Clm 4456 Einband Hauptaufnahme: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Rückdeckel:'''
'''Rückdeckel:'''


gravierte Silberplatte, s. Spolien
1 Rückdeckel aus Holz mit durchbrochener Silberplatte
 
Dunkelgrüner Seidenstoff
 
Reste von Randbeschlägen




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1 [[Clm 4456 Einband Spolie Elfenbeinschnitzerei VD|Elfenbeinrelief]] (Vorderdeckel)
1 [[Clm 4456 Einband Spolie Elfenbeinschnitzerei VD|Elfenbeinrelief]] (Vorderdeckel)
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2 [[Clm 4456 Einband Spolie Schließen|Schließen]]
2 [[Clm 4456 Einband Spolie Schließen|Schließen]]
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'''Rückdeckel:'''  
'''Rückdeckel:'''  


298 mm x 245 mm x 18 mm
Silberplatte: 298 mm x 241-245 mm x 5 mm
 
Rückdeckel insgesamt: 298 mm x 245 mm x 18 mm




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'''Rückdeckel:'''
'''Rückdeckel:'''


Gravierte Silberplatte, teilvergoldet, opus interrasile auf dunkelgrünem Seidenstoff.
Gravierte Silberplatte (teilvergoldet), opus interassile
 
Dunkelgründer Seidenstoff


Stark beschädigte Kantenbleche aus vergoldetem Silber


'''Schließen:'''
'''Schließen:'''
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==Beschreibung des Äußeren==
==Beschreibung des Äußeren==
'''Vorderdeckel:'''
'''Vorderdeckel:'''
Flacher Goldschmiederahmen aus 4 Goldmetallstreifen um ein Elfenbeinrelief (gebördelt am Elfenbein). 4 schmale Stege aus vergoldetem Silberblech (über den Kanten). Zierleiste aus zwei parallel mit der Außenkante verlaufenden kordierten Drähten, dazwischen 22 gleichmäßig verteilte Drahtringe (fünf entlang der waagrechten, sechs entlang der senkrechten Kanten des Reliefs, alle ebenfalls aus kordiertem Draht). 22 Vierpässe aus gekordeltem Goldraht. Die Diagonalen des Rahmens sind jeweils durch zwei parallele Drähte betont, die eine Leiste aus gepunzten kleinen Halbkugeln begrenzen. Die Montierungsnägel sind durchwegs so verteilt, dass sie als Teil des Ornaments wirken. Die Stärke des Holzdeckels ist mit vergoldetem Silberblech bezogen.  
4 Goldmetallstreifen um ein Elfenbeinrelief (gebördelt am Elfenbein), 4 schmale Stege aus vergoldetem Silberblech (über den Kanten). Zierleiste aus zwei parallel mit der Außenkante verlaufenden kordierten Drähten, dazwischen 22 gleichmäßig verteilte Drahtringe (fünf entlang der waagrechten, sechs entlang der senkrechten Kanten des Reliefs, alle ebenfalls aus kordiertem Draht). 22 Vierpässe aus gekordeltem Goldraht. Die Diagonalen des Rahmens sind jeweils durch zwei parallele Drähte betont, die eine Leiste aus gepunzten kleinen Halbkugeln begrenzen. Die Montierungsnägel sind durchwegs so verteilt, dass sie als Teil des Ornaments wirken. Die Stärke des Holzdeckels ist mit vergoldetem Silberblech bezogen.  
''Rahmen:''
Flacher Goldschmiederahmen
 


'''Rückdeckel:'''
'''Rückdeckel:'''


Rückdeckel aus graviertem, teilvergoldetem Silber
Rückdeckel aus graviertem, teilvergoldetem Silber. Die Hintergründe und die Zwischenflächen des Palmettenfrieses sind ausgesägt und lassen die dunkelgrüne Seide – so noch vorhanden – sichtbar werden, ebenso das darunter liegende Wildleder. Die Metallarbeit ist mit wohl durchdacht verteilten Metallstiften auf dem Deckel befestigt, die auch die Seide und die Wildlederbespannung fixieren.


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== Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen ==
Auf dem Rückdeckel steht unter dem oberen Saum des dargestellten Vorhangs in Kapitalis: ''SCS GRE / GORIVS''
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== Überarbeitungsstadien ==  
== Überarbeitungsstadien ==  
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== Restaurierung ==
== Restaurierung ==
1585 sind umfangreichere Reparaturen an den Prachteinbänden vorgenommen worden ([[Literatur::Dressler, Prachthandschriften, 1995]], S. 93), die insbesondere wohl auch den Vorderdeckel des Sakramentars betrafen (siehe Abschnitt "Stil und Einordnung").   
1585 sind umfangreichere Reparaturen an allen Prachteinbänden des Bamberger Domstifts vorgenommen worden ([[Literatur::Dressler, Prachthandschriften 1995]], S. 93), die insbesondere wohl auch den Vorderdeckel des Sakramentars betrafen (siehe [[Literatur::Gullath, Kodikologie, 2010]]; siehe auch Abschnitt "Stil und Einordnung").   
 
1726 wurden für die Restaurierung des Codex unter Domcustos Johannes Graff nur „4 ½ gran zu de[m] Missale“ verwendet; die Reparatur kostete auch nur 4 fl. (vgl. zu beiden Sachverhalten [[Literatur::Dressler 1993]], S. 100). Im Domschatzverzeichnis von 1736/43 (Staatsbibliothek Bamberg, HV.Msc.224, S. 91) wird das Goldgewicht, das Graff bereits im Jahre 1726 bei allen Schatzstücken ermittelt hat, mit „84 Cronen“ angegeben. Vermutlich bezieht sich diese Angabe jedoch nur auf den Vorderdeckel.


Rücken, roter Samt aus dem Jahre 1962 (vgl. [[Literatur::Gullath, Kodikologie, 2010]], S. 15).
Rücken, roter Samt aus dem Jahre 1962 (vgl. [[Literatur::Gullath, Kodikologie, 2010]], S. 15).
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== Ikonographie ==
== Ikonographie ==


Vorderdeckel: Kreuzigung Christi und Frauen am Grabe (siehe gesonderte [[Clm 4456 Einband Spolie Elfenbeinschnitzerei VD|Beschreibung]])
'''Vorderdeckel:'''


Rückdeckel: Hl. Gregor (siehe gesonderte [[Clm 4456 Einband Spolie Goldschmiedeeinband RD|Beschreibung]])  
Kreuzigung Christi und Frauen am Grabe (siehe gesonderte [[Clm 4456 Einband Spolie Elfenbeinschnitzerei VD|Beschreibung]])


'''Rückdeckel:'''


Darstellung des hl. Papstes Gregors (590–604), den Redakteur des Sakramentars. Der nimbierte Papst sitzt auf einer Thronbank mit einem Kissen, die Füße auf einem Suppedaneum. Mit der linken hält er mit einem Federmesser ein auf einem Pult liegendes Buch offen. Auf dem Pult finden sich ein Tintenfass und zwei Federn. Auf der Schulter sitzt die Taube des heiligen Geistes, die den Kirchenvater inspiriert (sie berührt mit ihrem Schnabel das Ohr Gregors). Die Szene findet in einer Architekturabbreviatur statt, einem von zwei Säulen getragenen dreigiebeligen Gebäude. Gregor wird von einem Vorhang hinterfangen, der rechts und links um die Säulen verschlungen ist. Auf diesem steht in Kapitalis die Bezeichnung des Dargestellten: ''SCS GRE / GORIVS''.
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Der einfache Goldblechdeckel des Vorderdeckels ist zeitlich schwer einzuordnen. Während die ältere, aber auch noch jüngere Forschung davon ausgeht, dass der goldene Überzug im 17. oder 18. Jahrhundert einen älteren Einband ersetzte und nur das Elfenbeinrelief wiederverwendete, nimmt Brigitte Gullath ([[Literatur::Gullath, Kodikologie, 2010|Kodikologie, 2010]], hier S. 14 nach mündl. Mitteilung von Lorenz Seelig) überzeugend an, dass der Einband, der bei der Restaurierung von Johann Graff (1726) nur mit wenig Gold ausgebessert wurde (mit „4 ½ gran“, die Reparatur kostetet auch nur 4 fl. [vgl. zu beiden Sachverhalten [[Literatur::Dressler, Prachthandschriften, 1995]], S. 100], siehe hierzu Abschnitt "Überarbeitungsstadien"), vermutlich einer umfangreichen Restaurierung aus dem Jahre 1585 entstammt.  
Der einfache Goldblechdeckel des Vorderdeckels ist zeitlich schwer einzuordnen. Während die ältere, aber auch noch jüngere Forschung davon ausgeht, dass der goldene Überzug im 17. oder 18. Jahrhundert einen älteren Einband ersetzte und nur das Elfenbeinrelief wiederverwendete, nimmt Brigitte Gullath ([[Literatur::Gullath, Kodikologie, 2010|Kodikologie, 2010]], hier S. 14 nach mündl. Mitteilung von Lorenz Seelig) überzeugend an, dass der Einband, der bei der Restaurierung von Johann Graff (1726) nur mit wenig Gold ausgebessert wurde (mit „4 ½ gran“, die Reparatur kostetet auch nur 4 fl. [vgl. zu beiden Sachverhalten [[Literatur::Dressler, Prachthandschriften, 1995]], S. 100], siehe hierzu Abschnitt "Überarbeitungsstadien"), vermutlich einer umfangreichen Restaurierung aus dem Jahre 1585 entstammt.  
Der Rückdeckel wird gemeinhin als Regensburger Arbeit angesehen ([[Literatur::Fillitz, Zierde für die Ewigkeit  1994]], S. 130) und in die Gruppe um den Wattenbacher Tragaltar (München, Bayerisches Nationalmuseum, Inv.-Nr. MA 198) gegeben. Als weitere Werke dieser Gruppe sind die Unterseite des Tragaltars Kaiser Heinrichs II. (München, Schatzkammer der Residenz, Inv.-Nr. Res. Mü. Schk. 9, WL; Rückseite) und das Reichskreuz (Wien, Weltliche und Geistliche Schatzkammer, Inv.-Nr. XIII 21) sowie der Rückdeckel des Perikopenbuch Kaiser Heinrichs II. der BSB, [[Clm 4452 Einband Hauptaufnahme|Clm 4452#Einband]], zu nennen. Vor allem sind die Beziehungen zwischen dem Palmettenornament auf dem Rückdeckel des Perikopenbuchs und den Rahmungen von Miniaturen des Regensburger Sakramentars Kaiser Heinrichs II. für eine Lokalisierung dorthin ausschlaggebend gewesen (vgl. [[Literatur::Ausst.-Kat. Regensburger Buchmalerei]], Taf. 94; [[Literatur::Fillitz 2010]], S. 77). Suckale-Redlefsen ([[Literatur::Suckale-Redlefsen: Goldschmiedewerkstatt, 1995]] und [[Literatur::Ausst. Kat. Heinrich II.]]) plädiert für eine Entstehung der Silbergravuren in Bamberg. Martina Pippal verweist jüngst ([[Literatur::Pippal, Der Einband, 2010]], S. 31) auf die stilistischen Differenzen zu diesen o.g. Arbeiten, auf lothringische Vorbilder oder eine Entstehung in Lothringen (Gemeinsamkeiten mit dem Meister des Registrum Gregorii).
Aufgrund der inhaltlichen Verbindung zum Text der Handschrift (Papst Gregor gilt als Verfasser des Sakramentars) und der zum Buchblock passenden Größe gilt die Platte als Teil des ursprünglichen Einbandes.
   
   



Version vom 15. Januar 2018, 16:36 Uhr

Übersicht
Signatur Clm 4456#Einband
Maße 296-298 mm x 245 mm x 15 mm
Datierung 1002 - 1012
Ort Regensburg?
Objekttyp Einband, westlich
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung Kategorie:Goldschmiedeeinband
Kategorie Einband - bindings (gathered matter components); AAT-ID: 300055023)

Beschreibung: Karl-Georg Pfändtner, 2016


Das Sakramentar Heinrichs II. (973-1024) ist eine der berühmtesten ottonischen Handschriften überhaupt. Sie entstand auf Heinrichs Auftrag höchstwahrscheinlich in Regensburg und enthält liturgische Texte. Die Rückseite des Sakramentars schmückt eine Silberplatte mit der Figur Papst Gregors des Großen, die Vorderseite ein Elfenbeinrelief mit der Darstellung der Kreuzigung Christi und der Frauen am Grabe. Heinrich stiftete das Sakramentar dem Bamberger Dom. Von dort gelangte es 1802 nach München.


Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4456 : Sakramentar, Deutschland, Regensburg, zwischen 1007–1012 im Auftrag Heinrichs II. geschrieben


Entstehung

Zur Bistumsgründung Bambergs 1007 oder zur Domweihe des Bamberger Doms 1012 von Heinrich II. gestiftet. Im 16. Jahrhundert in Bamberg grundlegend überarbeitet.


Komponenten

Vorderdeckel:

4 Goldmetallstreifen

4 schmale Stege

1 Zierleiste

22 Drahtringe

22 Vierpässe aus gekordeltem Goldraht.


Rückdeckel:

1 Rückdeckel aus Holz mit durchbrochener Silberplatte

Dunkelgrüner Seidenstoff

Reste von Randbeschlägen


Rücken:

roter Samt


Spolien (separate Beschreibungen verlinkt):

1 Elfenbeinrelief (Vorderdeckel)

2 Schließen


Maße

Vorderdeckel:

296-298 mm x 245 mm (???) x 15 mm

Goldschmiederahmen an allen Seiten 45 mm breit

Perlbänder 65 mm lang und 5 mm breit


Rückdeckel:

Silberplatte: 298 mm x 241-245 mm x 5 mm

Rückdeckel insgesamt: 298 mm x 245 mm x 18 mm


Rücken:

[...]


Buchblock:

296-298 mm x 241 mm x 115 mm


Material und Technik

Vorderdeckel

getriebenes Gold

Kantenbeschläge: Silber, vergoldet.


Mittelfeld:

Elfenbeinplatte mittels gebördelten Goldblechs fixiert


Rückdeckel:

Gravierte Silberplatte (teilvergoldet), opus interassile

Dunkelgründer Seidenstoff

Stark beschädigte Kantenbleche aus vergoldetem Silber

Schließen:

Silber, feuervergoldet


Beschreibung des Äußeren

Vorderdeckel: Flacher Goldschmiederahmen aus 4 Goldmetallstreifen um ein Elfenbeinrelief (gebördelt am Elfenbein). 4 schmale Stege aus vergoldetem Silberblech (über den Kanten). Zierleiste aus zwei parallel mit der Außenkante verlaufenden kordierten Drähten, dazwischen 22 gleichmäßig verteilte Drahtringe (fünf entlang der waagrechten, sechs entlang der senkrechten Kanten des Reliefs, alle ebenfalls aus kordiertem Draht). 22 Vierpässe aus gekordeltem Goldraht. Die Diagonalen des Rahmens sind jeweils durch zwei parallele Drähte betont, die eine Leiste aus gepunzten kleinen Halbkugeln begrenzen. Die Montierungsnägel sind durchwegs so verteilt, dass sie als Teil des Ornaments wirken. Die Stärke des Holzdeckels ist mit vergoldetem Silberblech bezogen.

Rückdeckel:

Rückdeckel aus graviertem, teilvergoldetem Silber. Die Hintergründe und die Zwischenflächen des Palmettenfrieses sind ausgesägt und lassen die dunkelgrüne Seide – so noch vorhanden – sichtbar werden, ebenso das darunter liegende Wildleder. Die Metallarbeit ist mit wohl durchdacht verteilten Metallstiften auf dem Deckel befestigt, die auch die Seide und die Wildlederbespannung fixieren.


Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen

Auf dem Rückdeckel steht unter dem oberen Saum des dargestellten Vorhangs in Kapitalis: SCS GRE / GORIVS

Überarbeitungsstadien

Reste der Einlage des Rückens und des Buchblocks - ein mit dem Kapital (blaue Fäden) angestochenes Wildlederteil sowie reste eines Goldbrokats - wurden abgetrennt und separat aufbewahrt. Die Reste des eigentlichen, wohl originalen Wildlederrückens sind an den äußeren Kapitalen noch sichtbar. Der Goldbrokat an der inneren, dem Schnitt zugewandten Seite, war eine Verzierung für das Kapital. Der Rücken dürfte weder damit noch mit einem anderen Stoff überzogen gewesen sein, da sich sonst auch Stoffreste unter den äußeren Kapitalfäden finden müssten.


Zustandsberichte

Im Domschatzverzeichnis von 1736/43 (Staatsbibliothek Bamberg, HV.Msc.224, S. 91 ) wird das Goldgewicht, das Graff bereits im Jahre 1726 bei allen Schatzstücken ermittelt hat, mit „84 Cronen“ angegeben. Das am 22. März 1803 erstellte „Verzeichnis der zum hiesigen Domschatze gehörigen Sachen“ (SAB, Rep. K 202, Nr. 101, Lit B) nennt, wohl das ältere Verzeichnis zitierend, ebenfalls „84 Kronen Goldgewicht".


Restaurierung

1585 sind umfangreichere Reparaturen an allen Prachteinbänden des Bamberger Domstifts vorgenommen worden (Dressler, Prachthandschriften 1995, S. 93), die insbesondere wohl auch den Vorderdeckel des Sakramentars betrafen (siehe Gullath, Kodikologie, 2010; siehe auch Abschnitt "Stil und Einordnung").

1726 wurden für die Restaurierung des Codex unter Domcustos Johannes Graff nur „4 ½ gran zu de[m] Missale“ verwendet; die Reparatur kostete auch nur 4 fl. (vgl. zu beiden Sachverhalten Dressler 1993, S. 100). Im Domschatzverzeichnis von 1736/43 (Staatsbibliothek Bamberg, HV.Msc.224, S. 91) wird das Goldgewicht, das Graff bereits im Jahre 1726 bei allen Schatzstücken ermittelt hat, mit „84 Cronen“ angegeben. Vermutlich bezieht sich diese Angabe jedoch nur auf den Vorderdeckel.

Rücken, roter Samt aus dem Jahre 1962 (vgl. Gullath, Kodikologie, 2010, S. 15).


Ikonographie

Vorderdeckel:

Kreuzigung Christi und Frauen am Grabe (siehe gesonderte Beschreibung)

Rückdeckel:

Darstellung des hl. Papstes Gregors (590–604), den Redakteur des Sakramentars. Der nimbierte Papst sitzt auf einer Thronbank mit einem Kissen, die Füße auf einem Suppedaneum. Mit der linken hält er mit einem Federmesser ein auf einem Pult liegendes Buch offen. Auf dem Pult finden sich ein Tintenfass und zwei Federn. Auf der Schulter sitzt die Taube des heiligen Geistes, die den Kirchenvater inspiriert (sie berührt mit ihrem Schnabel das Ohr Gregors). Die Szene findet in einer Architekturabbreviatur statt, einem von zwei Säulen getragenen dreigiebeligen Gebäude. Gregor wird von einem Vorhang hinterfangen, der rechts und links um die Säulen verschlungen ist. Auf diesem steht in Kapitalis die Bezeichnung des Dargestellten: SCS GRE / GORIVS.

Stil und Einordnung

Komponenten verschiedener Provenienz und Zeitstellung (siehe auch je gesonderte Spolien-Beschreibungen). Das Elfenbeinrelief und der Rückdeckel stammen wohl vom ursprünglichen Einband aus der Zeit Kaiser Heinrichs II., zwischen 1002 und 1014 mit der Handschrift dem Bamberger Dom gestiftet, ebenso die obere Schließe, nach der die untere ergänzt worden ist.

Der einfache Goldblechdeckel des Vorderdeckels ist zeitlich schwer einzuordnen. Während die ältere, aber auch noch jüngere Forschung davon ausgeht, dass der goldene Überzug im 17. oder 18. Jahrhundert einen älteren Einband ersetzte und nur das Elfenbeinrelief wiederverwendete, nimmt Brigitte Gullath (Kodikologie, 2010, hier S. 14 nach mündl. Mitteilung von Lorenz Seelig) überzeugend an, dass der Einband, der bei der Restaurierung von Johann Graff (1726) nur mit wenig Gold ausgebessert wurde (mit „4 ½ gran“, die Reparatur kostetet auch nur 4 fl. [vgl. zu beiden Sachverhalten Dressler, Prachthandschriften, 1995, S. 100], siehe hierzu Abschnitt "Überarbeitungsstadien"), vermutlich einer umfangreichen Restaurierung aus dem Jahre 1585 entstammt.

Der Rückdeckel wird gemeinhin als Regensburger Arbeit angesehen (Fillitz, Zierde für die Ewigkeit 1994, S. 130) und in die Gruppe um den Wattenbacher Tragaltar (München, Bayerisches Nationalmuseum, Inv.-Nr. MA 198) gegeben. Als weitere Werke dieser Gruppe sind die Unterseite des Tragaltars Kaiser Heinrichs II. (München, Schatzkammer der Residenz, Inv.-Nr. Res. Mü. Schk. 9, WL; Rückseite) und das Reichskreuz (Wien, Weltliche und Geistliche Schatzkammer, Inv.-Nr. XIII 21) sowie der Rückdeckel des Perikopenbuch Kaiser Heinrichs II. der BSB, Clm 4452#Einband, zu nennen. Vor allem sind die Beziehungen zwischen dem Palmettenornament auf dem Rückdeckel des Perikopenbuchs und den Rahmungen von Miniaturen des Regensburger Sakramentars Kaiser Heinrichs II. für eine Lokalisierung dorthin ausschlaggebend gewesen (vgl. Ausst.-Kat. Regensburger Buchmalerei, Taf. 94; Fillitz 2010, S. 77). Suckale-Redlefsen (Suckale-Redlefsen: Goldschmiedewerkstatt, 1995 und Ausst. Kat. Heinrich II.) plädiert für eine Entstehung der Silbergravuren in Bamberg. Martina Pippal verweist jüngst (Pippal, Der Einband, 2010, S. 31) auf die stilistischen Differenzen zu diesen o.g. Arbeiten, auf lothringische Vorbilder oder eine Entstehung in Lothringen (Gemeinsamkeiten mit dem Meister des Registrum Gregorii).

Aufgrund der inhaltlichen Verbindung zum Text der Handschrift (Papst Gregor gilt als Verfasser des Sakramentars) und der zum Buchblock passenden Größe gilt die Platte als Teil des ursprünglichen Einbandes.


Provenienz

Das Buch wird (von Dressler, Prachthandschriften, 1995, S. 92) mit dem 1554 angelegten Domschatzverzeichnis (AEB, Rep. I, Nr. 72, Bl. 17r–18v, hier 17v) genannten Buch Nr. 5 identifiziert: „Ein Puch, darinnen alle Orationes, Secreta et Complenda geschrieben, oben mit gold beschlagen, vunden Silbers vubergult mit einem helfenpainen pild Salvatoris“. Bamberg, Domschatz bis 1803. Dann München, Hofbibliothek.


Literaturhinweise

Dressler, Prachthandschriften, 1995.

Exner, Kunstdenkmäler, Bd. 4. 1. 2., Teil 2, 2015, S. 1811-1814 (mit aktueller Literaturliste bis Sommer 2015).

Gullath, Kodikologie, 2010.

Staatsbibliothek Bamberg, HV.Msc.224.

SAB, Rep. K 202, Nr. 101, Lit B.