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Tibetischer Buchdeckel (Oberdeckel) - BSB Cod.tibet. 21

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Übersicht
Signatur Cod.tibet. 21
Maße 269 mm x 704 mm x 39 mm
Datierung ca. 17./18. Jh.
Ort Tibet/Xizang
Objekttyp Buchdeckel, asiatisch
Katalogisierungsebene Gesamtaufnahme (item)
Klassifizierung Schnitzkunst
Kategorie Tibetische Buchdeckel

Beschreibung: Günter Grönbold/Samyo Rode. Bayerische Staatsbibliothek, 1991/2016.


Die Schnitzereien sind in tiefem Relief gearbeitet, die Hauptfiguren sind fast vollplastisch gestaltet.

Entstehung

unbekannt, ca. 17. Jh./18. Jh. in Tibet/Xizang.


Maße

Oberdeckel:

269 mm x 704 mm x 39 mm


Außenseite (Zierseite):

Mittelfeld:

130 mm x 565 mm


Mittelfeldbegrenzung:

31-34 mm


Rahmen:

37-39 mm


Material und Technik

Geschnitzter, ursprünglich vergoldeter Buchdeckel aus Holz


Beschreibung des Äußeren

Außenseite (Zierseite):

Mittelfeld:

Zentralsymmetrischer Aufbau mit drei Teilfeldern mit je figürlichen Darstellungen.


Mittelfeldbegrenzung:

Der Innenrand des Mittelfeldstegs wird von einem stark stilisierten Blätterfries gebildet; es folgt ein Perlstab zwischen zwei glatten Stegen.


Rahmen:

Den äußeren Rahmen bilden ein schmaler und ein breiter Lotusblätterfries, die je von kleinen Blattmedaillons auf den Symmetrieachsen der Längs- und Schmalseiten ausgehen und schräg nach außen zeigen. Den Abschluss zur Kante hin bilden ein Perlstab und ein Randsteg.


Innenseite:

Auf der Innenseite waren ursprünglich 6 Reihen zu je 15 konzentrischen Kreisen in schwarzen und goldenen Linien auf rotem Grund aufgemalt. Die Kreise an den Rändern sind nur teilweise sichtbar. Im Zentrum der Kreise und im Zwischenraum sind goldene Punkte. Zwei dünne schwarze Linien bilden den Randsteg der Innenseite.


Schmalseite 1:

In sieben Feldern sind Schnitzereien angebracht, das mittlere Feld enthält ein Schriftzeichen.


Längsseite 1:

Die Längsseite ist vergoldet.


Schmalseite 2:

Die Schmalseite ist vergoldet.


Längsseite 2:

Die Längsseite ist vergoldet.


Profil:

Das Profil des Deckels geht seitlich flach hoch und ist oben eben.


Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen

An der Schmalseite 1 ist im mittleren Feld der Buchstabe "Ka" eingeschnitzt, d.h. es handelt sich um Band 1.


Zustandsberichte

Die Vergoldung ist teilweise stark berieben. Brandspuren am unteren Rand des Deckels zeigen, dass er gerade noch vor dem Verbrannt Werden gerettet werden konnte.


Ikonographie

Außenseite (Zierseite):

Mittelfeld:

Im Mittelfeld befindet sich eine Dreiergruppe von Gottheiten. In der Mitte ist die vierarmige Göttin Prajñāpāramitā zu sehen. Sie sitzt auf einem Löwenthron/Sechs-Ornamente-Thron, der von zwei Yakṣa-Atlanten getragen wird und auch auf Blumenranken ruht. Sie befindet sich in Vajrasitzhaltung auf einem Lotussitz, der wiederum auf einem Throntuch mit Rautenmuster platziert ist. Sie trägt Bodhisattva-Schmuck und sitzt vor glattem Nimbus und Hintergrund; ihr vorderes Armpaar ruht in der Meditationsgeste (skt. dhyāna-mudrā), ihre hintere rechte Hand hält ein Vajra, ihre hintere linke den Text mit dem Sūtra der „Vollkommenheit der Weisheit“ (skt. prajñāpāramitā), deren Verkörperung sie ist. Rechts und links neben ihr steht je ein kleiner Bodhisattva (Padmapāṇi?). Im Mittelteil des Thrones befinden sich auf jeder Seite der Göttin unten jeweils ein Halbgöttliches Wesen mit Vogelkörper (? die Köpfe sind abgeschlagen), darüber ein springender Löwe mit Reiter. Den Thronbogen über dem Querbalken bilden ganz oben ein Vogelwesen (skt. garuḍa) mit ausgebreiteten Flügeln und zwei Schlangenwesen (skt. nāga), darunter je ein Seeungeheuer (skt. makara) mit spiralförmigem Rankenschwanz. Der gesamte Thronaufbau wird von einer ovalen, oben spitz zulaufenden Mandorla mit Flammenrand umschlossen; die Zwischenräume sind mit Rankenwerk gefüllt.

Neben der Mandorla ist rechts und links je eine senkrechte Reihe von fünf kleinen Buddhas in Vajrasitzhaltung, die sich durch ihre Handgesten unterscheiden. Sie sitzen vor glatter, doppelter Aureole und Mandorla.

Im linken Feld sitzt Maitreya auf einem Löwenthron, der von einem Yakṣa getragen wird und sonst auf Ranken ruht. Auch er sitzt in Vajrasitzhaltung auf einem Lotussitz, darunter ein Throntuch mit Rautenmuster. Er hält die Hände in der Geste der Lehrverkündung (skt. vitarka) und trägt Bodhisattva-Schmuck; er sitzt vor glattem Nimbus und Aureole. Rechts und links von ihm steht eine Vase mit hohem Blumenstrauß, darauf je eine Gans. In der Spitze des Thronbogens ist ein Vogelwesen (skt. garuḍa) zu sehen. In seinem Schnabel und seinen Klauen hält er Ranken, die zu beiden Seiten hin Voluten bilden. Sonst füllt Rankenwerk die Mandorla. Rechts und links daneben sind je fünf kleine Figuren mit unterschiedlichen Gesten in senkrechter Anordnung; die unterste ist jeweils Vajrapāṇi Mit gestrecktem linken Bein. In seiner ausgestreckten rechten Hand hält er einen Vajra (Figur rechts mit Schwert?), mit seiner linken Hand vor der Brust macht er die Geste der Lehrverkündung (skt. vitarka-mudrā) oder Dämonenbannung (skt. karaṇa-mudrā).

Die rechte Figur der Dreiergruppe ist Buddha Śākyamuni in Vajrasitzhaltung auf einem Lotussitz vor glatter Aureole und Nimbus. Er ist in ein Mönchsgewand gekleidet, seine rechte Hand zeigt die Geste der Erdberührung (skt. bhūmisparśa-mudrā, seine linke ruht in Meditationsgeste (skt. dhyāna-mudrā) in seinem Schoß. Sein Thron ist ganz entsprechend dem von Maitreya gestaltet, wobei das Gesicht des Vogelwesens (skt. garuḍa)in der Spitze des Thronbogens eher einem Ruhmesantlitz ähnelt. Rechts und links neben der Mandorla, die den Thron umschließt, befinden sich wieder fünf kleine Figuren in unterschiedlichen Haltungen und mit verschiedenen Gesten.

Zwischen den Hauptfiguren befinden sich je drei Reihen von sechs flammenähnlichen Blattvoluten, die plastisch hervortreten.


Provenienz

1975 von K. Dolling für die BSB erworben.


Literaturhinweise

Grönbold, Tibetische Buchdeckel (1991), 102f.


Empfohlene Zitierweise

Günter Grönbold/Samyo Rode. Tibetischer Buchdeckel (Oberdeckel) - BSB Cod.tibet. 21. Bayerische Staatsbibliothek, 1991/2016.

URL: https://einbaende.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Cod.tibet._21_Hauptaufnahme, aufgerufen am 13.11.2019