noch im 18. Jahrhundert.


Rückdeckel:

Mit abgewetztem rotem Samt überzogener Holzdeckel mit eingelassenem Elfenbein der Verkündigung und der Geburt Jesu (siehe gesonderte Beschreibung).




Überarbeitungsstadien

Historische Restaurierungen seit dem Mittelalter. 1726 wird der Bamberger Goldschmied Johann Jakob Lochner für 23 neue Steinfassungen entlohnt („Das Evangely-buch, worauf die Tauff Christi des Herrn in Helffenbein geschnitten, mit 23 neüen güldenen Kästen zu compiliren“ (Dressler 1995, S. 100). Er verwendete für den Buchdeckel 25 Gran (1 Gran = 0,81 Gramm, siehe Dressler 1995, S. 101) Gold von dem Einband im Domstift, der zur Reparatur der anderen aufgegeben worden ist (vgl. Dressler 1995, S. 100). Schließen (identisch zu denen an Clm 4453, Evangeliar Ottos III.) aus vergoldetem Silber, 16. Jh., Schließenbleche wohl 18. Jahrhundert; eine Fassung wohl noch später und ganz im Stil von den ergänzten Fassungen von Clm 4454. Dass der Einband seit der Mitte des 18. Jahrhunderts umgearbeitet worden ist, dafür spricht auch, dass für den Rückdeckel zunächst eine Darstellung der Kreuzigung Christi bezeugt ist (Graf, Beschreibung, 1736/43 p. 107, – davon abhängig die Darstellung bei Blainville, Reisebeschreibung 1764, S. 210 und Murr Merkwürdigkeiten, 1799, S. 228f.). Vgl. zu den Restaurierungen: StadtAB D 3001 HV 2, Nr. 1203, Neuerwerbungen und Reparaturen, 1723–1747, S. 14–17: Dressler, 1995, S. 100; zuletzt Exner 2015, S. 1797–1799. Wann alle Metallteile feuervergoldet wurden ist nicht bekannt, doch dürfte das im 18. Jahrhundert geschehen sein. Es fällt auf, dass das linke Seitenblech zu schmal für den Holzdeckel ist. Vielleicht ein weiterer Hinweis, dass auf dem Buchdeckel Goldschmiedearbeiten verschiedener Provenienz (im 18. Jh.?) neu vergesellschaftet und zusammengestellt worden sind. Schmid (in Bassermann-Jordan, Schmid 1914, S. 19f., Nr. 25) identifiziert diese mit einem Elfenbeinrelief im Bayerischen Nationalmuseum identifiziert (siehe hierzu auch Dressler 1995, S. 68), das über die Sammlung Reider 1859 in das Bayerische Nationalmuseum gelangt, ziemlich abgeschliffen ist und vielleicht kurz vor oder im Zuge der Säkularisation aus dem Buchdeckel genommen worden ist. Das heute auf dem Rückdeckel befindliche Elfenbeintäfelchen stammt vielleicht von einem reichen Buchdeckel aus dem Kloster Michaelsberg (Schmid, in: Bassermann-Jordan, Schmid 1914, S. 20).


Zustandsberichte

Laut Domkustos Graff (Außführlich- und Vollständige Beschreibung aller In dem Kayserlich- und Immediaten Hohen Dom-stifft zu Bamberg sich befindenden Heiligen Reliquien, Antiquitäten, Gold, Silber, und Anderer Kostbarkeiten. Staatsbibliothek Bamberg HV.Msc.2241763/43, S. 107), der auch das Goldgewicht ermittelt hatte, betrug dieses vom Vorderdeckel im Jahre 1736/43 228 Kronen (1 Krone sind 3,3648 g). Laut Graffs Beschreibung enthielt der vordere Buchdeckel 12 große „Granat Schalen“, 100 andere ungeschnittene Steine und 26 Perlen. D.h. die Perlen entsprechen annähernd der heutigen Anzahl, ebenso die wohl nicht genau gezählten Steine. Die zehn großen roten Glassteine werden wohl die Granate ersetzen.


Einige der Perlen (siehe oben) sind später durch Edel- und Halbedelsteine ersetzt worden, ein Stein hingegen nur durch eine Perle. Auf der rechten Seite in der Mitte der Goldplatte ist eine leere Fassung, in der seit langem eine Perle fehlt. Umfassende Restaurierungen im 18. Jahrhundert. Der trotz unterschiedlicher Schmuckeinheiten einheitliche Eindruck entsteht vor allem daraus, dass alle Metallteile des Vorderdeckel später neu feuervergoldet wurden (Feststellung Thorsten Allscher), wobei einige der Fassungen auch angeschmolzen sind.


Ikonographie

Vorderdeckel:

Elfenbeintafel: Taufe Jesu, Lothringen (Metz?), um 980/990 (siehe gesonderte Beschreibung) auf Goldschmiederahmen mit Edelstein-, Halbedelstein-, Glas- und Perlbesatz.

Rückdeckel:

Elfenbeintafel: Verkündigung an Maria / Geburt Jesu, Lothringen (Metz?), um 980/990 (siehe gesonderte Beschreibung) auf mit rotem Samt bezogenen Holz


Stil und Einordnung

Vorderdeckel:

Komponenten verschiedener Provenienz und Zeitstellung (zu den Elfenbeinen des Vorder- und Rückdeckels siehe gesonderte Beschreibung). Auch die Edelstein- und Perlfassungen sind unterschiedlich ausgeprägt. Die wohl ursprünglichen Edelsteinfassungen mit den zu Oculi geschlossenen inneren Blättern des Blattwerks orientieren sich an spätkarolingischen Fassungen der Zeit Karls des Kahlen (GND: 118640119) wie sie am Lindauer Evangeliar (New York, Pierpont Morgan Library, Ms. M. 1), am Codex Aureus von St. Emmeram (Clm 14000) oder dem Arnulfziborium vorkommen. Ähnlichkeit besteht auch mit Fassungen an den anderen „Bamberger“ Einbänden, etwa mit Fassungen auf dem Evangeliar Ottos III. oder auf Clm 4454. Ähnliche Akanthus-Formen finden sich ja auch als Rahmung auf dem zugehörigen Elfenbein, das ebenso nach Metz lokalisiert wird.

Bügel:

Die kleinen goldenen Bügel sind (allerdings in anderer Ausführung) auch aus der Metzer Goldschmiedekunst bekannt, vgl. z.B. Ms. Lat. 9388 der BnF Paris (Steenbock 1965, Kat. Nr. 46, Abb. 64). Sie kommen schon in karolingischer Zeit vor, so am Psalter Karls des Kahlen (Kat. Nr. 19 Steenbock 1965, Rückdeckel, Abb. 31, Paris, BnF Lat. 1152).


Rückdeckel:

Der Rückdeckel zeigt eine in den Holzdeckel eingelassene Elfenbeintafel (siehe gesonderte Beschreibung), ansonsten ist der Rückdeckel von rotem Samt (des 18./19. Jh.; identisch zu Clm 4453 und sehr ähnlich zu Clm 4454) bedeckt.


Provenienz

Vermutlich zur Bistumsgründung Bambergs 1007 oder zur Domweihe des Bamberger Doms 1012 von Heinrich II. gestiftet. Wenn dies der Fall ist, dann ist der Einband vielleicht über die Schwäger Kaiser Heinrichs, Adalbero, Propst von St. Maximin in Trier, der 1008 den erzbischöflichen Thron usurpierte, oder Bischof Theoderich von Metz an den Kaiser gelangte (vgl. zu diesen und der Vermutung, dass diese Kaiser Heinrich manch kostbares Geschenk überbracht haben Bassermann-Jordan / Wolfgang Schmid 1914, S. 55) Frühester sicherer Nachweis für die Herkunft aus dem Bamberger Dom im Domschatzverzeichnis von 1554 (siehe Exner 2015, S. 1799 mit Quellenangabe).

Im Verzeichnis von 1554 (Archiv des Erzbistums Bamberg, AEB, Rep. I, Nr. 72, 17r, Verzeichnis der Handschriften im Domschatz Bamberg) erstmals identifizierbar: „3. Ein Plenirpuch mit Goldbeschlagen, vnd Edelnsteinen vnd Perlen gezirt, darauf ein helfnpaines bild Baptizatio Christi“ (zitiert nach Dressler 1995, S. 67–127, S. 92). 1705 wird sie von J. de Blainville, einem ehemaligen Gesandtschaftssekretär am spanischen Hof, der eine ganze Woche in Bamberg weilte gesehen und genau beschrieben. Der Bericht erscheint 1743 erst in englischer Sprache im Druck, 1764 auf Deutsch. Dort wird der Einband folgendermaßen beschrieben: „ Man zeiget über diese noch eine dritte [Handschrift] von gothischen Buchstaben, die gleichfalls einen Einband von Helfenbein, auf dem die Taufe Jesu vorgestellet ist, und mit Perlen Edelgesteinen fast wie die erste besetzte ist“ (zit. nach Dressler 1995, S. 98). Bei Graff 1736/43 S. 107f. beschrieben:

September 1803 sind die Pretiosen aus Bamberg, darunter auch Clm 4451 in der Münze in München angelangt. Laut churfürstlichem Befehl vom 4.11.1803 werden die Bücher der Münchner Hofbibliothek gegeben (vgl. Dressler 1995, S. 115).


Literaturhinweise

LITERATUR

Beispielangabe in Kurzzitation Prachteinbände 870–1685, Nr. 4,


Dokumentation Materialanalyse

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