Clm 4456 Einband Hauptaufnahme: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 4. Dezember 2017, 08:17 Uhr
| Übersicht | |
| Signatur | Clm 4456#Einband |
| Maße | 296-298 mm x 245 mm x 15 mm |
| Datierung | 16. Jh. (1585?) oder 18. Jh. |
| Ort | Mitteleuropa: Bamberg? |
| Objekttyp | Einband, westlich |
| Katalogisierungsebene | Gesamtaufnahme (item) |
| Klassifizierung | Kategorie:Goldschmiedeeinband |
| Kategorie | Einband - bindings (gathered matter components); AAT-ID: 300055023) |
| Kurzaufnahme zum Einband im BSB-Katalog mit weiterführenden Informationen |
| Kurzaufnahme der Handschrift mit weiterführenden Informationen |
| Link zur Forschungsdokumentation der BSB |
| Handschriftendigitalisat |
| Einbanddigitalisat |
Beschreibung: Karl-Georg Pfändtner, 2016
Das Sakramentar Heinrichs II. (973-1024) ist eine der berühmtesten ottonischen Handschriften überhaupt. Sie entstand auf Heinrichs Auftrag höchstwahrscheinlich in Regensburg und enthält liturgische Texte. Die Rückseite des Sakramentars schmückt eine Silberplatte mit der Figur Papst Gregors des Großen, die Vorderseite ein Elfenbeinrelief mit der Darstellung der Kreuzigung Christi und der Frauen am Grabe. Heinrich stiftete das Sakramentar dem Bamberger Dom. Von dort gelangte es 1802 nach München.
Informationen zum Trägerband
Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4456 : Sakramentar, Deutschland, Regensburg, zwischen 1007–1012 im Auftrag Heinrichs II. geschrieben
Entstehung
Zur Bistumsgründung Bambergs 1007 oder zur Domweihe des Bamberger Doms 1012 von Heinrich II. gestiftet. Im 16. Jahrhundert in Bamberg grundlegend überarbeitet.
Komponenten
Vorderdeckel:
4 Goldmetallstreifen
4 schmale Stege
1 Zierleiste
22 Drahtringe
22 Vierpässe aus gekordeltem Goldraht.
Rücken:
roter Samt
Spolien (separate Beschreibungen verlinkt):
1 Elfenbeinrelief (Vorderdeckel)
1 Silberplatte (Rückdeckel)
Reste der Einlage des Rückens
Schließen
Maße
Vorderdeckel:
296-298 mm x 245 mm (???) x 15 mm
Goldschmiederahmen an allen Seiten 45 mm breit
Perlbänder 65 mm lang und 5 mm breit
Rückdeckel:
298 mm x 245 mm x 18 mm
Rücken:
[...]
Buchblock:
296-298 mm x 241 mm x 115 mm
Material und Technik
Vorderdeckel
getriebenes Gold
Kantenbeschläge: Silber, vergoldet.
Mittelfeld:
Elfenbeinplatte mittels gebördelten Goldblechs fixiert
Rückdeckel:
Gravierte Silberplatte, teilvergoldet, opus interrasile auf dunkelgrünem Seidenstoff.
Schließen:
Silber, feuervergoldet
Beschreibung des Äußeren
Vorderdeckel:
4 Goldmetallstreifen um ein Elfenbeinrelief (gebördelt am Elfenbein), 4 schmale Stege aus vergoldetem Silberblech (über den Kanten). Zierleiste aus zwei parallel mit der Außenkante verlaufenden kordierten Drähten, dazwischen 22 gleichmäßig verteilte Drahtringe (fünf entlang der waagrechten, sechs entlang der senkrechten Kanten des Reliefs, alle ebenfalls aus kordiertem Draht). 22 Vierpässe aus gekordeltem Goldraht. Die Diagonalen des Rahmens sind jeweils durch zwei parallele Drähte betont, die eine Leiste aus gepunzten kleinen Halbkugeln begrenzen. Die Montierungsnägel sind durchwegs so verteilt, dass sie als Teil des Ornaments wirken. Die Stärke des Holzdeckels ist mit vergoldetem Silberblech bezogen.
Rahmen:
Flacher Goldschmiederahmen
Rückdeckel
Rückdeckel aus graviertem, teilvergoldetem Silber
Überarbeitungsstadien
1585 sind umfangreichere Reparaturen an den Prachteinbänden vorgenommen worden (Dressler, Prachthandschriften, 1995, S. 93), die insbesondere wohl auch den Vorderdeckel des Sakramentars betrafen (siehe Abschnitt "Stil und Einordnung").
Rücken, roter Samt aus dem Jahre 1962 (vgl. Gullath, Kodikologie, 2010, S. 15).
Zustandsberichte
Im Domschatzverzeichnis von 1736/43 (Staatsbibliothek Bamberg, HV.Msc.224, S. 91 ) wird das Goldgewicht, das Graff bereits im Jahre 1726 bei allen Schatzstücken ermittelt hat, mit „84 Cronen“ angegeben. Das am 22. März 1803 erstellte „Verzeichnis der zum hiesigen Domschatze gehörigen Sachen“ (SAB, Rep. K 202, Nr. 101, Lit B) nennt, wohl das ältere Verzeichnis zitierend, ebenfalls „84 Kronen Goldgewicht".
Ikonographie
Vorderdeckel: Kreuzigung Christi und Frauen am Grabe (siehe gesonderte Beschreibung)
Rückdeckel: Hl. Gregor (siehe gesonderte Beschreibung)
Stil und Einordnung
Komponenten verschiedener Provenienz und Zeitstellung (siehe auch je gesonderte Beschreibungen). Das Elfenbeinrelief und der Rückdeckel stammen wohl vom ursprünglichen Einband aus der Zeit Kaiser Heinrichs II., zwischen 1002 und 1014 mit der Handschrift dem Bamberger Dom gestiftet, ebenso die obere Schließe, nach der die untere ergänzt worden ist.
Der einfache Goldblechdeckel des Vorderdeckels ist zeitlich schwer einzuordnen. Während die ältere, aber auch noch jüngere Forschung davon ausgeht, dass der goldene Überzug im 17. oder 18. Jahrhundert einen älteren Einband ersetzte und nur das Elfenbeinrelief wiederverwendete, nimmt Brigitte Gullath (Kodikologie, 2010, hier S. 14 nach mündl. Mitteilung von Lorenz Seelig) überzeugend an, dass der Einband, der bei der Restaurierung von Johann Graff (1726) nur mit wenig Gold ausgebessert wurde (mit „4 ½ gran“, die Reparatur kostetet auch nur 4 fl. [vgl. zu beiden Sachverhalten Dressler, Prachthandschriften, 1995, S. 100], siehe hierzu Abschnitt "Überarbeitungsstadien"), ???? vermutlich einer umfangreichen Restaurierung aus dem Jahre 1585 entstammt.
Provenienz
Das Buch wird (von Dressler, Prachthandschriften, 1995, S. 92) mit dem 1554 angelegten Domschatzverzeichnis (AEB, Rep. I, Nr. 72, Bl. 17r–18v, hier 17v) genannten Buch Nr. 5 identifiziert: „Ein Puch, darinnen alle Orationes, Secreta et Complenda geschrieben, oben mit gold beschlagen, vunden Silbers vubergult mit einem helfenpainen pild Salvatoris“. Bamberg, Domschatz bis 1803. Dann München, Hofbibliothek.
Literaturhinweise
Dressler, Prachthandschriften, 1995.
Exner, Kunstdenkmäler, Bd. 4. 1. 2., Teil 2, 2015, S. 1811-1814 (mit aktueller Literaturliste bis Sommer 2015).
Staatsbibliothek Bamberg, HV.Msc.224.
SAB, Rep. K 202, Nr. 101, Lit B.