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Elfenbeintafel (Spolie) - BSB Clm 4456#Einband, Vorderdeckel

Version vom 16. November 2018, 09:52 Uhr von Csmout (Diskussion | Beiträge)
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Übersicht
Signatur Clm 4456#Einband
Maße 205-209 mm x 142-146 mm
Datierung Um 980/990
Ort Lothringen (Metz?)
Objekttyp Elfenbeinschnitzerei
Katalogisierungsebene Spolie (component)
Klassifizierung Schnitzkunst
Kategorie Westliche Prachteinbände

Beschreibung: Karl-Georg Pfändtner. Bayerische Staatsbibliothek, 2016.


Elfenbeinrelief, als Spolie verwendet zur Dekoration des Vorderdeckels von Clm 4456#Einband.

Informationen zum Trägerband

Überliefert mit: Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4456: Sakramentar, Deutschland, Regensburg, zwischen 1007–1012 im Auftrag Heinrichs II. geschrieben.


Entstehung

Um 980/990 in Lothringen (Metz?) entstanden (unbekannter Elfenbeinschnitzer).


Maße

205–209 mm x 142–146 mm

Höhe der goldenen Fassung des Elfenbeins: 7 mm

Relieftiefe des Elfenbeins: bis zu 12 mm

Mittelfeldbegrenzung: bis zu 18 mm.


Material und Technik

Elfenbein, geschnitzt.


Ausrichtung im Raum und Arrangement

Mittig in den Vorderdeckel eingelassen.


Beschreibung des Äußeren

Mittelfeld:

Das hochrechteckige Mittelfeld gliedert sich in zwei horizontal übereinander angeordnete Bildfelder, die den Bildraum grob im Verhältnis 2:1 teilen.


Mittelfeldbegrenzung:

Umrahmung aus Akanthuslaub, gefasst von je einem glatten Stab an Außen- und Innenseite.


Inschriften/herstellungsbezogene Marken und Zeichen

Am oberen Ende des Kreuzes tabula ansata mit der Inschrift in Capitalis, in zwei Zeilen aufgeteilt: IHS NAZAREN(VS): / REX IVDEORV(M) (Joh. 19,19) – Jesus von Nazareth, König der Juden.


Zustandsberichte

Vermutlich war das Elfenbeinrelief einmal farbig gefasst. Farbreste finden sich etwa am Bart des Sol (braun?), an den Pupillen Jesu (rechtes Auge) und des Engels am Grabe (beide schwarz) sowie am Hals desselben Engels (gold?).


Ikonographie

Kreuzigung Jesu. Jesus, nur mit Lendenschurz bekleidet, bärtig, die beiden Füße auf einem Suppedaneum. Um das auf einem Dreiberg stehende Kreuz schlängelt sich die Schlange, deren obere Teile mit dem Kopf abgebrochen sind. Rechts und links Longinus und Stephaton; Longinus öffnet mit der Lanze die Seite Jesu, Stephaton als Rückenfigur mit phrygischer Mütze reicht ihm Essigschwamm. Außen links Maria, rechts Johannes? (bärtig!). Rechts und links über den Kreuzbalken finden sich medaillonförmig die Häupter von Sol (männlich, bärtig, mit Strahlenkranz) und Luna (weiblich, mit Mondsichel), darüber in Wolken in zwei Gruppen je drei Engelsköpfe. Rechts und links zu Füßen des Kreuzes entsteigen je zwei Auferstehende ihren rechteckigen Gräbern (nach Mt. 27,52). Im Bildfeld unterhalb des Kreuzes sitzt ein Engel mit Buch auf einem offenen Grab, der mit der rechten Hand auf das Gebäude des hl. Grabes weist, an dem zwei Wächter schlafen. Von rechts nahen die Drei Marien.


Stil und Einordnung

Die Elfenbeinplatte wird nach Lothringen gegeben (Metz?) und gehört eng mit den beiden Elfenbeintafeln von Clm 4451#Einband zusammen, ebenso mit einer Platte der Himmelfahrt Christi in Wien (Kunsthistorisches Museum, Inv.-Nr. 7284) und einer Verkündigung in Berlin (Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Skulpturensammlung, Inv.-Nr. 567). Lokalisierung und Datierung dieser Werke sind nicht zweifelsfrei anerkannt. Die neuere Forschung tendiert aufgrund stilistischer und ikonographischer Details zu einer Lokalisierung der Tafeln in Westdeutschland/Lothringen, im Umfeld von Metz und Trier, und datiert sie ins späte 10. Jahrhundert.


Provenienz

Originale Zugehörigkeit zu Clm 4456#Einband ist nicht zweifelsfrei, aber sehr wahrscheinlich (vgl. zur Diskussion Pippal, Der Einband (2010), 31f.). Pippal spricht sich dort für die Zugehörigkeit zum Einband aus. In der Literatur wird aber auch die These vertreten, dass ein Elfenbeinrelief mit der Maiestas Christi und den Apostelfürsten, heute München, Bayerisches Nationalmuseum (Inv.-Nr. MA 161) ursprünglich dort angebracht war (Pippal, Der Einband (2010), 32).


Literaturhinweise

Pippal, Der Einband (2010), 29–37.


Empfohlene Zitierweise

Karl-Georg Pfändtner. Elfenbeintafel (Spolie) - BSB Clm 4456#Einband, Vorderdeckel. Bayerische Staatsbibliothek, 2016.

URL: https://einbaende.digitale-sammlungen.de/Prachteinbaende/Clm_4456_Einband_Spolie_Elfenbeinschnitzerei_VD, aufgerufen am 13.11.2019