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Ergebnisse der materialwissenschaftlichen und kunsttechnologischen Untersuchungen durch das Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung (IBR)

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Zur Beschreibung des Buchdeckels


Die Bemalung auf der Außenseite und die Malerei auf der Innenseite des Buchdeckels Cod.tibet. 119 wurden zur Identifizierung der verwendeten Farbmittel an ausgewählten Messpunkten untersucht. Für eine zerstörungsfreie und berührungslose Untersuchung wurden Röntgenfluoreszenzanalysen durchgeführt und FTIR-Spektren in externer Reflexion gemessen, um über die elementare und molekulare Zusammensetzung auf die verwendeten Farbmittel schließen zu können.

Ergebnisse

In der Vergoldung und Farbfassung der geschnitzten Außenseite lassen sich die Pigmente Zinnober und Auripigment über die Elemente Quecksilber und Arsen in der RFA nachweisen. Dies ist ein Hinweis darauf, dass für die goldene Bemalung neben Gold auch Auripigment verwendet worden ist. Die roten Bereiche sind mit Zinnober bemalt. Die mit Blau und Grün bemalten Bereiche zeigen nur die bereits bekannten Elemente, so dass die Farbe Blau aus einem organischen, mit den verwendeten Methoden nicht näher bestimmbaren Farbmittel bestehen muss und es sich bei Grün um eine Mischung aus Auripigment und der blauen Farbe handeln dürfte.

Für die Malerei auf der Innenseite des Buchdeckels konnten verschiedene Pigmente bestimmt werden. Das weiße Pigment lässt sich nach Auswertung der FTIR-Spektren als eine Mischung aus Zinkoxid und Bariumsulfat identifizieren. Bei den Pigmenten für die Farben Rot und Orange handelt es sich um rotes Bleioxid bzw. Mennige, das Element Blei ist für die jeweilige Farbe in der RFA nachweisbar. Für die verschiedenen gelben Flächen kann Bleichromat über die Elemente Blei und Chrom in der RFA nachgewiesen werden. Die Ergebnisse der RFA von grüner und blauer Farbe sind identisch zu den Untersuchungen von Weiß, es ist daher davon auszugehen, dass es sich um organische Farben handelt, die mit Zinkoxid/Bariumsulfat gemischt worden sind.

Weitere Details zu den Untersuchungen können dem Analysenreport im Downloadbereich entnommen werden.

Methoden und Messdaten

Die Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) wendet die Technik der Fluoreszenzspektroskopie auf Röntgenstrahlung an, die Materialprobe wird dabei durch Röntgenstrahlung angeregt. Als Resultat der Anregung wird freiwerdende Energie in Form von elementspezifischer Fluoreszenzstrahlung abgegeben. Diese Fluoreszenzstrahlung kann von einem Strahlungsdetektor ausgewertet werden und ermöglicht so eine Identifizierung und Konzentrationsbestimmung aller chemischen Elemente etwa ab dem Element Magnesium in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen. Besonders leistungsfähig ist der Nachweis von Elementen, die eine hohe Ordnungszahl haben, wie beispielsweise Quecksilber oder Blei.

Die Infrarotspektroskopie, heute üblicherweise Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie (FTIR-Spektroskopie), ist ein spektroskopisches Analyseverfahren, das mit infraroter Strahlung arbeitet und auf der Anregung von Energiezuständen in Molekülen beruht. Die FTIR-Spektroskopie wird zur Strukturaufklärung unbekannter Substanzen genutzt, da die Methode Schwingungsinformationen von Atomen bzw. Atomgruppen an ihren Molekülbindungen im mittleren Infrarotbereich (MIR; Wellenzahl: 4000 – 400 reziproke Zentimeter) liefert. FTIR-Spektren werden dahingehend interpretiert, dass man aus den Banden des gemessenen FTIR-Spektrums die Molekülgestalt herauszufinden versucht. Die zerstörungsfreie und berührungslose Technik der externen Reflexion eignet sich grundsätzlich für die Messung an bemalten Oberflächen. Hauptnachteil der Methode ist, dass sich die Reflexionsspektren stark von Transmissionsspektren unterscheiden. Die Spektren zeigen aufgrund geänderter Reflektivität durch die Abhängigkeit des Brechungsindexes von der Wellenlänge ableitungsähnliche bzw. verzerrte Bandenformen. Auch die unterschiedliche Reflexion von den glatten oder rauen Oberflächen der bemalten Oberflächen führt zur ungleichen Verteilung der Strahlenanteile, die einen direkten Vergleich mit Spektren anderer FTIR-Techniken nur sehr eingeschränkt zulassen.

Der Analysenreport im PDF-Format enthält aufgeschlüsselt nach den beiden Methoden die Kartierung der Messpunkte, die apparativen Details, Messparameter sowie die Abbildungen aller gemessenen Spektren. Zusätzlich stehen die unbearbeiteten Messdaten vollständig im Downloadbereich als Zip-Container zur Verfügung. Die RFA-Daten sind einmal im proprietären Format des Niton™ XL3t GOLDD+ RFA-Analysators sowie als kommaseparierte Tabelle hinterlegt. Die FTIR-Spektren stehen im JCAMP-DX-Format zur Verfügung, das auch alle Messparameter enthält.

JCAMP-DX (Joint Committee on Atomic and Molecular Physical data – Data eXchange) ist ein elektronischer Datenstandard für die langfristige Speicherung und Übertragung von chemometrischen Informationen. Der Standard ist die Entwicklung der International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC). Es handelt sich um ein von Menschen lesbares Dateiformat, das spektroskopische Daten sowie zugehörige chemische und physikalische Informationen speichert. Das Datenformat kann entweder über einen Texteditor oder über gängige Programme zur Spektrenbearbeitung geöffnet und genutzt werden.

Download

Cod.tibet. 119 Analysis Report.pdf

Cod.tibet. 119 Messdaten.zip