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Luxuseinband zu: Exercitium spirituale sive particularis devotio quotidiana - BSB Rar. 4188#Einband

Version vom 29. Oktober 2018, 14:31 Uhr von Sduesterhoeft (Diskussion | Beiträge)
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Übersicht
Signatur Rar. 4188#Einband
Maße 210 mm x 157 mm x 37 mm
Datierung Ende 17. Jh.
Ort Mitteleuropa: Bayern, Augsburg ?
Objekttyp Luxuseinband
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung Goldschmiedekunst
Kategorie Westliche Prachteinbände

Beschreibung: Caroline Smout. Bayerische Staatsbibliothek, 2018 (Kurzerfassung).


Dieser Luxuseinband aus gesprenkeltem braunem Kalbsleder und gegossenen Beschlägen aus feuervergoldetem Silber als Schmuckelementen dürfte Ende des 17. Jahrhunderts entstanden sein, womöglich aber auch erst in der Zeit zwischen 1708 und circa 1714. Während auf den späteren Zeitraum das Wappen hinweist, das im Zentrum des Vorderdeckels platziert ist, zeigt der Rücken ein für das ausgehende 17. Jahrhundert übliches Fleuron-Motiv in Goldprägung.

Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Exercitium spirituale sive particularis devotio quotidiana, München, Bayerische Staatsbibliothek, Rar. 4188 , Augsburg ?, 1698


Entstehung

Unbekannter Künstler, Goldschmied, Ende 17. Jahrhundert. Mitteleuropa: Bayern, Augsburg ?


Komponenten

Vorderdeckel:

Lederbezug

1 Mittelbeschlag aus vergoldetem Silber

4 Eckbeschläge aus vergoldetem Silber


Rückdeckel:

Lederbezug

1 Mittelbeschlag aus vergoldetem Silber

4 Eckbeschläge aus vergoldetem Silber


Rücken:

Lederbezug


Schließen:

2 Ösenschließen


Maße

Gesamt:

210 mm x 157 mm x 37 mm


Vorderdeckel:

210 mm x 150 mm x 4 mm


Rückdeckel:

210 mm x 150 mm x 4 mm


Rücken:

207 mm x 36 mm


Material und Technik

Vorder- und Rückdeckel:

Gesprenkeltes Kalbsleder mit Vergoldung (Rollenstempel); gegossene Beschläge aus feuervergoldetem Silber, zum Teil mit Emaileinlage; Schließen aus galvanisch vergoldetem Silber.


Rücken:

Braunes Leder mit goldgeprägten Plattenstempeln.


Beschreibung des Äußeren

Vorder- und Rückdeckel:

Im Zentrum des Vorderdeckels befindet sich ein Mittelbeschlag, der durch den Zuschnitt der Blattranken die Form einer Raute erhält (Abb. 1). Die Blattranken umfangen einen Kranz, in den ein bayerisches Wappen eingestellt ist. Wie die übrigen Elemente des Beschlages ist auch das Wappen aus vergoldetem Silber gebildet, allein die Schilde sind mit Emaileinlagen versehen. Das Wappen (Abb. 2), das in drei Schilde aufgeteilt ist, lässt sich folgendermaßen beschreiben: Der linke (heraldisch rechte) Schild ist geviertelt: Feld 1, von Silber vor Blau gerautet, bezeichnet Wittelsbach/ das Kurfürstentum Bayern. Feld 2, in Gold ein schwarzer Löwe, steht für das Herzogtum Jülich (der rote Schmuckrand könnte zwar heraldisch sein, ist hier aber mehr als reine Schmucklinie aufzufassen). Feld 3, in Rot ein goldenes Glevenrad, bezeichnet das Herzogtum Kleve, Feld 4, in Silber ein blauer, golden bekrönter, bezungter und bewehrter Löwe, die Grafschaft Veldenz. Über den vier Feldern befindet sich ein Herzschild: in Schwarz ein goldener, rot bekrönter, bezungter und bewehrter Löwe als heraldischen Zeichen für die Pfalzgrafschaft bei Rhein. Der rechte, heraldisch linke Schild, ist ebenfalls geviertelt: Feld 1, in Gold ein schwarzen Balken, bedeutet die Grafschaft Moers. Feld 2, in Silber ein roter, gold bewehrter, blau gekrönter Löwe, steht für das Herzogtum Berg. Feld 3, in Gold ein Silber vor Rot geschachter Balken, bezeichnet die Grafschaft Mark und Feld 4, in Silber drei rote Sparren, die Grafschaft Ravensberg. Der mittlere Schild weist einen goldenen Reichsapfel vor rotem Grund auf, das Zeichen des Erztruchsessenamtes. Darüber befindet sich in Gold der Stern des Hubertusordens, darunter in Gold Collane und Kleinod des Ordens vom Goldenen Vlies. Über allem ist ein Kurhut zu sehen. Zurückgehen dürfte das Wappen auf Johann Wilhelm von der Pfalz, der 1708 den Hubertusorden erneuerte, und in der Zeit zwischen 1708 und circa 1714 geschaffen worden sein. (Für seine kenntnisreichen Hinweise zu diesem Wappen und die zeitlichen Einordnung danke ich Friedrich Ulf Röhrer-Ertl). Der Mittelbeschlag auf dem Rückdeckel zeigt eine andere Form (Abb. 3): Der Schild ist aus Bandwerk geformt, auf dem die Rangkrone aufsitzt (vgl. dazu unten den Hinweis unter „Zustandsberichte“). Die Beschläge in den Ecken bestehen aus einem geflügelten Engelkopf, der mit Girlanden und Bandwerk verziert ist (Abb. 4). Zwischen den Beschlägen verlaufen zwei goldgeprägte Linien als äußerer Rahmen. An den Kanten goldgeprägte Stempel mit Blattornamenten unter Spitzbögen.


Rücken:

Gesprenkeltes braunes Kalbsleder, zwischen den Bünden dekoratives Fleuron-Motiv in Goldprägung (Abb. 5): ein zentriert platziertes, rautenförmig zugeschnittenes Blattrankenwerk wird von Blattrankenwerk, das in dreieckiger Form in die Ecken eingepasst ist, umgeben. Den Rahmen bilden doppelte Linien mit randständigem Zackenband. Die Bünde sind mit goldgeprägten stilisierten Blattornamenten unter Spitzbögen versehen. Signaturschildchen: Rar. 4188.


Schließen:

Ösenverschluss mit einem Dorn-Lager auf dem Buchdeckelrand als schlichte Ganzmetallschließe (Adler, Handbuch Buchverschluss (2010), BV.2.1.5.). Lager und Scharnierplatte aus gegossenem vergoldetem Silber. Wie die Eckbeschläge weisen sie als zentrales Motiv einen Kopf auf, der von einer Girlande und Bandwerk umfangen ist (Abb. 6). Doch ist das Repertoire der ornamentalen Elemente um stilisiertes Blattrankenwerk erweitert.



Überarbeitungsstadien

Vorderdeckel:

Bei dem Wappen, das in die Zeit zwischen 1708 und circa 1714 einzuordnen ist, könnte es sich um eine spätere Ergänzung handeln, so dass es an die Stelle eines älteren Wappens getreten ist. Die Schließen dürften eine spätere Ergänzung sein. Sie sind nicht mehr wie die Beschläge feuervergoldet, sondern galvanisch vergoldet. (Für diesen Hinweis auf Material und Technik danke ich Thorsten Allscher vom IBR.)


Rückdeckel:

Der Mittelbeschlag gehört nicht zur ursprünglichen Ausstattung des Einbandes, sondern wurde später angebracht (s. im Folgenden unter „Zustandsberichte“).


Zustandsberichte

Vorderdeckel:

Insbesondere auf dem Mittelbeschlag ist die Vergoldung an zahlreichen Stellen nicht mehr vorhanden; Schäden auch an den beiden linken Eckbeschlägen. An den Kanten ist der Ledereinband etwas abgerieben.


Rückdeckel:

Um den Mittelbeschlag herum befinden sich vier Bohrlöcher, die gemeinsam mit dem Abdruck auf dem Ledereinband darauf hinweisen, dass dort ursprünglich ein Mittelbeschlag wie auf dem Vorderdeckel angebracht war. Die Eckbeschläge weisen schadhafte Stellen bei der Vergoldung auf, vor allem am oberen linken Beschlag. An den Kanten ist der Ledereinband etwas abgerieben.


Rücken:

Leder an den Bünden abgerieben


Restaurierung

Rückdeckel:

Februar 1962: Erneuerung der Schließen (s. das Papierschildchen des Instituts für Bestandserhaltung und Restaurierung (IBR) auf dem hinteren Spiegel)


Empfohlene Zitierweise

Caroline Smout. Luxuseinband zu: Exercitium spirituale sive particularis devotio quotidiana - BSB Rar. 4188#Einband. Bayerische Staatsbibliothek, 2018 (Kurzerfassung).

URL: https://einbaende.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Rar._4188_Einband_Hauptaufnahme, aufgerufen am 14.11.2019